Völlig unterschiedliche Fahrdynamik RE vs. Güterzug (Allgemeines Forum)

ThomasK, Samstag, 23.03.2019, 22:32 (vor 2642 Tagen) @ MvG

Eben, die effektivste Art das Bestandsnetz zu entlasten ist, Neubaustrecken für den HGV zu bauen.
Der Kapazitätskiller auf Mischverkehrsstrecken ist der schnelle Fernverkehr. Güter- und Nahverkehr kommen prima miteinander aus.


Sagen wir so: Nahverkehr und Güterverkehr kommen WENIGER SCHLECHT miteinander aus, als mit dem Fernverkehr.

Selbst dann, wenn ein RE und ein Güterzug dieselbe Durchschnittsgeschwindigkeit haben, so haben sie dennoch eine völlig andere Fahrdynamik.

Ein Güterzug fährt einigermaßen gleichmäßig mit ca. 80 - 100 km/h. Ein RE hingegen fährt zwar im Durchschnitt ebenfalls 80 - 100 km/h, hat aber eine völlig andere Fahrdynamik.

Schauen wir uns die Strecke Würzburg - Nürnberg, wo - vorausgesetzt die Finanzierung klappt, was ich mit bei der Bundesregierung bezweifele - der Fernverkehr auf eine NBS verlagert werden soll.

Der RE benötigt für die 102 km Würzburg - Nürnberg (KBS 805) etwa 71 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 86 km/h entspricht. Ein Güterzug wird bei der Ausfahrt langsam auf seine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h beschleunigen und im Wesentlichen zwischen Würzburg und Nürnberg gleichmäßig mit 100 km/h fahren und überall mit 100 km/h durchfahren. Bei Nürnberg wird er dann bis auf 0 km/h abbremsen. Der RE kommt aber zwischen Würzburg und Nürnberg 10 Mal zum Stehen, sodass er diese Blockabschnitte, in denen die RE-Halte liegen, deutlich länger beansprucht, als der Güterzug. Andererseits beschleunigt der RE auf manchen Streckenabschnitten auf 160 km/h und blockiert in diesem Bereich die Blockabschnitte weniger lang als der Güterzug, der auch in den 160 km/h-Abschnitten im Normalfall nur mit 100 km/h entlang fährt.

Am Besten sieht man das im Geschwindigkeits-Weg-Diagramm, wenn auf der x-Achse die Streckenkilometer abgetragen sind und auf der y-Achse die Geschwindigkeit, die der Zug im jeweiligen Streckenabschnitt befährt.

Die Geschwindigkeitskurve beim RE springt immer wieder wild zwischen 0 km/h und 160 km/h hin und her, wohingegen der Güterzug im Wesentlichen eine Gerade hat, die konstant bei 100 km/h verharrt und lediglich in den Bereichen Würzburg und Nürnberg bei 0 km/h beginnt oder nach 0 km/h abfällt.

Je nach Haltepolitik gilt als Faustregel, dass Mischverkehr RE / GV die Leistungsfähigkeit einer Strecke gegenüber artreinem Verkehr um etwa 25 % senkt. Selbstverständlich kein Vergleich zum Fernverkehr, wo es gleich mal - ja nach Lage der Überholgleise - um ca. 75 % nach unten geht.

Allerdings ist eine genaue fahrdynamische Prüfung in jedem Fall erforderlich, wenn man ein qualifiziertes Urteil abgeben will. Zwischen Würzburg und Nürnberg lässt sich aber festhalten, dass, wenn der gesamte Fernverkehr verschwindet, die aktuelle Infrastruktur völlig ausreicht, um den SPNV und GV betriebsstabil fahren zu können. Beim Neubau der NBS Würzburg - Nürnberg ist ein dreigleisiger Ausbau zwischen Siegelsdorf und Fürth nicht notwendig. Er schadet zwar nicht, aber schenken könnte man sich ihn durchaus.

Ggf. könnte man in den Bereichen, wo der RE hält, noch die eine oder andere Blockverdichtung nachrüsten. Das müsste aber dann genau analysiert werden, ob sich der Aufwand lohnt und wie viel das bringt.


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