Chur - Karlsruhe, Karlsruhe - Stuttgart -NBS-St. Margrethen (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Mittwoch, 10.05.2023, 15:26 (vor 1050 Tagen) @ Bahnfan

Hoi,

Mit dem Auto fährst du Chur -Basel ohne Stau und ohne Pause unter 2 Stunden für gut ca.205 Kilometer.

Der Routenplaner sagt 2h 06min ohne Stau bei wenig Verkehr. Jetzt aktuell ohne dass HVZ ist, ist um Zürich bereits ein leichter Stau und es werden mir 2h 25min berechnet. Wenn dann noch HVZ ist, wird sich das noch weiter erhöhen. Und nun zum Zug:

Der Zug braucht knapp 2 Std 20 Minuten. Differenz fast 30 Minuten.

Nein, Differenz eben praktisch keine. Der Zug fährt seine 2h 16min bis 2h 19min. Da ist das Auto jetzt schon mitten am Nachmittag mit 2h 25min ausserhalb der Starkverkehrszeit langsamer. Und deshalb sind die Fahrzeiten des Zuges auch absolut konkurrenzfähig.

Auch St. Gallen - Genf ohne Stau mit dem Auto unter 3 St. 30 Min, der Zug hat knapp 4 Stunden für ca. 360 Kilometer. Gut 30 Minuten schneller. Ein Umsteigen auf die Bahn wird das schwierig, wenn jemand schon ein Auto hat.

Die Praxis sieht aber anders aus. Auf solchen IC-Routen kommen die SBB auf 80 - 90 % Marktanteil im Modalsplit. Von zehn Leuten nehmen also nur ein bis zwei das Auto und acht bis neun den Zug. St. Gallen-Genève mit dem Auto sind ausserdem vier bis viereinhalb Stunden, da ist der Zug über eine halbe Stunde schneller.

Die Fahrzeiten in der Westschweiz sollen bald noch langsamer werden gemäss Zeitungsberichten um 8 bis 10 Minuten?

Die Nachfrage in der Westschweiz nimmt extrem zu und entsprechend finden viele Ausbauprojekte statt. Es sind so viele Projekte, dass teilweise gleichzeitig mehrere Baustellen stattfinden. Dies setzt der Pünktlichkeit in der Westschweiz stark zu, was nun mit zusätzlichen Fahrzeitreserven aufgefangen wird. Und zusätzliche Fahrzeitreserven bedeuten dementsprechend Fahrzeitverlängerungen. Die Fernverkehrszüge werden aber noch immer klar schneller sein als mit dem Auto.

Was allerdings die Frequenzen in Trin betrifft sagen meine Beobachtungen von knapp 2 Jahren pendeln etwas anderes. Der Bahnhof ist sehr schlecht frequentiert, zumindest beim ersten Zug ab Chur stiegt fast nie jemand ein, beim zweiten Zug am Morgen ist es eine Person oder auch niemand.

Es ist ja auch logisch, dass ein Bahnhof, der primär von Wanderern genutzt wird, für einen Pendlerzug sehr wenig bis gar keine Frequenz generiert. Wanderer sind ja zu ganz anderen Uhrzeiten unterwegs als Pendler.

Rechne ich die Wandergruppen weg, sind die Frequenzen meiner Meinung nach schlecht.

Wanderer sind genauso zahlende Fahrgäste wie Pendler. Wanderer werden also sicher nicht weggerechnet!

Für den Sinn eines Bahnhalts zählen schlicht die über das gesamte Jahr gezählten Ein- und Aussteiger. Es ist dabei völlig irrelevant, ob diese Fahrgäste für einen Reisezweck haben, also egal ob Wanderer oder Pendler. Es zählt nur, dass sie dort einsteigen und da aussteigen und damit eine Frequenz generieren. Bei der Betrachtungsweise an 24/7 über 365 Tage/Jahr ist auch nicht relevant, zu welcher Uhrzeit und zu welcher Jahreszeit die Frequenz generiert wird.

Und Tatsache ist, dass der Bahnhof Trin mehr als genug Frequenz hat.

Wandergruppen könnten genau so gut in Versam oder Reichenau in den Zug steigen oder im Dorf Trin wo alle 30 Minuten ein Postauto einsteigen nach Chur oder Flims.

Die Wanderer sehen das aber anders und sie sind genau gleich zahlende Fahrgäste wie du als Pendler. Damit haben ihre Anliegen dasselbe Recht, in der Angebotsgestaltung berücksichtigt zu werden wie deine.

Wanderausflüge sind ja ein touristisches Segment und das touristische Segment ist für den Kanton Graubünden extrem wichtig, es ist einer der stärksten Wirtschaftszweige im Kanton. Daher ist es ein erhebliches Anliegen des Kantons Graubünden, dieses Segment zu stärken. ÖV-Verbindungen für Wanderer zu verschlechtern, wäre das absolute Gegenteil und daher kommt sowas keinesfalls in Frage. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn die Verantwortlichen im Bündner öV-Amt das lesen würden, was du hier schreibst, würden sie mehrfach ungläubig den Kopf schütteln.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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