es läuft tatsächlich aus dem Ruder (Allgemeines Forum)

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Mittwoch, 24.11.2021, 11:13 (vor 10 Tagen) @ Der Blaschke
bearbeitet von Alibizugpaar, Mittwoch, 24.11.2021, 11:15

Billiarden investiert - und die Marktanteile sind noch immer äußerst bescheiden. Natürlich gibt's hier und da etwas Zuwachs - aber auf welcher Straße ist denn der Verkehr weniger geworden, weil es Öffis gibt? Bestenfalls konnte ein weiterer Anstieg der Straßennutzung vermieden werden.

Leider ja. Obwohl die Züge zu den Berufsverkehrsspitzen rappelvoll sind. Sieben oder acht Doppelstockwagen zwischen Hamburg und Uelzen hätte man sich zu unseren TMT-Zeiten mal vorstellen müssen. Ich sehe das Problem darin, daß die Abartigkeit des Immobilienpreismarktes gegen jede Langfristplanung von Nahverkehr arbeitet. In den großen Metropolen werden Menschen in immer härteren Taktungen aus den Kernzentren heraus an die Ränder und weiter in die Peripherien vertrieben. In Großstädten kommen Familien mit mehreren Kindern kaum noch unter, also geht es weit raus auf die Dörfer. Wer Glück hat, der nutzt nun statt einer U-Bahn/Straßenbahn alle 10 Minuten vielleicht einen RE mit Abfahrten alle halbe Stunde. Aber wer zu diesem Bahnhof nun zwei Kilometer laufen muß und auch noch mit reichlich Zugausfällen/Verspätungen verwöhnt wird, der nimmt irgendwann klar den Pkw. Die Städte kommen mit ihren Planungen für neue ÖPNV-Linien gar nicht der Zuzugnachfrage hinterher. Vor allem, wenn man wie ich mit dem ÖPNV zur Arbeit nicht ins Zentrum, sondern quer fahren muß.

'Genial' sind auch Fälle von Neubaugebieten wie in Göttingen, wo die neuen Straßen so verschroben verwinkelt angelegt werden, daß man sich zwar wie in einer verträumten Cinderella-Ansiedlung vorkommt, wo bei Erweiterungen des Gebietes eines Tages aber kein Stadtbus durchpasst. Der wird immer nur am Rande vorbei fahren können. Oder wo Stadtwerke ihre Abfahrten so gar nicht auf Regionalzüge abstimmen. Schauderhaft.

Und dann muß man sich auch mal die geschliffene Aufenthaltsqualität zehntausender Bahnhöfe ansehen, wenn Pendler mal wieder +20 im Regen und bei Kälte auf den Zug warten müssen.

Aber was den Immobilienmarkt angeht, da spreche ich von einem typischen Fall von Marktversagen: Toll für Immobilienbesitzer und Investoren ohne Gewissen. Aber die Bedürfnisse der Menschen mit einem Durchschnitts- oder Geringeinkommen fallen hinten komplett runter. Man kann wohl gar nicht mehr ausrechnen, was der Staat an Billionen Euro als Gegenkompensationsmaßnahmen alles investieren muß, nur weil die freie Mieten-Explosionspreisgestaltung als ein freies hohes Gut betrachtet wird, das es unbedingt zu schützen gilt...

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Gruß, Olaf

"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."
Goethe an Schiller 1797


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