NL: Transitzüge? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 10.02.2022, 16:38 (vor 1519 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Oscar (NL), Donnerstag, 10.02.2022, 16:38

Hallo J-C,

Danke für Deine Antwort.

In einem Land wie das unsere haben internationale Bahnanbindungen nur niedrige Priorität. Weit weniger als in DE/CZ/PL.

Komisch. Es hat doch einen netten Hafen da, den ich später noch erwähnen werde.

Rotterdam. Und ja, Güterverkehr habe ich nicht berücksichtigt. Dafür gibt es in der Tat die Betuweroute. Vielleicht hätte ich schreiben sollen: internationale HGV-Bahnanbindungen. Wobei man auch noch den Unterschied hat zwischen reinrassigen Rennbahnen (Thalys über die HSL-Zuid) und HGV-Züge über vorhandene Infra (ICE nach Amsterdam).

Die HSL-Zuid wurde eine vier Dekaden lange Seifenoper und deren Kosten wird die "GmbH Niederlande" (NL: "BV Nederland") wohl nicht mehr zurückverdienen können. Es ist den Eindruck entstanden, dass HGV sich innerhalb NL nicht lohnt.

Hängt davon ab, welche Agglomerationsräume du miteinander verknüpfst. HGV kann sich rechnen, wenn der Bedarf so hoch ist, dass ohnehin ein Ausbau notwendig wird. Meistens funktioniert es eben so.

Dort wo die Nachfrage hoch ist, gibt es meistens keinen Platz für Rennbahnen, oder die Halteabstände sind zu kurz. Beispiele dafür sind Utrecht-Den Haag, Utrecht-Rotterdam, Amsterdam-Den Haag-Rotterdam.
Dort wo Platz für Rennbahnen da ist und man lange Strecken nonstop fahren könnte, mangelt es meistens an Nachfrage. Beispiele dafür sind Zwolle-Groningen, Zwolle-Leeuwarden.

Die Niederlande sind so flach, ich kann mir nicht vorstellen, dass man nicht ohnehin schon die besten Streckenläufe hat.

Flachheit ist das Problem nicht. Dafür aber:

1. Bodenstabilität. Daran mangelt es zur Zeit, aktuell auf Geldermalsen-Culemborg (Strecke Den Bosch-Utrecht) aber wohl auch auf Woerden-Goude (Strecke Utrecht-Den Haag/Rotterdam).
2. Wasserstrassen, die man queren muss. Auf Utrecht-Den Bosch alleine schon 6 (Amsterdam-Rheinkanal, Lek, Linge, Waal, Maas, Dieze).

Gut, dann muss man halt so bauen wie die Chinesen: mit ultralangen Viadukten. Dann gibt es hier mal wieder die Diskussion über Landschaftsverschmutzung.

A. Utrecht-Köln, 200 km, 1 Stunde.

Das wären dann doch alles internationale Relationen. Es gibt sicher einen TEN-Korridor dort, weil ja die Niederlande mit Europoort einen mächtigen Hafen haben. Vielleicht kann man davon heraus etwas basteln.

B. Amersfoort-Bielefeld, 250 km, 1:15.

Die Argumentation würde dann lauten: durch die engen Verflechtungen der dichtbesiedelten Agglomerationsräume können Schnellverbindungen durchaus einen Nutzen stiften, da diese dann eine noch stärkere Interaktion miteinander und damit wirtschaftlich einen größeren und vielfältigeren Handlungsraum schaffen. Da die Grenzen de facto nicht existieren, wird damit ein europäischer Zentralraum in seiner Struktur gefestigt.

Man soll hier folgende Verkehre unterscheiden:

1. EU-Schnellverkehr. Ziel ist NL näher zu Deutschland zu bringen.
Zielprodukt ist ICE International. Vergleichbar mit Thalys und eurostar auf der HSL-Zuid.
2. Grenzlandverkehr. Ziel ist die Verbindung Periferie NL-DE. Eindhoven-Düsseldorf, Nijmegen-Köln, Amersfoort-Münster.
Zielprodukt ist hier IC200. Vergleichbar mit IC Amsterdam-Brüssel und (geplant) NMBS-IC Eindhoven-Brüssel.
3. Inlandsverkehr. Ziel ist Beschleunigung Randstad-Periferie. Etwa "Transitzüge".
Zielprodukt ist hier IC200. Vergleichbar mit IC200 Amsterdam-Breda.

Ich finde es bedauerlich, dass hier in NL nur nach Nutzen/Kosten argumentiert wird.

So funktioniert moderne Trassenplanung.

Betonung ist auf "nur"; der Sinn von Nutzen/Kosten Analyse bestreite ich nicht.
Diese Betonung hat hier in NL z.B. dazu geführt, dass Jan sich nur umweltschonend verhält, wenn seine Geldtasche davon mitprofitiert. Nicht aus ideologischen Gründen (lies: weil Jan sich um seinen Planeten kümmert).

Das sieht man auch in den Wahlergebnissen.
Tweede Kamer (NL). Bahnaffine Parteien sind Groen Links, Volt und ggf. Partij voor de Dieren (die wollen aber keine Bahnstrecken durch Naturschutzgebiete, würde ich halb zählen). Macht 14 von 150 Mandaten -> 9,3%.
Bundestag (DE). Die Grünen alleine schon fast 15%.

Gefühlt sind Otto und Bärbel mehr umweltbewusst und/oder bahnaffin als Jan und Petra.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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