Schienenverkehrszuwachs in Europa (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 23.02.2010, 09:33 (vor 5887 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von Oscar (NL), Dienstag, 23.02.2010, 09:36

Alphorn (CH) schrieb:

Auffällig finde ich, dass HGV-Länder FR/DE mässig und ES/IT katastrophal abschneiden. BE und UK haben gute Zahlen, aber ich bezweifle, dass das an den relativ wenigen Strecken mit mehr als 200km/h liegt.

Zu ES/IT: das staunt mich gar nicht mehr. Es fehlt dort an zuverlässiger SPNV. Ramon Normalspanier fährt mit seinem Seat zum Bahnhof, Giuseppe Normalitaliener mit seinem Fiat.
Und auch in FR verläßt Jean-Pierre Normalfranzose sich vor allem auf seinem Renault, wenn er zum Bahnhof reisen muß.
In DE gibt es zwar Nahverkehr, aber hier hat die Bahn vor allem ein Image-Problem. Dasselbe betrifft übrigens auch NL (langsam, unbequem, teuer, und wenn doch schnell dann sauteuer).

@Alphorn (CH), Anoj 1:

Wenn man, zugunsten der CO2-Bilanz, möglichst viele Reisen in die Bahn bekommen will, braucht man nicht in erster Linie prestigeträchtigen HGV, sondern zuverlässigen und flächendeckenden Nah- und Mittelstreckenverkehr mit geringen Wartezeiten. (durch ITF mit hohem Takt).

1. Nicht nur das, sondern auch und vor allem einen einheitlichen Tarif, und ein überschaubares Fahrkartenangebot anstelle einer Tarifdschungel.
2. Ein ITF wird Frankreich nicht helfen, dafür ist das Land zu zentralisiert. Stattdessen hat FR ein Flugnetz auf Höhe Null gebaut.
3. CH hat in Gegensatz zu DE keine Inlandsfliegerkonkurrenz. Zwar konnte man mit dem Geld, das in allen SFS investiert worden ist, das ganze Bahnnetz für 160 km/h ausbauen und die gesamte vierstellige Zahl an Lafas beseitigen, aber dennoch werden Relationen wie HH-M geflogen.


sappiosa schrieb:

Mit am stärksten gestiegen ist der Marktanteil im HGV-Land Frankreich von 8,6 auf 9,6 Prozent.

Das Land investiert nicht nur in HGV, sondern auch in "Tram-Train" Projekte.
Werden die gummibereiften Einschienen-Straßenbahnen auch mitgerechnet? Wäre unfair, denn die sehen zwar aus wie Straßenbahnen aber sind eigentlich Obusse.

Ansonsten führen kleine, aber dicht besiedelte EU-Länder: Österreich (10,1%), Niederlande (9,5%), Dänemark (8,9%).

In AT gibt es (noch?) viele Nebenbahnen. Eine Stadt wie Innsbruck hat weniger Einwohner als Eindhoven, dafür aber ein (Regio-)Tramnetz, das weiter ausgebaut werden soll (Innsbruck-Hall, Flughafenanbindung?, STB nach Axams?)
In NL durfte es vor allem an NS liegen, denn nur Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht haben Tramnetze.

Übrigens: Bei den Luftfahrt-Tabellen von Eurostat ist die Schweiz dabei. Und rechne ich deren Zahlen auf die Einwohnerzahl um, ist 2008 jeder Schweizer mehr als doppelt so oft geflogen wie jeder Deutsche.

Sowieso sind Schweizer viel unterwegs. Ich vermute sogar, Roger Normalschweizer fährt auch mehr Auto als Otto Normaldeutscher.

Rheintal: Kapazität
Richtig. Hier geht um Zulauf zum Gotthard-Basistunnel.

Desto unverstehlicher, dass der Ausbau Oberhausen-Emmerich nur sehr langsam vorangetrieben wird. Das macht die Vorteile einer "Güter-HGV-Strecke" (Betuweroute) zum großen Teil zunichte.


Benjamin Keller schrieb:

Der größere Teil der deutschen HGV-Strecken wurde gebaut, weil die "klassischen" Strecken komplett ausgelastet waren. Das ist natürlich ein Problem, gegen das kein ITF hilft.

In CH war es andersherum: die NBS Bern-Olten war ein Mittel fürs Ziel ITF. Sozusagen: ein Bestandteil des gesamten Bahnsystems.
In DE habe ich eher den Eindruck, man hat Engpässe verschoben statt beseitigt.

Ein Freund hat letztens ein Buch gelesen, in dem der Autor die These vertritt, dass der vergleichweise Anteil von PKW-Nutzern in u.a. der Schweiz und den Niederlanden (Fahrrad!) bedingt ist durch das Fehlen einer nennenswerten Auto-Industrie. Das wirkt auf mich sehr einleuchtend... ;)

In der Tat. Bekannte gummibereifte Produkte aus CH? Ich kenne nur Claas, Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen.
Zu NL: wichtige PKW-Marken haben wir nicht mehr, aber DAF ist s.i.w. immer noch einer der wichtigsten LKW-Hersteller Europas.


@Alphorn (CH) und sappiosa:

1. Das allerwichtigste vermisse ich noch: in CH herrscht ein starkes Umweltbewußtsein. Man "kuschelt" die Alpen. In dieser Zusammenhang ist es verstehlich, dass das Land sich voll auf die Bahn setzt. Diese Bahn ist zudem 99% elektrisch (die eine Prozent sind die paar Am843 Rangierer sowie einige touristische Dampfbahnen) und diese Elektro wird oft mit Gletschereis / Wasserkraft / Stauseen erzeugt.

2. Zum HGV-ITF: gerne, und zwar europaweit! Frankfurt-Paris 5x pro Tag ist eine Lachnummer. Die Anzahl der verfügbare Flüge pro Tag durfte schon einige Male höher sein (CMIIW).
Am besten sollen die wichtigsten Städte Europas mindestens stündlich miteinander verbunden werden. Egal ob mit Thalys, ICE, TGV, Lyria, Eurostar (Italia) oder sogar Fyra (V250).
Und wenn DB dann doch so auf Image/Prestige steht: hier hat sie die einmalige Chance, "ICE International" als europaweites Premiumprodukt in den Markt zu setzen!

3. Auch nicht vergessen und wunschenswert: (europaweite) Vertaktung von Güterzügen! CAREX: schön, aber gerne im Takt!


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum