Rennbahnen bitte nur dort, wo Platz besteht. (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 12.02.2021, 13:34 (vor 19 Tagen) @ Lumi25

Lumi25:

Man schaue sich mal an, was im Rahmen des Deutschland-Taktes zwischen Berlin und Köln geplant ist. Um überhaupt nahe an den 3 1/2 Stunden ranzukommen muss von Hamm nach Köln schon die Strecke über Hagen-Wuppertal nutzen, welche zwar schneller aber für Geschäftsreisende als Ziel eher unbedeutender als Düsseldorf, Essen oder Dortmund ist.

Um so etwas aufziehen zu können benötigt man ein Netz welches flexibel von HGV-Zügen genutzt werden kann. Also durchgehend mit Umfahrungen und entsprechenden Anbindungen an die Strecke.

Zudem muss man Platz haben, solche Strecken zu bauen.
Bei uns in NL hat das mit Schiphol-Rotterdam einigermassen geklappt. Aber:

a. Das sind dann auch nur 40-45 km.
b. Abgehängt wurden Leiden, Den Haag, Delft und Schiedam. Das steht in keinem Verhältnis zu Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg, Düsseldorf.
c. Die 40-45 km befinden sich in einem relativen Niemandsland. Nichtdestotrotz musste man einen 8 km Bohrtunnel erstellen, damit man einen Naturschutzgebiet schonen konnte. Zudem musste eine Tieflage gebaut werden wegen Berkel-Rodenrijs (lediglich 30.000 Einw.).

Ich war schon öfters in Rhein-Ruhr-Sieg und weiss bisher nicht, wo man eine Rennbahn Köln-Hamm bauen könnte.
Leider sind wir nicht in China, wo man Rennbahnen rücksichtslos trassiert.

In Frankreich geht die LGV auch an größeren Städten wie Lyon vorbei und selbst Paris hat so was. Man stelle sich jetzt mal eine Umfahrung von Hannover vor. Der Aufschrei wäre gigantisch.

Lyon hat eigene Züge nach Paris, also braucht man Marseille damit nicht zu belästigen.
Das wäre in Deutschland nicht machbar, dafür ist das Land zu dezentral besiedelt.

Dennoch ist Siedlungsstruktur alleine nicht der Grund. In Italien gibt es Züge Mailand-Rom nonstop, solche mit Halt in Bologna und Florenz und auch noch solche mit noch mehr Halten. Dazu auch noch solche die nicht in den Hauptbahnhöfen halten, sondern am Stadtrand (Roma Tiburtina, Napoli Afragola). Und alle befahren dieselbe Rennbahn.

Bei Mannheim sowie Ulm hätte man die Möglichkeit gehabt Umfahrungen zu verwirklichen stattdessen müssen die Sprinter ohne Halt durch die Knoten fahren wie das in Fulda der Fall ist. Klar kann man nachsteuern aber das kostet richtig Geld.

Liegt am System ICE. Das ist bestenfalls "higher speed", nicht "high speed". Knotenfunktion ist wichtiger.
Bei uns bin ich vermutlich auch der einzige der an eine Rennbahn Amsterdam-Eindhoven (120 km) denkt, damit Eindhoven, Helmond, Venlo, Weert, Roermond, Sittard, Maastricht und Heerlen 25 Minuten näher (0:45 statt 1:10) zu Amsterdam kommen. Die Knotenfunktion von Utrecht und Den Bosch ist dafür viel zu wichtig. Auch in Arnhem, Nijmegen und Tilburg möchte man gerne schnell nach Amsterdam kommen; zudem möchte man nicht nur nach Amsterdam, sondern auch nach Den Haag, Rotterdam, usw.

Alibizugpaar:

Also (räusper), die Grundidee des Ultra ist ganz sicher nicht, daß der wie jeder kleinkrümelige ICE die klassische Städtekette Dortmund - Essen - Düsseldorf - Köln abklappert.

Grundidee wohl nicht, aber welche Alternative hat man?

Der Zug soll nach dieser Idee auf Geschwindigkeit und möglichst kurze Reisezeiten kommen und dazu ist es notwendig, daß er nach Ausfahrt Berlin so schnell wie möglich aus Deutschland rausgeschleust wird, um dann für die Restetappe mal ein längeres Stück aufdrehen zu können.

Wie ich auch Lumi25 schon fragte: wo soll die Alternative zur Strecke DO-BO-E-DU-D-K entstehen?
Ich verstehe dass man für die 4h-Fahrt irgendwo Zeit gewinnen muss, aber dann doch am liebsten dort, wo es am einfachsten machbar ist. Und das ist nicht in dichtbesiedeltem Gebiet. Bei uns ist der Thalys trotz HSL-Zuid auch nicht wesentlich schneller zwischen Schiphol-Rotterdam unterwegs als der Inlands-IC.
Deswegen auch mein Vorschlag, in Belgien eine Art "Interconnection" der Rennbahnen Brüssel-Lüttich und Brüssel-Paris zu bauen. Also an Brüssel vorbei; Brüssel hat eigene Züge nach Amsterdam, London, Paris, Köln und Berlin (neu: ICE International oder verlängerter e320). Die Besiedlung in der belgischen Pampa durfte geringer sein als die von Rhein-Ruhr-Sieg, und die Auslastung der Strecken kann man dadurch verbessern, dass dort nachts Cargos verkehren dürfen.

In Belgien wurde Brüssel-Antwerpen auch nicht für Highspeed gebaut. Dort bummelt der Thalys auch zwischen den "IC"s. Antwerpen-Rotterdam kann er wieder ordentlich Gas geben.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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