Gegen S 21 - und mit guten Gründen (Allgemeines Forum)

Hustensaft, Donnerstag, 24.11.2011, 06:49 (vor 5265 Tagen) @ ExpressFreak

Das Konzept Stuttgart21 überzeugt nicht - und da sind die Kosten nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Ein Konzept, welches auf eine - zudem auf 35 Jahre befristete - Ausnahmegenehmigung baut, ist nicht seriös. Was passiert, wenn nach Ablauf der Befristung die Ausnahmegenehmigung nicht erneut erteilt wird oder wegen geänderter Rechtsvorschriften erteilt werden darf? Dann steht Stuttgart ganz ohne Bahnhof da und auch sämtliche Verbindungen über Stuttgart sind unterbrochen.

Ein Bahnhof, der in dieser "Schräglage" gebaut wird, ist betrieblich nicht ohne Risiken. Es wird nicht bestritten, dass Halte von Zügen in Anbetracht der geplanten Neigung nur mit "glühenden Bremsen" möglich sind.

Die Neubaustrecke nach Ulm lässt sich mit etwas gutem Willen auch ohne Stuttgart21 realisieren. Wobei das Konzept der NBS ohnehin noch einmal überdacht werden sollte, man aus der KRM offensichtlich nicht gelernt: Es kann nicht sein, dass eine NBS nicht grundsätzlich von allen Zugtypen befahren werden kann, unabhängig davon, wie es im praktischen Betrieb später aussieht.

Unbeantwortet ist auch die Frage, wie eine Umleitung bei Sperrung des Bahnhofes - warum auch immer - erfolgen könnte. Sicher ist dieses Problem auch bei anderen Bahnhöfen existent, bei Neubauten muss dafür aber eine Lösung vorhanden sein.

Geschmäckle hat auch, dass die durch den Bau frei werdenden Grundstücke bereits verkauft sind - ein Schelm, der Arges dabei denkt.

Und zum Schluss die Kosten: Jeder weiß, dass sich bei einem Projekt, welches sich über einen so langen Zeitraum erstreckt, Kostensteigerungen ergeben werden. Wenn die heutige Planung schon mehr oder weniger den letzten Euro ausgibt, so heißt das doch nur, dass der Puffer zu klein ist. Alle, aber auch wirklich alle Großprojekte haben bisher erheblich höhere Kosten verursacht als ursprünglich veranschlagt - warum sollte das in Stuttgart anders sein (und für die Banken-Vergleicher: Deutsche Wurst war auch sicher, ebenso die Atomkraft und die EXPO hatte bekanntlich die prognostizierten 40 Millionen Besucher). Hier muss vor Baubeginn einvernehmliche Klarheit bestehen, wer die Mehrkosten tragen wird.

Die Frage, ob mit den Summen nicht sinnvollere Bahnprojekte umgesetzt werden sollten, stelle ich lieber gar nicht erst.


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