Die Sammelantwort zum Thread (Fahrkarten und Angebote)

liebe70, Montag, 01.03.2010, 21:47 (vor 6002 Tagen) @ Burkhard

Burkhard: Ich habe es schon weiter unten geschrieben: Das ganze Fernverkehrs-Zugbegleitpersonal ist an vielen Bahnhöfen gerade untätig gestrandet - die könnte man auch an die ServicePoints beordern.

Kann man nicht. Die Antwort steht weiter unten.


Chritz schrieb ja, dass es bei ihm geklappt hat. Offensichtlich ist mit Eigeninitiative mancher Mitarbeiter viel möglich!

Essen ist nun aber nicht Dortmund. Die Dortmunder kennen sich untereinander. Ich kenne ja auch die Bahnsteigpersonale vom Service von Südkreuz, Hbf, Gesundbrunnen, Spandau, Zoo. Die vom Ostbahnhof sowieso. Und weil man sich eben kennt, ist gerade hier die Wahrscheinlichkeit höher, daß ein Zub freiwillig das Servicepersonal unterstützt. Ich kenne auch die Servicepersonale von vielen weiteren Bahnhöfen, die ich eben auch aus diesem Grund unterstützen würde. Nur in Essen kenne ich niemanden.

Damit war ein einfaches „Ausborgen“ von Mitarbeitern des Fernverkehrs zu den Personenbahnhöfen - wie von Dir gefordert – nicht mehr möglich. Auch einfache „Gefälligkeiten“ müssen zwingend monetär verrechnet werden.


Das steht nirgendwo gesetzlich festgeschrieben, dass wird von der DB so gehandhabt.

Unwahrscheinlich. DB Systel muß beispielsweise DB-eigne Aufträge dem einzelnen DB-Unternehmen in Rechnung stellen,ebenso wie bei den Fremdaufträgen, die sie abarbeiten. Da geht es auch nicht, daß die konzerneignen Arbeiten "verschenkt" werden, während ein Nicht-DB-Auftraggeber dafür schweres Geld hinlegen muß. Genauso ist es mit dem Personal der DB Fernverkehr, was im Auftrag von Station und Service arbeitet. Das muß man schon deswegen so machen, um eine saubere Bilanz zu bekommen, weil es spätestens beim Jahresabschluß böses Blut geben würde (und es gäbe den nächsten Skandal).

Holger_HAM: Aber man kann zumindest Personal "vorwarnen", dass ein Herbeiruf möglich ist und dann hätte man am Mittag das Personal anfordern können.

Auch das geht nicht. Jeder Mitarbeiter hat eine Jahresarbeitszeit, die genau vorgegeben ist. Ebenso sind die Ruhezeiten fest vorgegeben und können nicht einfach so verändert werden. Da muß vorher der Betriebsrat gefragt werden. Außerdem sind die gesetzlich und tarifvertraglich vorgegebenen Arbeits- und Ruhezeiten einzuhalten. Nach einer maximalen Arbeitszeit von 54 Stunden innerhalb eines 168-Stunden-Zeitraumes hat eine zusammenhängende Ruhe von mindestens 56 Stunden zu erfolgen.


Wenn es bei der DB nicht möglich ist, für einen Bahnhof mit täglich rund 200.000 Fahrgästen nicht einen einzigen Mitarbeiter auf Abruf bereit zuhalten, läuft doch irgendwas falsch.

Gut, aber das ist nicht das Problem des Fußvolks. In meinem Arbeitsvertrag steht weit und breit nix von einer möglichen Rufbereitschaft, die ich abzuleisten habe. Also werde ich auch keine machen. Genauso handhaben es die anderen Mitatrbeiter. Wenn bei einer Führungskraft eine Rufbereitschaft drinsteht, dann soll die mal ran. Wird ja auch dafür bezahlt.

Burkhard: ... Wenn die DB aber schon nicht in der Lage ist, auf der großen Abfahrtstafel mitzuteilen, dass der Zugverkehr eingestellt ist, ...
...Nirgends gab es Hinweise auf den eingestellten Zugverkehr.

Wurde denn der Zugverkehr eingestellt? Ich kenne nur Informationen, daß aufgrund der Witterungsunbilden die Fernverkehrszüge im Regionalbereich West (also ganz NRW) komplett für Nahverkehrsreisende freigegeben wurde. Die NE-Bahnen fuhren auch weitestgehend.


Wenn es so war, wie Du schreibst, ...

Es war so. Hätte ich gewußt, daß das von enormer Bedeutung sein wird, hätte ich das extra mal abfotografiert. Bei jeder Info, die ich für im Regionalbereich West anforderte, gab es oben drüber erst einmal einen rot eingefärbten Text. Dort stand, daß die Fernverkehrszüge für NV-Reisende freigebenen sind. Die Info hat jeder bekommen, der mit einem der DB-internen RIS-Module (z.B. für mich RIS-Zub) arbeitet. Also wußten die Lautsprecherbediener dieses auch.

...kann man doch genau diese Information anzeigen? Und nicht einfach die fahrplanmäßig nächsten 20 abfahrenden Züge (die es zum Großteil gar nicht gab)!

Ob und wie man das über die Zugzielanzeiger laufen lassen kann, entzieht sich meinem Wissen. Zumindest als Laufband bei den LCD-Anzeigen sollte es machbar sein. Daß die 20 nächsten Züge angezeigt werden, liegt an den im System festprogrammierten Daten. Man hätte - nach meiner laienhaften Ansicht - diese Anzeige deaktivieren und eine neue Anzeige eingeben müssen. Inwieweit das bei den Fallblattanzeigen geht - keine Ahnung.

