Les Côtes de France – Vorwort (o. B.) (Reiseberichte)

Pfälzer, Sonntag, 19.06.2022, 16:19 (vor 8 Tagen)

Dies ist mein erster (und vorerst auch einziger) Reisebericht in diesem Forum. Ende März / Anfang April dieses Jahres ging es für mich 8 Tage in unser schönes Nachbarland Frankreich und in umliegende Ländereien. Wie der Titel „Les Côtes de France“ schon vermuten lässt, orientiert sich der Reiseverlauf grob an der Küstenlinie Frankreichs, auch wenn zumindest der Atlantik aus dem Zugfenster so gut wie nie zu sehen ist. Die Verbindung zwischen Atlantik- und Mittelmeerküste stellt eine Tagesetappe entlang des Nordrands der Pyrenäen sicher. Im Reiseverlauf konnte ich dem Meer so an diversen Küstenabschnitten begegnen und dabei dessen verschiedenen Facetten und Farben kennen lernen. Die Tour war ursprünglich für das Frühjahr 2020 geplant, verschob sich dann aber aus bekannten Gründen zunächst um ein Jahr auf 2021. Als dann absehbar wurde, dass ich als Angehöriger der Priorisierungsgruppe 4 keine Chance hatte, die für Reisen notwendige Schutzimpfung vor der Hochsaison zu erhalten, habe ich die Reisepläne erneut um ein Jahr verschoben. Denn in der Hochsaison im Juli und August sollte man als Fremder einen Besuch in Frankreich, auch in finanzieller Hinsicht, gut überdenken. So sollte es für diese Tour das Frühjahr 2022 werden, nachdem ich 2018 schon einmal mit der Bahn in Frankreich war und so gut wie alles schief gegangen ist: Zu lange Tagesetappen, zu knapp geplante Anschlüsse, zu wenig Zeit für Besichtigungen und vor allem zu wenig Zeit zum Schlafen. Bei Ankunft um 22:00 wollte ich damals um 5:00 schon wieder weiterfahren. Grundsätzlich ist das möglich und beruflich bin ich auch schon mit weniger als 7 Stunden Nachtruhe ausgekommen – aber im Urlaub ist das nichts! Daher galten für die Reiseplanung nun folgende Devisen:
- kürzere Tagesetappen (im Mittel ca. 500 – 600 km)
- keine Abfahrt vor 7:00
- Ankunft am Abend spätestens um 20:00
- ausreichende Umsteigezeiten mit „Plan B“ für Alternativrouten, sollte ein Anschluss nicht funktionieren
- Orientierung der Reiseetappen an den Zielen, die entlang des Weges liegen, und nicht primär am Fahrplan der Züge

Gerade letzteres erweist sich in Frankreich leider als äußerst schwierig. Kennern werden die Probleme bewusst sein: Auf manchen Strecken fahren nur wenige Zugpaare am Tag und das meist auch nur morgens, mittags und abends, sodass man zwischen 10:00 und 12:00 sowie zwischen 14:00 und 16:00 vergeblich auf einen Zug warten kann. Da ich aber trotzdem die Reiseziele in den Vordergrund der Planungen nehmen wollte, musste die Aufteilung der Tour in Tagesetappen die variable Komponente bilden. Letzten Endes zeigte sich, dass die gesamte Strecke in 8 Tagen geschafft werden kann. Dabei gab es nun noch das Problem: Wo schiebe ich das Wochenende hin? Denn am Wochenende fährt natürlich noch weniger als unter der Woche. Am sinnvollsten war schließlich ein Start am Sonntag, da die erste Etappe größtenteils durch den Taktverkehr Deutschlands und Belgiens führt und die letzte Etappe überwiegend aus einem täglich verkehrenden Zuglauf besteht. Bleibt ein Samstag an der Côte d’Azur, an der aber dem Tourismus sei Dank auch am Wochenende reger Verkehr angeboten wird.

