Stationspreise (Fahrkarten und Angebote)

liebe70, Mittwoch, 03.03.2010, 00:55 (vor 6000 Tagen) @ Benjamin.Keller

Weil die Information auf den Bahnhöfen Arbeit von DB Netze ist und die Zub zu DB Fernbverkehr gehören. DB Fernverkehr muß für diese an sich selbstverständliche Dienstleistung Geld verlangen, was DB Netzte verständlicherweise nicht bezahlen wird. Das ist auch Folge der ach so tollen und schönen Bahnreform.


Sorry, irgendwie macht mich wütend was du schreibst. Wer bitte schreibt DB Fernverkehr oder Regio denn bitte vor, dass sie DB S&S "alleine lassen" müssen mit der Kundenberatung?

Die einzelnen Schienenverkehrsunternehmen bezahlen doch DB Netze Personenbahnhöfe (so heißt DB S&S seit einiger Zeit) dafür, daß sie bestimmte Leistungen - Serviceleistungen gegenüber Reisenden und den Schienenverkehrsunternehmen selbst - erbringen. dazu gehört auch das Betreiben der ServicePoints. Warum soll also DB Fernverkehr diese Leistung mit eignem Personal nochmal machen? Das ist rausgeschmissenes geld. Essen Hbf gehört zur Bahnhofskategorie 1, was bedeutet, daß DB Fernverkehr für jeden seiner Züge die dort halten, 20,76 Euro pro Tag bezahlen muß. Jetzt rechne die Fernverkehrszüge aus, die dort halten, multipliziere das mit den 20,76 Euro - und multipliziere das dann nochmals mit den 365 Tagen pro Jahr. Macht wieviel? 114 Züge, die an mindestens sechs Tagen in der Woche halten. Die Züge die nur an einzelnen Tagen halten, habe ich gar nicht erst mitgezählt.

Die stark gerundete Rechnung sieht dann so aus:
110 Züge
x 20 Euro Stationsnutzungsentgelt
x 365 Tage pro Jahr
= 803.000 Euro

Die tatsächliche Summe dürfte tatsächlich noch größer sein.

Das Stationsnutzungsentgelt kannst Du hier nachrechnen, einfach mal durchklicken.

Das Stationspreissystem
Die Bahnhofskategorien
Die aktuelle Stationspreisliste

Die damit bezahlten Basisleistungen sind:
DB Service Point und mobiler Service:

Quelle: http://www.deutschebahn.com/site/shared/de/dateianhaenge/infomaterial/sonstige/bahnhof_...

Dazu kommen noch die Zusatzleistungen, die DB Netze Personenbahnhöfe als Kundenservice anbietet und die DB Fernverkehr nutzt:

Die Ausgabe von Gutscheinkarten/Verspätungsbescheinigungen kostet an Standorten mit stationärem Service (DB Service Point mit System IRIS) 40,46 EUR (inkl. 19% UST.) pro Stunde!

Quelle auch hier: http://www.deutschebahn.com/site/shared/de/dateianhaenge/infomaterial/sonstige/bahnhof_...

Die übrigen Zusatzleistungen wie das Fundsachen- und Gepäckaufbewahrungsmanagement (ja, auch in Essen gibt es sowas) erwähne ich lieber nicht. Obwohl... Kostet auch 40,46 EUR (inkl. 19% UST.) pro Stunde!

Eine weitere Rechnung gefällig? Ich nehme nur die Gepäckaufbewahrung, ist am einfachsten. Die Schließfächer stehen rund um die Uhr zur Verfügung, sind also 24 Stunden, multipliziert mit den rund 40 Euro = 960 Euro/Tag. Das sind im Jahr 350.400 Euro, die zu den obigen 803.000 Euro hinzukommen. Pi mal Daumen bekommt DB Netze Personenbahnhöfe von DB Fernverkehr für den Bahnhof Essen Hbf mehr als 1,15 Millionen Euro im Jahr.

Für dieses Geld soll DB Fernverkehr also noch zusätzliches eignes Personal hinstellen???

Wer sagt denn bitte, dass da irgendwas verrechnet werden muss?

Frag mal die Eigentümer, warum sie diesen Schwachsinn mit der Privatisierung ausgeheckt hat. Die BRD ist doch chronisch pleite.

Die fahrenden GB sollen doch froh sein, wenn sie IHRE eigenen Kunden in so einer Situation unterstützen können. Und das müssen doch auch keine ganze Heerschaaren von Mitarbeitern sein, aber wenn neben den Menschen am Service Point irgendwie noch 3, 4, 5 Mitarbeiter durch die Bahnhofshalle laufen und ansprechbar sind an einem Bahnhof der Größe Essens, dann ist das doch bitte nicht zu viel verlangt...

