Chur - Karlsruhe, Karlsruhe - Stuttgart -NBS-St. Margrethen (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Dienstag, 09.05.2023, 01:16 (vor 1050 Tagen) @ Bahnfan

Hoi,

Warum wurde nicht alles miteinander gebaut?

Weil dann der Einfluss auf den Bahnbetrieb insgesamt zu gross ist. Jede Baustelle für sich beansprucht etwas von den vorhandenen Reserven im Fahrplan und in der Kapazität auf dem Schienennetz. Zuviele Baustellen auf einmal müssen daher unbedingt vermieden werden. Die zeitliche Abstimmung verschiedener Baustellen, damit nicht alles auf einmal gebaut wird, ist daher Absicht.

Die Koordination zwischen verschiedenen Baustellen ist extrem wichtig. Was passiert, wenn eine solche Koordination fehlt, hat man im August 2017 beim Rastatt-Desaster gesehen, als alle anderen Fernzug- und Güterzugstrecken Deutschland-Schweiz zeitgleich wegen Baustellen wochenlang gesperrt waren. Das hätte nicht passieren dürfen.

Im Bereich Pfäffikon herrschte Einspurbetrieb.

Diese Baustelle zwecks Fahrbahnersatz war für 2020 geplant. Wegen Covid konnte sie damals nicht durchgeführt werden, da nicht unmittelbar zwingende Baustellen im Einklang mit den Verordnungen des Bundesrats zu Kontaktbeschränkungen abgebrochen wurden.

Unendlich aufschieben kann man Gleisunterhalt jedoch nicht, sonst würden irgendwann ungeplante Langsamfahrstellen drohen. Dass diese Einschränkung den Bahnbetrieb dieses Jahr beeinträchtigt, war wie das Virus nie geplant und ist nun eben einfach Pech.

Auch am Walensse hat es schon wieder 1. Jahr lang ein Baustelle.

Anpassung der Publikumsanlagen im Bahnhof Unterterzen ans Behinderten-Gleichstellungsgesetz. Die Bauarbeiten finden mit Einspurbetrieb während des laufenden Betriebs statt. Die Koordination funktioniert hier, die Einspur am Bommerstein ist beendet, daher kann nun an einem anderen Ort gebaut werden.

Siebnen-Wangen, Murg, Flums und Mels müssen ebenfalls noch behindertengerecht ausgebaut werden. Das passiert schön der Reihe nach, einer nach dem anderen. Zusätzlich wird bis Ende 2025 noch das Güterzugüberholgleis Pfäffikon SZ erstellt, auch diese Baustelle muss mit den anderen koordiniert werden, damit im Dezember 2025 der integrale Halbstundentakt des IC 3 Zürich-Chur eingeführt werden kann.

Vorher 3 Jahre Baustelle beim Bommersteintunnel

Zwei Jahre, nicht drei…

Pro Tunnelseite ein Jahr. Die Strecke konnte so dauernd befahrbar bleiben, halt eben einfach nur einspurig. Ansonsten hätte man es in einer mehrwöchigen Totalsperre durchführen müssen, was auf so einer Strecke einfach purer Wahnsinn wäre.
Da bin ich ja jetzt schon auf Sommer 2024 gespannt, wenn die Rheintalbahn bei Rastatt für drei Wochen durchgehend vollgesperrt wird. ICE können keine umgeleitet werden, die DB-Kiss Zürich-Stuttgart als Alternativreisemöglichkeit können nicht verstärkt werden und Zürich-Bülach-Schaffhausen werden einige S-Bahnen für mehr Güterzugkapazität gestrichen. Chaos vorprogrammiert.

Im Falle des EC sollte bei einer Verspätung von 5 bis 7 Minuten in St. Margrethen doch in St. Gallen locker eine Überholung des IR 13 drin liegen, da es genug Gleise hat in St. Gallen und der IR die Anschlüsse in Rorschach herstellen kann bei Vorfahrt vor dem EC ab St. Margrethen.

