...und was passiert mit den anderen Zügen? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 05.03.2021, 09:57 (vor 1804 Tagen) @ Destear

Hallo zusammen,

sah es gerade im Gesichtbuch (Bahnblogstelle). Kommentar dazu: ach nee, die Chinesen haben es schwer, also geben wir denen mal etwas worüber die sich "bahnsinnig" lustig machen können...
Beijing-Nanjing, 1023 km in 3:30, DAS ist ein Supersprinter.

Und schon alleine die Tatsache, dass Bahnblogstelle ein Bild eines nur 230 km/h schnellen ICE-T verwendet, soll zu kritisch nachdenken ansetzen.

Gut, mal ernst.

Dass Deutschland (noch?) nicht die Infra für solche Züge hat, sei zuerst mal dahingestellt. Und dass die Chinesen auf Höhe null vierstellige Kilometerzahlen innerhalb 4 Stunden schaffen, herzlichen Glückwunsch für sie.

Auf der Strecke Düsseldorf – Frankfurt Flughafen – München soll die bisherige Reisezeit um 30 Minuten unterboten werden. Die Fahrzeit Nürnberg – Frankfurt soll zwei Stunden, München – Frankfurt drei und München – Köln unter vier Stunden liegen. Auch die Strecke Bonn/Köln – Berlin werde ohne Zwischenhalte 25 Minuten schneller als heute; die Fahrzeit dauere dann weniger als vier Stunden.

Also nur dadurch, dass ich weniger halte, soll die Reisezeit 25-30 Minuten kürzer werden. Sieht in Theorie gut aus, aber nun die harte Praxis.

Unser Supersprinter befährt die Bestandsstrecken leider nicht alleine. Es gibt auch Züge die öfter halten und Züge die langsamer sind. Was soll mit denen gemacht werden? Werden diese gestrichen, damit unser Supersprinter ordentlich sprinten kann? Müssen Taktzüge 3x pro Tag 1-2 Halte auslassen, damit unser Supersprinter nicht allzuviel ausgebremst wird?

Ich kann auch sagen:

a. Stundentakt wird Halbstundentakt -> durchschnittlich 15 Minuten weniger Wartezeit
b. dadurch durften Fahrgastwechsel auch kürzer sein, weil Reisende sich über mehr Züge verteilen -> 1-2 Minuten
c. ich ersetze in jeder Grossstadt 40 km/h Weichen durch 80 km/h Exemplare -> 1 Minute pro Stadt
d. dort wo keine Rennbahn ist, beseitige ich alle Langsamfahrstellen -> 5 Minuten.
e. zulässige vmax wird konsequent ausgefahren (lies: keine ICE 4 über die Rennbahn K-F) -> 2-3 Minuten

Dann kann ich auch 25 Minuten Fahrzeitgewinn vermarkten, und alle haben etwas davon.

Im Kern geht es DB wohl darum, auf Strecken mit starkem Anteil an Inlandsflügen schnelle Sprinter-Züge anzubieten, die nur sehr wenige Zwischenhalte haben. Das Ganze soll „Rail-Express“ heißen bzw. ist das der derzeitige Arbeitstitel.

Wie schon so oft geschrieben: im Strassenverkehr ist viel mehr zu holen.


Im Einzelnen:

1.) Düsseldorf - Frankfurt Flughafen - München
Zwischenhalt nur in Köln-Deutz und Nürnberg, 2 Zugpaare täglich, Reisezeitverkürzung um 30 Minuten und auf der Gesamtstrecke damit Reisezeit < 4 Stunden

Nur 2x pro Tag. Wow... ;)
Wie oft wird die Strecke geflogen?

Gut, bei uns fährt der e320 auch nur 2x pro Tag direkt, während Amsterdam-London 60x pro Tag geflogen wird.

Zum Schluss noch:

1. die beste Bahn der Welt schafft es ohne Supersprinter, oder sie verkehren (mindestens?) stündlich, z.B. Zürich-Mailand.
2. die zweitbeste Bahn der Welt hat ganz viele Supersprinter, aber dafür dann auch eine eigene Infra (Shinkansen).
3. die drittbeste Bahn der Welt siedelt in einem Land das für Supersprinter zu klein ist. Bevor man ab Amsterdam auf langen Strecken ordentlich Gas geben kann, ist man schon über die Grenze.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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