Burkhard: Es ist bei manchen Bahn-Mitarbeitern immer wieder erstaunlich, dass nur erklärt wird, dass alles sowieso nicht geht.

Es ist bei manchen Nicht-Eisenbahnern immer wieder erstaunlich, daß sie sich vieles so furchtbar einfach vorstellen.


Ja, ich stelle es mir sehr einfach vor, auf einer großen Bahnhofsabfahrtstafel eine aktuelle Information anzuzeigen.

Siehe weiter oben. Theoretisch sollte es machbar sein, aber praktisch? Und ob nun derjenige der das zu tun hat (sinnvollerweise der Lautsprecherbediener bzw. derjenige, der das RIS vor der Nase hat) auch zeitlich und vom Wissen her dazu in der Lage ist...

Alternativ kann man auch eine Tafel von Hand beschriftet neben den ServicePoint stellen, gibts in anderen Städten an jedem U-Bahnhof.

Da ist das nächste Problem. Das gab es mal, wurde aber weitestgehend abgeschafft, weil irgendein Controller, Mänätscher (also jemand, der als BWL-Quereinsteiger bei der Bahn landete und demzufolge keine Ahnung vom System Bahn hat - zumindest nicht von dem was wichtig ist) genau dieses wegen "zu teuer", "unnötig" (was weiß ich) kurzerhand abschaffte. Das ist ungefähr genauso das Gleiche wie der Ausbau der Weichenheizungen. Nur weil die letzten 10-15 Winter relativ mild waren und weitestgehend im Flachland schneefrei blieben, wurden die Weichenheizungen ausgebaut. Das ersparte zunächst immensen Wartungsaufwand und Kosten für die Vorratshaltung von Ersatzteilen dafür.

Und dann kam ein normaler Winter, wie der diesjährige: Schnee im Flachland, im Januar einige Tagen mit Starkfrost (gut es waren dieses Jahr etwas mehr als die in meiner Kindheit). Was dann pssierte, ist bekannt.

Und eine Rufbereitschaft für so einen Tag zu organisieren halte ich auch für einfach. Letztlich halte ich es sogar für selbstverständlich, dass ein Bahnhofsmanager an so einem Tag höchstselbst vor Ort ist und sein Team am ServicePoint unterstützt.

Naja, der Bahnhofsmänätscher saß bestimmt in seinem Büro und mänätschte das von da aus, getreu dem Motto: "Sieht man sich ein Problem aus dem Dienstwagen an, ist es doch gar nicht so schlimm."

Aber ich erwarte offensichtlich viel zu viel und abwegige Dinge, die überall funktionieren - nur nicht beim selbsternannten Mobilitätsdienstleister Nummer 1 in Deutschland.

So? Wer behauptet das? H.M. sagte damals lediglich, daß die DB die beste Bahn Europas werden will. Wie sich die Wahrnehmung verzerrt... Hat er wohl zu oft gesagt und andere haben ihm das brav nachgeplappert.

Burkhard: Und auch, dass so viele Kunden zu dumm sind. Da frage ich mich immer, warum man sich für diesen Beruf entschieden hat?

Ich wollte beispielsweise bei der Reichsbahn Chef vom Magdeburger Hbf werden. Daß ich nun ein kleiner, dummer, arroganter und was-weiß-ich-noch-alles schlechter Zugschaffner geworden bin


Wenn das Dein Selbstbild ist, ist das sehr bedauerlich. HIer machst Du eigentlich nicht so einen Eindruck.

Mein Selbstbild... Ich wollte tatsächlich zu DDR- und Reichsbahnzeiten Leiter des Bahnhofes Magdeburg Hbf werden. Es kam leider die Wende dazwischen. Ich landete als Fdl plötzlich im Zub, weil ich nicht auf irgendeine kleine Klitsche abgeschoben werden wollte. Dann habe ich auch vorerst das Studium verschoben, dann noch ein paar weitere Male, bis es irgendwann zu spät dafür war. Wenn ich nun aber sehe, welche Schwachmaten und Dumpfbacken sich hier als "Mänätscher" profilieren... Die arme Bahn. Nun bin ich also Zub und lotse - so gut es geht - die Reisenden durch den Dschungel. ;-)

Nur noch mal zur Klarstellung: Es hat - soweit ich alles gelesen habe - in diesem Thread niemand abwegige Dinge gefordert.

Doch, es wurde. Leider darf ich hier mich nicht öffentlich äußern, sonst bekomme ich wieder ganz böse auf die Schnauze. Darum also noch kurz Werbung: Die Bahn ist schön, die Bahn ist toll...

Es wurde nur gefordert, Infomationen auf dafür vorgesehene Anzeigen zu bringen und das Servicepersonal an einem solchen Tag irgendwie aufzustocken und vielleicht mal eine Kanne Tee hinzustellen, nachdem am Tag vorher vor einem Orkan vom Ausmaß von Kyrill gewarnt wurde.

Wem sagste das. Das Volk kennt die Stimmung im Land immer besser als der König und die Obrigkeit.

...Aber selbst das scheint an einem Bahnhof mit 200.000 Fahrgästen am Tag nicht leistbar und wird selbst von engagierten Bahnmitarbeitern wie Dir als eindeutig nicht leistbar dargestellt. Das ist schade. Offensichtlich gehen da die (in meinen Augen sehr geringen) Ansprüche der Kunden und das mögliche sehr weit auseinander.

Nochmal Werbung gefällig? ;-)

Gruß, Ralf


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