Bis zu sechs Minuten Verspätung wird dem EC ja gegönnt, bis der IR 13 vorausfährt. Also passt das doch mit deinem Anliegen. Bei höherer Verspätung ist dann das Problem, dass auch nachher der EC wegen S-Bahnen und Güterzügen nicht unbedingt freie Fahrt hätte. Irgendwann sind dann sowieso alle FV-Anschlüsse in Zürich HB weg, da kann man diese komplizierten Überholübungen ab einer gewissen Verspätung dann eben gleich von Anfang an bleiben lassen und einfach dem IR 13 hinterherfahren. Das Ergebnis für die meisten Fahrgäste des EC bleibt dasselbe, sobald der geplante Anschluss in Zürich sowieso nicht mehr erreicht werden kann; nur dass man dann nicht auch noch die Fahrgäste anderer Züge damit belastet.

Ansonsten ist diese Diskussion sowieso müssig. Man hat offensichtlich ein Pünktlichkeitsproblem zwischen München und Lindau. Sollte nun die Priorität darin liegen, alles mögliche auf Biegen und Brechen bis Zürich durchzuwürgen? Nein, definitiv nicht!

Die Priorität sollte eindeutig darauf liegen, die Ursachen zu beheben, damit die Züge pünktlich in der Schweiz ankommen. Ein Fahrplan ist in erster Linie noch immer dazu da, eingehalten zu werden. Wenn gemäss Fahrplan der Zug um xx.09 in St. Margrethen eintreffen soll, dann erwarte ich auch, dass er genau das auch in über 90% der Fälle auch tut; nicht um xx.10, nicht um xx.11, auch nicht um xx.12 und erst Recht nicht noch später, sondern genau um xx.09.

Sollte dies wie hier zu oft nicht der Fall sein, müssen Massnahmen im Zulauf getroffen werden und sicher nicht im Nachlauf. Also eigentlich sollte es ganz einfach sein. In erster Linie braucht es zwischen München und St. Margrethen mehr Fahrzeitreserve. Denn entweder passt die im Allgäu liegende Infrastruktur nicht zum geplanten Fahrplan oder der Fahrplan passt nicht zur vorhandenen Infrastruktur. Eins von beidem oder eine Mischung daraus muss es sein. Weil viel mehr bleibt ja dann nicht mehr übrig.

Auch TGV, RJ oder die EC aus Italien kommen bei weiten nicht immer pünktlich vom Ausland her zu Schweizer Grenze, nicht nur die Böse DB wie die Schweizer Presse immer schimpft. Wer wenig zu fährt hat den Eindruck, die DB käme täglich mit fast allen Zügen stundenlang verspätet zur Schweizer Grenze, was ein völliger Schwachsinn ist.

Ist kein Schwachsinn, daran ist mehr wahr als unwahr. Auch wer viel fährt, bekommt das mit. Die geplanten ICE-Streichungen ab Basel seit letzten Sommer sprechen eine deutliche Sprache. Diese Massnahme wurde in Zusammenarbeit zwischen SBB und DB ergriffen, da sich die Tage häuften, wo es kein einziger ICE über den ganzen Tag hinweg wegen Verspätungen weiter als Basel SBB schaffte.

Die Komposition des ICE 71 sollte nun den ganzen Tag als Reservezug in Basel stehen und sogar das bereitet Probleme. Eigentlich wollte man ja das ICE-Angebot nach Chur letzten Dezember um weitere Zugspaare ausbauen, schlussendlich wurde es wegen den anhaltenden Pünktlichkeitsproblemen im Zulauf auf Basel auf nur noch ein Zugspaar sogar ausgedünnt.

Natürlich kommen auch mal Züge aus Frankreich, Italien und Österreich zu spät in der Schweiz an, aber da ist man sehr weit von den katastrophalen Zuständen entfernt, wie sie bei der DB im Zulauf der Fernverkehrszüge in die Schweiz herrschen. Interessanterweise gibt die DB als Grund für die derzeitigen Zustände eine Vielzahl von Baustellen an. Weiter oben hast du noch gefragt: «Warum wurde nicht alles miteinander gebaut?» — Also ich denke, damit erübrigt sich alles weitere.


Grüsse aus der Ostschweiz.

--
[image]

Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum