Warum verkehrt der FV oft nicht im Takt? (Allgemeines Forum)

Reisender, München, Donnerstag, 22.03.2012, 08:10 (vor 5138 Tagen)
bearbeitet von Reisender, Donnerstag, 22.03.2012, 08:12

In den „Bahnland Bayern News“ 1/2012 habe ich wieder einen interessanten Artikel gefunden. Dort heißt es u. a.:

Fernverkehr im Takt nimmt ab

Bayern ist besonders stark vom Rückzug des Fernverkehrs und der Inaktivität des Bundes als dessen Aufgabenträger betroffen. So hat sich der Fernverkehr aus den Relationen München – Regensburg – Leipzig, München/ Nürnberg – Prag, München – Oberstdorf, Stuttgart – Würzburg – Erfurt, Würzburg – Treuchtlingen – Ingolstadt – München vollständig sowie zwischen Lindau – Stuttgart und Augsburg – Nürnberg teilweise zurückgezogen. Weitere Rückzugsmaßnahmen, insbesondere Augsburg – Würzburg (– Hamburg) und Nürnberg – Dresden, sind für die nächsten Jahre bereits angekündigt.

Hinzu kommt, dass Fernverkehrszüge immer weniger im Takt verkehren. Dies erschwert es der BEG, fahrgastfreundliche Verknüpfungen mit dem Bayern-Takt herzustellen. Viele Züge im Nahverkehr haben dadurch keine Anschlüsse zum Fernverkehr.

Den Ländern bleiben unter diesen Umständen drei Handlungsalternativen: 1. Sie bestellen sehr schnelle Regionalzüge als Ersatz für den Fernverkehr, was aber nicht Aufgabe der Länder ist und wofür zunehmend die Finanzmittel fehlen. 2. Sie resignieren und finden sich damit ab, dass wichtige Verbindungen nur noch mit langsameren Regionalzügen bedient werden und dadurch das Gesamtsystem Schiene leidet. 3. Sie ergreifen geeignete Maßnahmen, um den Bund an seine Verantwortung zu erinnern.

Denn der Fernverkehr ist nach dem Grundgesetz Sache des Bundes. Dieser begrenzt seine Aktivitäten jedoch ausschließlich auf die Finanzierung von Infrastrukturprojekten. Daher wurde 2008 die Initiative Deutschland-Takt gegründet, die erreichen möchte, dass das Bahnfahren attraktiver wird und mehr Menschen dieses umweltfreundliche Verkehrsmittel nutzen. Geleitet von den guten Erfahrungen im Regionalverkehr mit aufeinander abgestimmten Verkehrsangeboten und einer damit zusammenhängenden Steigerung der Fahrgastzahlen ist ihr Ziel die Einführung eines Integralen Taktfahrplans für den gesamten öffentlichen Verkehr in Deutschland: den Deutschland-Takt.

Der Integrale Taktfahrplan (ITF) ist natürlich noch etwas anderes als ein „normaler“ Taktfahrplan, da die Züge beim ITF ja nicht nur jede Stunde zur gleichen Minute fahren, sondern alle Linien auch so auf einander abgestimmt werden sollen, dass möglichst keine Anschlüsse verloren gehen. Während ein deutschlandweiter ITF deshalb ziemlich komplex ist und auch erhebliche Investitionen in die Schieneninfrastruktur erfordert, dürfte ein normaler Takt wohl auch im Fernverkehr ohne weiteres realisierbar sein, zumal dies ja auch im Nahverkehr vorgemacht wurde und die Erfolge in Form von erheblichen Fahrgaststeigerungen eigentlich für sich sprechen. Schließlich ist der große Vorteil eines Taktfahrplans dass jede Stunde die gleichen Verbindungen bestehen und dass außerdem die Abfahrtszeiten leichter zu merken sind, wenn sie nicht jede Stunde anders sind. Reisenden, die bei den Verbindungen flexibel sein wollen oder müssen, ist ein Takt für die kurzfristige Änderung der Reiseplanung daher wichtig.

Aus diesem Grunde stellt sich für mich die Frage weshalb es im Fernverkehr anscheinend immer weniger Taktverkehr gibt.

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Foto: ICE 3 "Ingolstadt" in Köln Hbf


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