Zur Qualität der Bilder:

Ich bin kein Fotograf und schon gar kein Pufferküsser. Daher nehme ich auch keine teure Fotoausrüstung mit auf Reisen, sondern fertige Bilder mit meinem Smartphone an. Dass die Qualität nicht mit einer tausende Euro teuren Spiegel-Reflex-Kamera mit Serienbildfunktion und austauschbaren Objektiven vergleichbar ist sollte klar sein. Ich möchte trotzdem noch einmal darauf hinweisen: Ich fotografiere in erster Linie der privaten Dokumentation wegen und nicht zur Erstellung von Bildmaterial, dass dem Blick langjähriger Perfektionisten Stand hält. Wer damit leben kann, dem wünsche ich viel Spaß mit den kommenden Eindrücken. Wer das nicht akzeptieren möchte, dem steht es natürlich frei, sich den Bericht deswegen nicht anzuschauen.

Zur Corona-Situation:

3G war zum Reisezeitpunkt Ende März 2022 bereits in den meisten Lebensbereichen aufgehoben, und wo nicht da war die Regelung mangels Kontrolle gestorben. In 8 Tagen wollte zu keinem Zeitpunkt irgendjemand im Zug, im Hotel oder in der Gastronomie meinen Impfpass sehen. Dagegen galt die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln noch mit Ausnahme der Schweiz in allen Ländern, die ich besucht habe. Zumindest im Nahverkehr in Genova war auch noch eine FFP2-Maske verpflichtend. In Baden-Württemberg war die FFP-Pflicht am Tag meiner Wiedereinreise zurückgenommen worden, sodass auch OP-Masken wieder akzeptiert wurden. Ich persönlich war zum Eigenschutz im Innenbereich durchgehend mit FFP2-Maske unterwegs, auch in Hotels, Gastronomie und der Schweiz, wo es eigentlich nicht erforderlich war. Damit war ich aber ziemlich allein: In Frankreich konnte ich innerhalb meines Aufenthalts gerade einmal drei weitere Leute mit FFP-Masken sehen. Der Rest verteilt sich zu 50% auf Personen, die ihre OP-Maske anständig tragen, und zu 50% auf diejenigen, bei denen die Maske sonstwo hängt oder die sich der Maskenpflicht komplett verweigern. Besonders hoch war die Verweigerungsquote im Nahverkehr in Bruxelles. Dort konnte man meinen, es gäbe keine Pflicht mehr. Am strengsten eingehalten wurde die Maskenpflicht noch in Italien, aber auch dort wurde die Mund-Nasen-Bedeckung oft nicht bestimmungsgemäß oder nur in Sichtweite des Zugpersonals getragen.

Insgesamt war Corona also kein dominierendes oder den Reiseverlauf bestimmendes Thema mehr. Mit Ausnahme der Maskenpflicht konnte man keinen Unterschied zur Vor-Corona-Situation feststellen. Dafür hätte ich mir dabei doch ein wenig mehr Disziplin und weniger Egoismus gewünscht, denn die pandemische Lage ist trotz allem noch nicht ganz vorbei.

Zum meiner Fahrkarte:

Fahrkartentechnisch habe ich für die Reise einen Interrail-Global-Pass in der mobilen Version aus einer Promotions-Aktion vom Frühjahr 2021 verwendet. Damals gab es den Pass der 1. Klasse zum Preis der 2. Klasse und mit einer Stornierungsoption gegen eine geringe Gebühr. Letzteres war mir wichtig, da die weitere Entwicklung der Corona-Lage komplett unvorhersehbar war. Interrail scheidet in Frankreich zwar zunehmend aus, aber gerade bei meiner Reise erweist sich der Pass als Vorteil, da ich fast ausschließlich reservierungsfreie Züge genutzt habe. Da der Pass nur eine Gültigkeit von 7 Tagen besitzt, ich aber 8 Tage unterwegs war, musste ich einen Tag darüber hinaus mit Einzelfahrkarten bestreiten. Ich entschied mich für Tag 5, an dem nur zwei zusammenhängende Fahrten geplant waren, und bekam die Fahrkarten für die 1. Klasse mit Stornierungsoption für 31 bzw. 18 Euro, obwohl ich erst einen Monat im Voraus gebucht hatte. Für französische Verhältnisse ist das ein echter Spottpreis, aber gut, wahrscheinlich versucht die SNCF so, die Plätze auf Neben- bzw. Teilstrecken voll zu bekommen. Mir war es recht!

Das große Aber sollte sich schon am ersten Tag heraus stellen: Während im Verlauf der Reise der QR-Code des mobilen Pass mit den Kontrollgeräten von DB Fernverkehr (damit auch DB Regio Mitte), SNCB, Trenitalia und SBB gut zurecht kommt, ist das Interrail-System zu den französischen Kontrollgeräten inkompatibel. Bereits im ersten innerfranzösischen Zug stellt die Zugbegleiterin bei der Kontrolle fest, dass mein Ticket angeblich ungültig sei, woraufhin es einigen Erklärungsbedarf gab. Zunächst war ich noch von einem Einzelfall ausgegangen, da der Zug ein tarfilicher „Sonderfall“ war. Zusätzlich zu einer normalen Fahrkarte ist ein Zuschlag, aber keine Reservierung, erforderlich, wobei mir 2018 am Schalter in Calais gesagt wurde, ich brauche mit Interrail keinen Zuschlag. Aber schon am zweiten Tag sollte sich das Unglück in einem „regulären“ Regionalzug wiederholen. Prompt habe ich eine Beschwerde mit dem Hinweis „DRINGEND“ an den Interrail-Kundenservice geschrieben, dessen E-Mail-Anschrift auch erst gefunden werden möchte. Die Antwort ließ auf sich warten. So bin ich dazu übergegangen, beim Bordpersonal wo möglich vor dem Einstieg nachzufragen, ob man mich mitfahren lasse. Manche Kontrolleure kannten das Problem, andere wussten damit nichts anzufangen und haben mich „im Zweifel für den Angeklagten“ mitfahren lassen. Erst am Morgen des 4. Tages war ich endlich auf eine Englisch-sprechende Zugchefin gestoßen, die mir die Situation erklären konnte: Die QR-Codes, die Interrail ausstellt, sind bekanntermaßen nicht mit dem System der SNCF kompatibel und können deshalb nicht richtig ausgelesen werden, was auf dem Kontrollgerät als „Fahrkarte ungültig!“ ausgegeben wird. Sie hatte mir geraten, immer die erste Seite des digitalen Tickets vorzuzeigen, wo die persönlichen Daten und die Reisedaten drauf stehen. Unter anderem mit dieser Auskunft als Referenz musste ich mich dann noch einige Tage „durchmogeln“. Es hat insgesamt immer geklappt und ich habe in keinem Fall einen tarif contrôle (erhöhtes Beförderungsentgelt) kassiert. Aber dennoch fühlt man sich ziemlich hilflos, wenn man tagelang mit einer als „ungültig“ deklarierten Fahrkarte durch ein fremdes Land fährt.

Kurzum als Fazit der Hinweis an alle:

Interrail Mobile Pass in Frankreich – vergesst es!!!

Überraschenderweise kam zwei Wochen nach Ende der Fahrt (Mitte April) tatsächlich eine Antwort vom Interrail Support, aus der ich an dieser Stelle zitieren möchte:

„Unfortunately it appears that it's a known issue that SNCF's scanning equipment cannot scan our QR-codes. Right now the temporary workaround is for conductors to visually inspect a traveler's QR-code and reservation where applicable. However, this is not an ideal solution as it leaves a lot of room for human error. […] Please know that we will continue to monitor the situation and work with SNCF to find a more convenient ticket inspection process of pass holders in the future.“

Also: Vor allem für diejenigen, die kein Französisch können, wird es aufgrund des „Spielraums für menschlichen Irrtum“ wohl sehr schwer werden, sich durch das Land zu diskutieren. Zum aktuellen Zeitraum kann ich von dem Abenteuer „Interrail Mobile Pass in Frankreich“ also nur abraten!

Nach so viel Ärger wollen wir nun aber zum schönen Teil des Berichts kommen. Viel Spaß damit!


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