Hoffentlich! (Allgemeines Forum)

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 11.02.2011, 10:24 (vor 5581 Tagen) @ Oscar (NL)

Moin!

Eine gute Nachricht, wenn es denn klappt. Ich bin ja immer noch skeptisch, daß der internationale Verkehr (wie schon vor Inbetriebnahme der Verbindung über den Großen Belt) über die Kreis-Oldenburger Eisenbahn rollen wird.

mit dem Beschluss zum Bau der festen Fehmarnbeltquerung als Tunnel hat sich Deutschland ja verpflichtet, die Strecke Lübeck-Puttgarden bis 2027 zweigleisig auszubauen und zu elektrifizieren.


Das wäre auch ohne Fehmarnbeltquerung eine gute Idee. Bei uns ist das Kernnetz ja auch meistens doppelgleisig und elektrifiziert.

Aus deutscher Sicht ist Lübeck - Puttgarden sicher kein Kernnetzbestandteil. Du hast einen langsamen Zug je Stunde und Richtung, dazu einen schnellen alle zwei Stunden und ein paar Verstärker. Mehr nicht.

Jetzt wird darüber diskutiert, ob die Bestandsstrecke durch die ganzen Dörfer ausgebaut werden soll [...] oder ob um die Dörfer eine NBS als neue Zulaufstrecke gebaut werden soll...

Ich teile mal die Bestandsstrecke auf:
1. Lübeck - Neustadt
2. Neustadt - Fehmarnsund
3. Fehmarnsund - Fehmarnbelt

Über 3. braucht man nicht zu reden, die Strecke läuft schnurgerade fern der größeren Orte.

1. ist die Strecke entlang der Badeorte. Hier ist festzustellen, daß diese nur am Rand tangiert werden. Eine NBS parallel der Autobahn ist prinzipiell möglich. Sie würde jedoch entfernt von den Badeorten liegen, Timmendorfer Strand würde keinen Bahnanschluß mehr haben (NBS und Altstrecke gleichzeitig sehe ich als nicht praktikabel an).

2. läuft im Binnenland, teilweise auf der Kreisbahntrasse. Hier sollte eine Neubaustrecke nahe der Autobahn gebaut werden, die auch Heiligenhafen wieder einen Bahnhof verschafft. Oldenburg (Holstein) würde dann einen neuen Bahnhof bekommen müssen.

Im Übergang von 1. zu 2. müßte der Anschluß Neustadts gepräft werden - es ist der größte Ort der Gegend. Der jetzige Halt liegt zentrumsnah, ist aber ein Kopfbahnhof. "Neustadt21" halte ich für unrealistisch. Ein Halt an der Bestandsstrecke läge einen Kilometer weiter außerhalb, eine eventuelle NBS entlang der Autobahn wäre 2,5 km von der Innenstadt entfernt auf der Grünen Wiese.

Ich sehe hier keine der beiden Lösungen als auf den ersten Blick optimal an. Die reine Elektrifizierung der Bestandsstrecke ist es aber noch weniger.

Ich befürchte hier, das geht genauso schnell voran wie bei Oberhausen-Emmerich. Denn auch Lübeck-Puttgarden ist eine Strecke, die Bestandteil einer internationalen Verbindung zwischen Großstaat und Kleinstaat ist = wichtig für den Kleinstaat, marginale Bedeutung für den Großstaat.

Drittes Beispiel: Oberrhein. In allen drei Fällen hat der Kleinstaat seine Arbeit erledigt und der Großstaat kommt nicht in die Pötte.

Wenn die Lokalbevölkerung Zustimmung ihrer Proteste erhält, bedeutet das:

1. Puttgarden wird ICE-, Umsteige und Umschlagbahnhof;
2. dänische IC4 fahren nach Hamburg Hbf (Puttgarden)
3. in Puttgarden ist ein Umstieg erforderlich. Es verkehren 218 + n-Wagen nach Lübeck.
4. in Lübeck ist ein weiterer Umstieg erforderlich. Hier kommen dann entweder ICEs oder Regionalzüge für die Weiterfahrt nach Hamburg.

Die 218 fährt aber als D-Zug! Es müßten ohnehin neue Fahrzeuge beschafft werden, so man nicht auch hier mit Diesel unter Fahrdraht fahren möchte.

[Fernverkehr und deutscher Binnenverkehr]

Du vergißt eine Sache: Das ist der Güterverkehr. Hier (PDF, dänisch) siehst Du den aktuellen dänischen Güterzugfahrplan, der Transitverkehr soll zukünftig auf die Vogelfluglinie zurückkehren.
Fernverkehrsmäßig sehe ich sehr optimistisch einen Stundentakt, realistisch einen Zweistundentakt. Hierbei stellt sich die Frage der Kooperation: DB kooperiert in Schweden mit SJ (Botniatåg AB) und in Dänemark mit DSB, während SJ und DSB in Konkurrenz zueinander stehen (Öresund).
Nahverkehr? Auf dänischer Seite ist zwischen Nykøbing F(alster) und Rødby F(ærge) wenig los. Auf deutscher Seite besteht Lübeck - Neustadt ein Stundentakt, weiter bis Burg (Fehmarn) ein Zweistundentakt. Mit schnelleren Zügen und eventuell sogar einer Durchbindung nach Hamburg könnte ich mir prinzipiell einen Stundentakt bis Burg vorstellen. (Siehe auch oben: Heiligenhafen, Neustadt; aber: Welche Fahrzeuge? Sieben Doppelstockwagen sind außerhalb der Saison hoffnungslos überdimensioniert.) Die saisonalen Urlauberzüge dürften bleiben.

Alles zusammen gebe ich eine ABS mehr Chancen als die NBS, aber es würde mich gar nicht überraschen, wenn die Ist-Situation aufgrund einiger bösen Ostholsteiner 2027 nach wie vor besteht, demzufolge DK weder Brücke noch Tunnel baut und stattdessen die Cargos via Odense und Padborg nach Hamburg schickt; diese Strecke ist ja schon elektrifiziert.

Der Vogelflugtunnel kommt. Da bin ich mir sicher. Ebenso kommt der Ausbau auf dänischer Seite (NBS Kopenhagen - Ringsted, dänisch), der aber auch für den dänischen Binnenverkehr wichtig ist (Überlastung Kopenhagen - Høje Taastrup).

Sorge machen mir zwei Brücken: Die dänische Storstrømsbro (bei Vordingborg) wird ein Nadelöhr in der zweigleisigen Bahnstrecke, die deutsche Fehmarnsundbrücke wird ein Nadelöhr in der hoffentlich zweigleisigen Bahnstrecke und in der Autobahn.

Viele Grüße, Sören

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