Schienenverkehrszuwachs in Europa (Allgemeines Forum)

sappiosa, Dienstag, 23.02.2010, 11:05 (vor 5998 Tagen) @ Benjamin.Keller

Hallo Benjamin,

M.W. erzeugt der Nahverkehr in D eine ähnlich hohe Verkehrsmenge gemessen in Personenkilometern wie der Fernverkehr.

Destatis ist Dein Freund

Die in diesem Kontext relevanten Zahlen: Im ersten Halbjahr 2009 kamen auf der Eisenbahn in Deutschland zusammen:

Die Größenordnung ist vergleichbar, aber der Nahverkehr doch deutlich vorne.
Allerdings schließen die Nahverkehrszahlen Zubringerfahrten zum Fernverkehr ein.

Ein Freund hat letztens ein Buch gelesen, in dem der Autor die These vertritt, dass der vergleichweise Anteil von PKW-Nutzern in u.a. der Schweiz und den Niederlanden (Fahrrad!) bedingt ist durch das Fehlen einer nennenswerten Auto-Industrie. Das wirkt auf mich sehr einleuchtend... ;)

Ich weiß nicht. Haben Belgien, Irland, Polen nennenswerte Auto-Industrie? In allen diesen Ländern liegt der Marktanteil der Schiene laut Eurostat-Zahlen unter EU-Schnitt (der wohlgemerkt die Schweiz nicht einmal einrechnet).

Und wenn man die Verkehrsplaner der Stadt Münster fragt, wie Münster zu seinem bundesweit einzigartigen Radfahreranteil kommt, sagen die einem auch, dass das nicht zuletzt eine Einstellungsfrage ist, dass es eben auch eine Kultur des Radfahrens gibt. Das bedeute dann eben auch, dass es normal ist, zu einer Sitzung zu kommen und über dem Anzug nen Regencape zu tragen, und keiner schaut komisch, wenn das Haar vom Regen etwas nass geworden ist. Bisschen zugespitzt vielleicht, aber diese Einstellungssache ist glaube ich durchaus relevant, wenn es einerseits um die Bereitschaft der Gesellschaft zu Investitionen in den ÖV geht und andererseits natürlich gerade auch um die Nutzung des ÖV anstatt anderer Verkehrsarten.

Damit allerdings dürftest Du völlig recht haben.

Gerade im Nahverkehr kenne ich in D leider die Einstellung gewisser Leute, dass sinngemäß "damit doch nur der Pöbel fahre" und man sich von dem belästigt fühle. Ganz abgesehen vom Dünkel und der Arroganz, die solch einer Einstellung zugrunde liegt, wirkt sie als selbsterfüllende Prophezeiung: Wenn andere Leute aus Bussen und Bahnen wegbleiben, steigt dort tatsächlich der Anteil "sozial Schwacher". Ein Teufelskreis.

Genau das ist offensichtlich in der Schweiz anders - da ist es seit Jahrzehnten quer durch alle Schichten schick, Bahn zu fahren.

Schöne Grüße
Daniel (aka Sappiosa)


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum