...aber mangelnde politische Wille "kills them all"...? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 01.04.2021, 11:49 (vor 19 Tagen) @ Alphorn (CH)

Man sieht es in der Schweiz, wo keinerlei anderen Hindernisse im Weg stehen: Über eine Sprachgrenze hinweg gibt es wesentlich weniger Verkehr als innerhalb einer Sprachregion.

Das darf in CH zwar stimmen, aber ansonsten bin ich mir da nicht so sicher.

Wenn ich Relationen wie Frankfurt-Paris, Frankfurt-Brüssel und Frankfurt-Amsterdam betrachte, dann sehe ich bestenfalls nur einen 2h-Takt. Sogar die kleinste Bummelbahn in CH oder NL fährt öfter.
Aber besagter Takt sehe ich auch auf Nürnberg-Wien, wo eine Sprachgrenze fehlt.

Bei uns ist es um Welten leichter, von Eindhoven nach Amsterdam zu reisen als von Eindhoven nach Düsseldorf, obwohl Düsseldorf näher zu Eindhoven liegt. Aber hat das vor allem mit der Sprachgrenze zu tun?
Ich stelle folgende "Verkehrskiller" fest:

1. Staatsgrenze
2. Sprachgrenze
3. Stromsystemgrenze
4. Zugsicherungssystemgrenze
5. Tarifsystemgrenze

Zu 1: NL denkt in vielen Bereichen noch vor allem staatlich. Als die HSL-Zuid gebaut wurde, dachte NL nur an die Neubauten auf eigenem Boden. Man bemerkt auf der Strecke die Staatsgrenze, denn der NL-Abschnitt ist feste Fahrbahn, der BE-Abschnitt Schotter.

Zu 2: Leute aus Rotterdam (NL) und Antwerpen (BE) können einander mühelos verstehen. Dennoch verkehrt der IC nach Brüssel hier nur stündlich, während der IC nach Eindhoven (weiter entfernt) halbstündlich verkehrt.
Was allerdings für Deine Stellungnahme spricht: Zugpersonal muss international geschult sein. Bei IC Brüssel z.B. niederländisch, französisch, englisch. Aber diese Herausforderung hat die Schweiz auch.
Es kann sein, dass CH sowieso mehrsprachig orientiert ist, NL weniger, und DE/FR noch weniger. Somit für DE/FR ein relativ grosse Hürde.

Zu 3: der "IC" Schiphol-Eindhoven-Venlo ist Einsystem, der NRW-RE13 Hamm-Düsseldorf-Venlo ist Einsystem (umschaltbarer Fahrdraht sei Dank), aber ein durchgehender Zug Eindhoven-Venlo-Düsseldorf müsste ein Mehrsystemer sein. Das sei "teuer" und somit "unmöglich".
Fakt ist aber: besagter "IC" müsste 1x Strom wechseln, während der Inlands-IC Amsterdam-Breda 4x Strom wechselt. Dieser IC verkehrt zudem in 15-Minutentakt.

Zu 4: besagter Zug Eindhoven-Düsseldorf müsste auch wegen Zugsicherung ein Mehrsystemer sein: ATB und PZB. Das sei "teuer" und somit "unmöglich".
Fakt ist aber: besagter "IC" müsste 1x Zugsicherung wechseln, während der Inlands-IC Amsterdam-Breda 4x zwischen ATB einerseits und ERTMS andererseits wechselt.

Zu 5: langer Zeit waren für eine Reise Eindhoven-Aachen zwei Fahrkarten benötigt: bis und ab Heerlen. Oder man müsste das relativ teure internationale Tarif bezahlen. Heute gibt es aber die OV-Chipkaart und zudem kann man in Aachen aus- und einchecken, wodurch die Verbindung viel attraktiver geworden ist.

Insgesamt bekomme ich den Eindruck, dass viele Limits vor allem zwischen den Ohren bestehen, und der allergrösste Verkehrskiller mangelnde politische Wille ist.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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