Nachplappernde Dressurroboter ... (Fahrkarten und Angebote)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 19.12.2021, 16:26 (vor 1548 Tagen) @ michael_seelze
bearbeitet von Der Blaschke, Sonntag, 19.12.2021, 16:28

Hallo.

Es gibt Anschlußwünsche, bei denen man von vornherein weiß, das sie sinnlos sind. Beim FV braucht man tagsüber eigentlich gar nicht anrufen.


Es wäre schön, wenn so etwas auch offiziell kommuniziert würde. Dann gäbe es weniger Anfragen an das Zugpersonal und die Fahrgäste könnten sich schon einmal auf das Nichterreichen bestimmter Anschlüsse einstellen und ggf. umplanen.

Richtig!

Ich bekomme regelmäßig Tobsuchtsanfälle, wenn ich diesen Satz mit dem 'Ihre Anschlüsse sind vorgemeldet; warten Sie ab' höre. Genau wie beim ewigen 'Wegen Ihrer Anschlüsse melde ich mich' - was ja selbst dann durchgesabbelt werden muss, wenn bei der aktuellen Verspätung überhaupt gar keine Anschlüsse gefährdet sind.

So ist das aber alles, wenn die Geschäftsleitung ihre Untergebenen zu nachplappernden Dressurrobotern erzieht und dieses Verhalten auch so wünscht.


Nun habe ich ja auch ständig mit Verspätungen zu tun. Und werde natürlich auch mal nach Anschlüssen gefragt. Offiziell darf ich nichts dazu sagen. Kunde möge sich ans Bahnpersonal wenden und wenn keines da ist: Pech.

Ich verstehe meinen Job aber anders. Ich erläutere dem Kunden erstmal, dass ich nicht Bahner bin und auch nicht für ihn eingreifen kann oder was veranlassen kann. Ist ein Schaffner dabei, rege ich ihn dazu an, ihn aktiv aufzusuchen und das Anliegen vorzubringen. Ist kein Schaffner da, gebe ich eine persönliche Einschätzung der Wahrscheinlichkeit ab, den Anschluß zu erreichen - und betone dabei, dass es sich nur um eine persönliche Meinung handelt. Ich merke aber, dass die Kunden die Offenheit und Ehrlichkeit durchaus goutieren. Auch wenn dann diese Marketingexperten Hautausschlag bekommen. Da muß man so tun, als gäbe man sich Mühe ('Ihre Anschlüsse sind vorgemerkt') - und dann ausdrücklich bedauern, dass der Anschluss dann nicht wartet. Dabei vergessen die Experten, dass der Kunde das wenig ernst nimmt und sich eher veralbert fühlt, wenn das dann 4 von 5 mal in die Hose geht.

Also sage ich dann ehrlich, dass das nach meiner Meinung wohl nichts wird. Wenn es geht, schaue ich dann aber gleich nach einer Alternative. Und gebe evtl noch Hinweise zu den FGR - es gibt erstaunlich viele Reisende, die sich bei Zugbindung und so Sorgen um die Gültigkeit des Tickets machen.

In Summe geben mir die Kunden dann das Gefühl, dass sie jetzt im Moment wegen des verpassten Anschlusses zwar enttäuscht sind, aber für die ehrliche Einschätzung und das Aufzeigen, wie es weitergehen kann, dann positiv gestimmt sind, weil sie sich ernstgenommen fühlen.

Alles nicht vorschriftengemäß. Aber im Sinne des Kunden. Der mich ja schlussendlich bezahlt.

Das von der Plüschetage vorgegebene Gesabbel hilft da eher weniger! Gute Zugchefs weichen davon dann auch eigenverantwortlich ab und erklären auch.


Fazit: gerade im Verspätungsfalle müßte das Personal im Wagen, an der Front sein. Aber wir alle kennen ja zum einen die Arbeitsbedingungen und die alltägliche Belastung und wissen, dass es eher menschlich ist, sich ins Dienstabteil zurück zu ziehen. Flapsig gesagt: wer aussteigt, den ist man danach ja los.

Eine 'Lösung', die mir als Fahrgastbefrager verbaut ist: isch habe gar keine Dienstabteil ... ;-)

Und muss ja auch in meiner Platzgruppe verweilen!

Das bringt dann 'tolle' Erlebnisse: wir fahren von Osnabrück kommend auf Bremen Hbf zu. Zug endet dort. Schaffner verkündet vom Steuerwagen hinten fröhlich, dass alle Anschlüsse erreicht werden. Und dann stehen die Leutchen fröhlich in den Vorräumen und an den Türen - und der Zug kommt vorm Hbf zum Stehen! Keine Einfahrt! Und mit jeder Sekunde, die wir länger stehen, schwillt der Kamm der Kundschaft etwas mehr an. Aber halt: da ist doch dieser Eisenbahner, dem sie vorhin Fragen beantwortet haben! Ja, da stehst du dann ... Da sie ja alle schon im Vorraum stehen, ist die schnelle Flucht auf's WC ja versperrt ... ;-)

Das sind dann so Situationen, wo ich mir wünsche, jetzt möge mal der oberste Chef da sein und auf die Vorschriften verweisen ... ;-)

Wobei es aber auch vorkommt, dass wir etwas früh vorm Hbf eintrudeln und wir deswegen warten müssen und dann nach dem Warten trotzdem pünktlich einfahren. Im Normalfall muss erst der südwärts fahrende Rollbahn-IC durch.

Funfact am Rande: DANN kann DB FV Pünktlichkeit ==> wenn die Erhebung in Bremen endet und ich zurück nach Osnabrück muss. Der RE kommt xx:50 in Bremen an, der IC/E nach Osnabrück fährt xx:44. Der Fernzug hat ja im allgemeinen gerne mal Verspätung - aber nie, wenn ich in Bremen Feierabend habe und so etwas schneller nach Hause kommen würde (fast 50 Min!). Dann ist er immer pünktlich - und ich gondele mit dem RE zurück ...


Schöne Grüße von jörg


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