Der Irrsinn hat Methode. (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Dienstag, 19.07.2022, 13:34 (vor 1364 Tagen) @ ktmb
bearbeitet von Der Blaschke, Dienstag, 19.07.2022, 13:37

Hallo.

https://www.nzz.ch/meinung/der-andere-blick/deutsche-bahn-wie-sie-ihre-passagiere-vertr...

Zum einen hat die Politik im Autoland Deutschland die Bahn über lange Jahre vernachlässigt. Wechselnde Verkehrsminister haben sich kaum strategisch um sie gekümmert, dafür hat der Staat als Eigentümer den DB-Aufsichtsrat vor allem mit Staatssekretären und Abgeordneten statt Verkehrsexperten aufgefüllt.


Und die Lösung? Die Bahnfanfreakfuzzykommune fordert - und nicht nur die; genug andere gibt's auch -, dass das gesamte Bahnwesen wieder dem Staat unterstellt wird. Schluß mit Privatisierung! Schluß mit Gewinnorientierung! Zurück zu Papa Staat!

Eine Bundesbahn, die massenhaft Strecken stillegte, die Unsummen an Geldern verschlang, die ähnlich unpünktlich war und die 1989 auch ausgemergelt war ==> das haben wir doch alles vergessen oder bestreiten es einfach. Wenn nicht ist, was nicht sein darf. Über die DR brauchen wir gar nicht zu reden, die war genauso marode und dem Tode geweiht wie die ganze DDR mit ihrem dysfunktionalem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.

Aber jetzt soll es der Staat managen? Warum soll plötzlich funktionieren, was 70 Jahre nicht funktionierte?

Und selbst wenn es denn dann tatsächlich mal eine Regierung gäbe, die der Eisenbahn zugeneigt wäre ==> in 4 Jahren kommt die nächste ...

Die jetzige Regierung steuert jedenfalls auch nicht radikal um. Und wie das 9 Euro-Ticket entstanden ist, läßt sich ja längst nachlesen: am Ende einer nächtlichen Marathonsitzung, als der Morgen schon rief, alle erschöpft waren, aber man noch neben dem Tankrabatt unbedingt ein Benefit für die Grünen brauchte - deren Idee eines Autobahntempolimits als Teil des Kuhhandels war von ihnen nicht durchzudrücken.

Aktuell sieht Verkehrspolitik dann so aus: hey, ihr Grünen, laßt uns unsere 3 AKW noch etwas am Netz - dann bekommt ihr auch euer Tempolimit - temporär!!!!

Und da soll das Bahnwesen in guten Händen sein, wenn es beim Staat ist. Na danke auch ...

Die Eisenbahn leidet nicht unter zu wenig Stastsnähe, sondern unter zuviel Staatsnähe. Noch immer.

Aber mal ganz abgesehen davon: solange der Bürger nicht Druck macht, wird auch in der Politik nichts geschehen! Und der Bürger macht keinen Druck. Im Gegenteil: der Widerstand gegen jede Form des Ausbaus ist vielfältig. Der Deutsche liebt sein Auto. Das ist nichts anderes wie bei den Amerikanern mit ihren Waffen. Wenn da wieder mal wer Amok läuft, ist da nicht das Problem, dass der eine Waffe hatte - das Problem ist, das soviele andere keine hatten, um den Amoklauf zu stoppen. Es muss also mehr Waffen statt weniger geben! Nebenbei bemerkt: ein Prinzip, weswegen der Kalte Krieg 50 Jahre funktioniert und den echten verhindert hat. Zurück zum Auto: wenn die Straße überfüllt ist, besteht die Lösung darin, noch eine zu bauen. Es ist längst erwiesen, dass das nur neuen Verkehr anzieht und anschließend beide überfüllt sind. Aber dann muss eben noch eine her. So bleibt die Mobilität auch erhalten.


Zuguterletzt aber muss man der NZZ attestieren, den Horizont nicht überblickt zu haben - wie auch, wenn man in den Bergen residiert. Schon die Überschrift ist ja zu kurz gedacht.

Wie die Deutsche Bahn ihre Passagiere vertreibt

So einfach isses nicht. Wenn sie es macht, dann für einen guten Zweck im Sinne der Zukunft.

In Summe steigen die Fahrgastzahlen derzeit. Bescheiden zwar und gemessen daran, dass die gesamte Mobilität auch steigt, ist's übersichtlich. Aber sie steigen.

Und es ist gut, dass sie nicht exorbitant steigen - wo sollen all die Leute denn hin? Dann ist der ICE bald so lang, wenn du hinten in Diebsteich einsteigst (für die Ewiggestrigen: Altona geht auch) und durchgehst, steht das Bordrestaurant in Dammtor und dann geht es bis Hamburg Hbf durch die 1. Klasse bis zum vorderen Wagen.

Bald, irgendwann mal, soll auf der internationalen Linie Amsterdam Berlin der Talgo fahren. Also in 15 Jahren für die nächsten 55 Jahre. Dann schaue man sich an, wie voll die derzeitigen IC-Züge teilweise mittlerweile sind, so an Großkampftagen - und schaue anschließend nach, wieviel Kapazität die neuen Talgos im Vergleich zum derzeitigen Gerümpel haben. Ich sag mal so: will man da die Fahrgastzahlen verdoppeln, wird es etwas kuschelig. Die Lösung: bis zum Talgo-Start muss man 50% der heutigen Kundschaft erstmal vergraulen. Nach Talgostart kann sie dann nach und nach wiederkommen, bis das heutige Level wieder erreicht ist. Da kann dann auch der Bahnchef anno 2050 über die erfolgreiche Bahn jubeln. Aber nur, weil der heutige Bahnchef ein paar people vergrämt hat. Aber sowas kapiert die NZZ nicht ...


Schöne Grüße von jörg


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