Aber nicht für 1,15 Millionen, die DB Netze Personenverkehr pro Jahr bekommt, wobei diese Zahl von mir noch zugunsten DB Netze Personenverkehr kleingerechnet wurde, es dürfte bedeutend mehr sein.

Ich glaube das Problem, was in diesem Thread aufbricht ist der zwischen Vielfahrern und Bahnangestellten, bei denen die ersten wissen, dass die Bahn zuwenig tut, und bei denen letztere das Gefühl haben, dass man zu viel von ihnen persönlich verlangt.

Schwachsinn. Das Problem ist, daß sich die wenigsten Vielfahrer mal die Mühe machen, hinter das System zu gucken. Hast Du schon mal die DB-Struktur vor und nach der Bahnreform angesehen?

Vor der Reform war es so (ich nehme die Reichsbahn, die Bundesbahn dürfte ähnlich funktioniert haben):
Es gab die Bereiche

Die Hierarchie war:

Die jetzige Struktur:

Damit ist es jedoch noch nicht getan, dazu kommen noch diverse Servicecenter, die bestimmte Zuarbeiten für die jeweilige Einheit erledigen.
Ich habe einen direkten Disziplinarvorgesetzten, den Gruppenleiter. Dann habe ich noch den Schichtdisponenten vor meiner Nase, der mir die Schichten zuteilt und mir vor und nach meinem Dienst weisungsbefugt ist - und schlußendlich gibt es noch die Transportleitung, die ist mir gegenüber auch noch weisungsbefugt, und zwar unmittelbar während des Dienstes. Macht schon drei mir weisungsbefugte Chefs. Wenn ich jetzt auch noch aufschlüsseln würde, wer in welcher Geschäfts-/Disziplinarbeziehung zueinander steht,...

Letztlich stellt sich aber die Frage, ob man nicht organisatorisch mehr machen müsste, besser auf solche Situationen bei der Bahn vorbereitet sein müsste.

Noch mehr Organisation? Lieber weniger. Früher war es einfacher. Da rief der Leiter des Bahnhofes mal den Fahrmeister an und forderte kurzerhand ein paar Zub vorübergehend ab, die beispielsweise die Aufsichten unterstützten. Ich habe beispielsweise auch schon in meiner damaligen Funktion als Fahrdienstleiter in Schönebeck-Salzelmen die Straße gefegt, weil unser Bahnhofsarbeiter erkrankt war. Heute dagegen...

Ist schon vor ein paar etlichen Jahren passiert: Vor Wittenberge ist ein IC liegengeblieben und blockierte das Gleis. Der Fdl von Wittenberge hatte ne Lok, den Lokführer und nen Rangierer - also alles um den Zug zu holen. Das Problem war:
der Lokführer nebst Lok war von Cargo,
der Rangierer gehörte zu Regio,
der Fdl war vom Netz
und der IC halt vom Fernverkehr.

Wieso Problem?
Cargo hätte Geld für die Nutzung von Lok und Lokführer gefordert,
Regio verlangte Geld für den Rangierer,
der Fernverkehr hätte nicht gezahlt weil er die Leistung nicht bestellt habe und
das Netz hätte nicht gezahlt, weil es dem Fdl keinen Auftrag erteilt habe.

Also hätte der Fdl das schlußendlich aus seiner eignen Tasche bezahlt.

Was dann passierte, war klar: Der liegengebliebene Zug blieb wo er war, es war keine Gefahr in Verzug und man wartete brav, bis der Fernverkehr von weit entfernt eine eigne Lok holte, die den Zug abschleppte... Hat ja nix gekostet...

Die Story erzählte mir damals der Fdl, dem das passierte.

Und du, Ralf, und auch Mario, so sehr ihr sicher auch richtige Dinge sagt*, könnt ihr mich nicht überzeugen, dass bei der Bahn alles richtig läuft, und auch nicht, dass da zwischen dem Optimum und dem Realzustand keine allzugroße Lücke klafft.

Das behauptet auch niemand. Doch wir sind es schon lange leid, stets und ständig für jeden Mist uns rechtfertigen zu müssen. Station und Service bekommt viel Geld, um bestimmte Serviceleistungen zu erbringen. Und kein EVU der Welt wird da freiwillig neben dem Geld auch noch zusdätzliches Personal zur Unterstützung schicken.

Das wäre genauso, als ob ich mein Auto in die Werkstatt bringe, es dort selbst repariere - und der Werkstatt die komplette Reparatur nebst Arbeitsleistung bezahle.

Gruß, Ralf


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