Chur - Karlsruhe, Karlsruhe - Stuttgart -NBS-St. Margrethen (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 13.05.2023, 16:06 (vor 1043 Tagen) @ Bahnfan

Hoi,

Wir erleben die Fahrzeiten mit dem Auto anders und sind der Regel 10 bis 15 Minuten schneller als Google maps angibt ohne zu schnell zu fahren. Du darfst es glauben oder nicht, ist deine Entscheidung.

Wie gesagt, es gibt offizielle Statistiken dazu und die decken sich auch mit meinen Erlebnissen. Auf den IC-Linien ist der Zug klar schneller.

Ich durfte zweimal beim Zügeln helfen, einmal St. Gallen-Basel und einmal St. Gallen-Bern. Ich hab jeweils beim Einladen geholfen, dann war das Zügel-Fahrzeug voll (Vmax 100 km/h angeschrieben) und ich bin parallel mit dem Zug gefahren. Wobei ich immer erst noch mit dem Stadtbus zum Bahnhof musste, auf den nächsten Zug warten und am Ziel noch vom Bahnhof mit dem Tram zum Ziel fahren musste. In Basel kamen wir etwa zeitgleich an, sie hatten also eine Fahrzeit von 2h 30min St. Gallen-Basel (meine reine Zugfahrzeit betrug 2h 05min). In Bern war ich sicher eine viertel Stunde früher da, da hatten sie etwa 2h 45min. Und 100 oder 120 km/h macht nicht so einen riesen Unterschied auf Schweizer Autobahnen. Ausserdem war das noch vor Einführung der schnellen IC St. Gallen-Zürich, da ist der Zug mittlerweile zehn Minuten schneller geworden seitdem.

Ob jetzt die von mir wegen Kosten - Nutzenverhältnis in Frage gestellten Bahnhöfe geschlossen würden dürfte meiner Meinung nach sehr wenig bis keinen Einfluss auf die Fahrgastzahlen haben. Alle sind dann immer noch mit dem ÖV erreichbar.

Ich habe die Unterlagen jetzt mal nachgeschlagen:

Fideris: Station wird geschlossen, es werden keine Züge mehr halten. Muss mit zusätzlichen Postautos kompensiert werden -> Mehrkosten für den Kanton Graubünden.

Furna: Wird aus Gründen der Verhältnismässigkeit nicht behindertengerecht ausgebaut. Wird aber weiterhin von Zügen bedient.

Haldenstein: Station ist bereits BehiG-konform.

Trin: Wird aus Gründen der Verhältnismässigkeit nicht behindertengerecht ausgebaut. Wird aber weiterhin von Zügen bedient.

Übrigens, falls der Halbstundentakt Chur - Ilanz kommt, würde der Zug mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht an dem Bahnhof halten, wo ich aussteigen muss. Ich hätte also nichts davon mit grosser Wahrscheinlichkeit. Schon heute halten die Zusatzzüge nämlich nicht bei mir von Chur nach Ilanz.

Ja gut, ich weiss ja nicht, wo du wohnst.

Das Konzept wird derzeit auch nochmal überarbeitet. Es gilt aber eine Rahmenbedingung: Die Kreuzung der Züge wird von Castrisch nach Ilanz verlegt. So kann um 00 und 30 ein halbstündlicher Anschlussknoten mit den Postautos in Ilanz eingerichtet werden. Dies erfordert kürzere Fahrzeiten zwischen Chur und Ilanz, womit die Stationen zwischen Ilanz und Chur nicht halbstündlich bedient werden sollen, sondern entweder vom einen oder anderen Takt alternierend; mindestens stündlich.

Wenn man sich auf die Nutzerzahlen stützt, so haben Castrisch, Valendas-Sagogn, Versam-Safien und Trin alle weniger als 50'000 Ein- und Aussteiger pro Jahr; Trin hat ca. 20'000 Ein- und Aussteiger pro Jahr. Interessant ist da schon, dass Castrisch nicht viel mehr Passagieraufkommen hat als die touristischen Halte, obwohl in Castrisch der Bahnhof ja noch beim Ort steht und somit Anwohner existieren.
Und dann kommt Ilanz mit 1.2 Mio Ein- und Aussteigern pro Jahr. Das ist ja um die 30-mal mehr als Castrisch! Und mit dem optimierten Postauto-Anschlussknoten im Halbstundentakt wird da Ilanz auch nochmal um einiges zulegen.

Wie du auf die Zahl kommst, dass 80% oder mehr die Bahn benützen? [...] Ich habe es gerade beim BFS (Bundesamt für Statistik) nachgeschaut:

Ich habe klar von den IC-Routen gesprochen. Da hilft dir eine Gesamtstatistik nicht weiter. Wenn ich den Modalsplit für Zürich-Basel wissen will, interessieren keine Autofahrten vom Seealpsee nach Wasserauen oder von Thusis nach Mesocco, wo die Eisenbahn mangels Existenz zwangsläufig bei 0% liegt.

Wenn man also die Zahlen für Zürich-Basel haben will, dann muss man den Querschnitt aller Fahrten nehmen, die diese Route komplett zurücklegen. Also Fahrten Dietikon-Frick oder Brugg-Rheinfelden sind nicht dazuzählen, eine Fahrt Chur-Karlsruhe jedoch schon, wenn Zürich und Basel am Weg liegen. Und da hast du auf den IC-Routen eben locker über 80% aller Leute im Zug. Solche einzelnen Zahlen stehen eben nicht im Bericht des BfS, weil dann wäre dieser Bericht schlicht zu überladen.

Hier gäbe es doch Potenzial für die Eisenbahn?

Was du aus dem BfS-Bericht herauslesen kannst, ist dass die Hälfte aller Autofahrten nicht länger als fünf Kilometer sind. Bereits von Chur bis Domat/Ems sind es ja schon mehr als fünf Kilometer. Die meisten Autofahrten finden also in einem Segment statt, wo die Eisenbahn gar nicht operiert.

Je länger die Distanzen werden, desto deutlich geringer ist der Auto-Anteil. Auf IC-Distanzen spielt dann das Auto nur eine untergeordnete Rolle. Auf den IC-Linien hast du also keine grossen Potenziale mehr für die Eisenbahn. Aus diesem Grund will der Bund im Fernverkehr einfach die Anschlussknoten vervollständigen, aber darüber hinaus nicht vorrangig in Fahrzeitverkürzung investieren, es ist ja nicht nötig.
Wo die Eisenbahn noch Potenziale hat, ist dementsprechend der Agglomerationsverkehr. Also in dem Bereich, wo bezüglich der zurückgelegten Distanzen noch einige Autofahrten stattfinden. Hier will der Bund künftig mehr in S-Bahn-Netze und regionale Angebote investieren, aber auch über die Städte in die Agglomeration hinausgehende Tramlinien.

Und nachdem die Hälfte aller Autofahrten weniger als fünf Kilometer lang sind, sind dementsprechend auch viele Autofahrten in einem Segment, wo auch die S-Bahn nicht mehr operiert. Hier kann die «grosse» Eisenbahn also gar nicht mehr dagegenhalten und da sind andere Formen des öV gefragt. Da sind wir in einem Bereich, wo Trams und Stadtbusse bzw. Ortsbusse operieren. Und zu guter Letzt liessen sich auch viele Autofahrten mit Velofahrten ersetzen. Viele Städte haben in letzter Zeit erkannt, dass sie mehr Veloinfrastruktur bauen müssen. Dazu kommen nun auch immer mehr E-Velos auf, welche das Velofahren auch einfacher machen.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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