Gut und schlecht sund relative Begriffe. (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 20.07.2022, 17:45 (vor 1356 Tagen) @ Frank Augsburg

Hallo Frank Augsburg,

Danke für Deinen Beitrag.
Ich kann leider nicht für Deutschland urteilen, weil ich nur ein Gelegenheitsnutzer des "neu Neurotickets" bin.
Und die Situation bei uns in NL ist halt nicht mit DE zu vergleichen.
Das heisst aber nicht, dass die beiden Ländern nicht voneinander lernen können.

Haupteinwand: Die Züge (und Trams, und U- Bahnen, und Busse) würden zu voll.

Meine Bange war eher: kriegt die Infra es hin? Ist Reservekapazität vorhanden?

Auch eingedenk aller Unzulänglichkeiten, die es zweifelsohne gibt, ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland sehr gut [1] organisiert und kann alles in allem mit einem [2] guten Angebot aufwarten.

Zu 1: organisieren ist "the easy part", darstellen "the hard part".
Und zwischen beiden steht offenbar die mangelnde Infra im Wege.

Zu 2: "gut" und "schlecht" sind relative Begriffe. Ich bin Halbstundentakt in NL gewöhnt, muss also einen Schritt zurück wenn ich in Deutschland bin. Denn in DE regiert der Stundentakt. Umgekehrt werden Deutsche sich in NL verwöhnt fühlen. Das passiert schon in Venlo falls die eurobahn den NS-"IC" oder die arriva-Bahn nicht mehr erreicht. 30 Minuten später kommt der nächste Zug.

Wir hier in Ansbach sehen das quasi vor der eigenen Haustür. Dreimal je Stunde eine Verbindung nach Nürnberg – das schlecht reden zu wollen bedarf es wirklich außerordentlicher „argumentativer“ Verrenkungen.

Ich denke nicht, dass sowas schlecht geredet wird. Es ist eher so, dass AN-N nicht das Mass der Dinge in Deutschland ist. Zwischen Düsseldorf und Köln verkehren nebst S-Bahn nur zwei stündliche RE-Linien, und diese bilden zusammen auch nicht mal einen Halbstundentakt. Gut, es verkehren auch IC(E)s aber auch nur wenn man zusätzlich bezahlt.
Utrecht ist um einiges kleiner als Köln, aber nach Amsterdam verkehren zwei 15-Minutentakte "IC" (nach Centraal und nach Zuid). Und das auch noch bei Personalmangel; normal sind das 10-Minutentakte.

Mit Fug und Recht kann man den ÖPNV in Deutschland als Qualitätsprodukt bezeichnen.

Bin ich mir nicht sicher. Es ist für mich ziemlich schwer, das ganze objektiv zu betrachten, da ich kein Heavy User bin.
Zudem lasse ich mich nicht mehr so von Widrigkeiten runterkriegen.

Und ausgerechnet dieses Qualitätsprodukt wird auf dem Wühltisch politischen Desinteresses zu einem Preis verramscht, der jedem Mitarbeiter im ÖPNV die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Die Verramschung stört mich auch. In CH sucht man zurecht vergeblich ein 10-Frankenbillett. Und NL fängt auch nicht damit an, auch wenn viele bei uns rumschreien, dass wir es so machen sollten wie die Deutschen.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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