Reisegeschwindigkeit + Takt ! (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 21.09.2010, 14:28 (vor 5720 Tagen) @ Alphorn (CH)

Meine These: Je weniger leeres Land, desto besser muss der Takt sein.

Wobei "leer" ein relatives Begriff ist.

Der IC Eindhoven-Amsterdam (122 km, 1:22) fährt normal jede 15 Minuten, jetzt sogar jede 10 Minuten.
Man würde Deiner These nach erwarten, dass ein "IC" (lies: Gesamtangebot ICE, IC und RE) Köln-Bochum das noch qua Takt überbietet: Düsseldorf, Duisburg und Essen sind um einiges grösser als 's Hertogenbosch und Utrecht, und auch dazwischen liegende Orte wie Leverkusen, Mülheim und Wattenscheid sind grösser als Boxtel, Geldermalsen und Breukelen.
Dies ist aber nicht der Fall.

Wahrscheinlich sieht die Situation anders aus wenn man nicht die absoluten Einwohnerzahlen betrachtet, sondern Prozentzahlen der Gesamtbevölkerung.
Relativ gesehen hat Amsterdam dann natürlich viel mehr Einwohner als Köln.
Aber: wenn die Gesamtoberfläche des Landes ändert (z.B. dadurch, dass man nur NRW betrachtet, oder nur die alten Bundesländer), ändert die Bevölkerungsdichte zwar global / durchschnittlich, aber lokal nicht.

Die Situation durfte auch anders aussehen wenn man die Abstände relativ sieht, z.B. als Prozentzahl der Durschnittsdurchmesser eines Landes.
Dann müsste man Amsterdam-Eindhoven mit Hamburg-Stuttgart vergleichen, oder mit Paris-Lyon.
Mit dieser Annahme kann ich Deiner These gut anfreunden.

Frankreich hat grosse Städte und dazwischen so gut wie nichts. DAher sind die durchschnittlichen Reisedistanzen recht hoch. Bei einer Fahrzeit von 3 Stunden (Paris-Marseille) fällt die durchschnittliche Wartezeit auf die Abfahrt bei Stundentakt (1/2 Stunde) nur mit 16% in's Gewicht.

Desto interessanter, dass gerade in der relativ dünnbesiedelten Region Rhone-Alpes das "cadencement" Verfahren getestet wurde; rundum Nantes / Angers / Tours / Poitiers / Le Mans wäre Deiner These nach viel interessanter.
Wahrscheinlich möchte man nicht gleich "die Finger brennen" = der Impakt eines Misserfolgs wäre in einer solchen Region viel kleiner.

Tatsächlich fahren zumindest die TGV Paris-Lyon Part Dieu-Lyon Perrache in Stundentakt, Paris-Marseille s.i.w. zweistündlich non-stop, etwa eine Stunde versetzt mit 1-2 Zwischenhalten.

Gibt's eigentlich in Deutschland irgendwo sauberen Halbstundentakt im Fernverkehr?

Leider nirgendwo gefunden.

Allerdings wage ich zu bezweifeln, ob sich der Fernverkehr-Halbstundentakt lohnt, zumal der deutsche FV eigenwirtschaftlich fahren muss.
Ein bestellter Mittelstreckenverkehr (etwa wie bei uns oder bei Euch, also näher als FV, ferner als NV) wäre da besser geeignet.

Übrigens ist der Erfolg von Bahnen natürlich nicht allein auf den Takt zurückzuführen.

Klar, versteht sich. Habe mich allerdings nur auf die Reisegeschwindigkeit fokussiert, etwa nach der Gedanke des Threaderstellers.

Das momentan explosive Wachstum des Bahnverkehrs in der Schweiz (schon wieder 4% im letzten Halbjahr) ist auch auf Haltestellendichte, ITF, autofeindliche Städte und vor allem den Preis zurückzuführen.

Preis bin ich mir nicht sicher. Als NL-Gelegenheitsfahrer ist Bus & Bahn in CH teuer. Dafür spricht dann, dass man mit den Vielfahrerangeboten den Anreiz hat, das System häufig zu benutzen.

Entscheidend ist, dass CH in Gegensatz zu NL eine wesentlich bessere Alternative zum Auto darstellt. Zudem ist dieses Streben schon sehr lange eingeprägt (ein starkes Umweltbewusstsein hilft dazu). Bei uns wurde leider durch die Jahre vermehrt auf das Auto eingesetzt (und erst recht wenn die geplante Rechtsregierung bald dran ist) = das Auto wurde/wird popularisiert, Bus & Bahn niedergemacht.

Fazit:

1. Amsterdam ist auch ziemlich autofeindlich, dennoch bezahlt man hier lieber nach wie vor die hohen Parkgebühren als dass man auf Bus & Bahn umsteigt.
2. Bei Terminverspätung wird Verkehrsstau bei uns als Argument akzeptiert, Bahnwidrigkeiten aber nicht, auch nicht wenn die Stauverspätung ein Vielfalt der Bahnverspätung wäre.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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