Das kann es nicht sein (Allgemeines Forum)

ICE2020, Mittwoch, 01.05.2019, 20:43 (vor 2518 Tagen) @ Hustensaft

Heute mag das so sein, nur: Auch Polizisten sind nicht dumm. Wenn die sehen, dass Du eine Karte hast und sich vom Schaffner zeigen lassen, dass das Gerät einen Lesefehler hat, kommen die auch ins grübeln - und erst recht, wenn so etwas öfter passiert, dafür müssten nur mehr Kunden sich weigern, sich wie "die üblichen Verdächtigen" behandeln zu lassen.

Das ist eine Perspektive. Woher weißt Du, wie oft es nun den umgekehrten Fall gibt? Die Leute, die wirklich mit alten, manipulierten Karten unterwegs sind und sich dann immer mit dem "Lesefehler" herausreden? Vielleicht erleben die Polizisten so etwas weitaus häufiger.

Genau das werden die Polizisten nicht feststellen (können) - wie auch? Die können nur feststellen, dass da eine Fahrkarte vorliegt (die sie nicht lesen können) und ggf. (s.o.), dass das Kontrollgerät kein Ergebnis liefert.

Nein, sie können feststellen, dass eine Plastikkarte vorliegt. Ob auf dieser eine Fahrtberechtigung hinterlegt ist oder nicht, dass sehen sie nicht. Genausowenig wie man sieht, ob die Karte manipuliert oder das Gerät defekt ist. Insofern wird mit der FN einfach dokumentiert, dass ein abschließendes Ergebnis zum Vorliegen einer Fahrtberechtigung nicht ermittelt werden konnte. Das man als Kunde sich dann später darum kümmern muss kann man ärgerlich finden (ich sehe aber nicht, wie man es anders lösen kann).

Natürlich liegt es nicht am Fahrgast, dies zu bestimmen. Das Kontrollgerät ist aber ein Beweismittel in einem Strafverfahren: Entweder, weil der Fahrgast eine Fahrkarte vorlegt, die wirklich nicht gültig ist (§ 265a StGB, hier dann mit offensichtlichem Vorsatz), oder weil der Tatbestand der üblen Nachrede zu Lasten des Fahrgastes (§ 186 StGB) vorliegt. Und die unterlassene Sicherstellung von Beweismitteln wäre ein grober Fehler, gerade wenn nach dem Beweis des ersten Anscheins der Fahrgast richtig liegen könnte.

Nein, es ist kein Beweismittel. Im Fall a., dass tatsächlich keine Fahrtberechtigung vorliegt, reicht das Ticket als Beweis aus. Den Fall b. gibt es, anders als Du annimmst, gar nicht, da mit der Ausstellung der FN – wie es in diesem Thread an anderer Stelle dargelegt wurde – nicht der Vorwurf einhergeht, Du seist tatsächlich ohne gültige Fahrtberechtigung unterwegs gewesen. Es wird vielmehr festgestellt, dass der Nachweis nicht erbracht werden konnte, ähnlich wie bei einem vergessenen Ticket. Das hier im Zweifel die Verantwortung nicht bei Dir (Vergessen) sondern beim Verkehrsunternehmen (schlechte Karte oder schlechtes Lesegerät) liegt, ist ärgerlich, beinhaltet aber keinen strafrechtlich relevanten Vorwurf gegen Dich. Anders natürlich, wenn Dich der Mitarbeiter explizit als Betrüger oder ähnliches bezeichnet.

Am Ende stellt sich doch die Frage: Was gewinnst Du, außer etwas Kraftprotzerei?


Ich gewinne, dass nicht irgendeine Wirtschaftsauskunftei fragwürdige Datensätze über mich erhält, aus denen sie irgendwelche intransparenten Schlüsse zieht, die gar nicht zutreffend sind, mich aber an verschiedensten Stellen betreffen können, ohne dass ich je die Chance habe zu erfahren geschweige denn nachzuweisen, woher dieses Urteil kommt. Spätestens wenn der Kredit bei der Bank teurer oder verweigert wird, Du keinen Handyvertrag bekommst, keinen Mietwagen nehmen kannst, Dir eine Kreditkarte verweigert wird etc. pp. wirst auch Du merken, dass das Thema nicht ohne ist. Also alles andere als Kraftprotzerei ...

Hier kenne ich mich nicht genug aus, aber ich bezweifle, dass eine binnen wenigen Tagen stornierte FN in irgendwelche Auskunfteien einfließt. Zumindest hast Du ja entsprechende Auskunftsansprüche gegen die Unternehmen.

Nein, zum Affen macht mich der Schaffner, der mein Ticket nicht lesen kann. Aber in diesem Fall warte ich gerne, weil das dann wenigstens aktenkundig ist und sich das Verkehrsunternehmen anschließend warm anziehen kann.

Naja, warm anziehen, warum? Und spätestens wenn wegen einer solchen Diskussion Verspätungen entstehen ist das für alle Beteiligten ärgerlich und auch affig. Ich würde nicht ausschließen, dass ich mich so verhalte, wenn der Mitarbeiter extrem unverschämt war oder ähnliches. Auf der anderen Seite muss man auch die Perspektive sehen. In wie vielen Fällen liegt es nicht am Lesegerät, sondern an den ganz cleveren Schwarzfahrern mit manipulierten Karten. Ich kenne keinen Fallzahlen, aber ich gehe davon aus, dass man als Mitarbeiter da einiges erlebt. Und man sieht eben weder Dir noch mir an, dass man ehrlicher Fahrgast ist.

Lass Dir halt die FN ausstellen, kläre das im Nachhinein und bestehe dann auf ein Gegenkommen aus Kulanz (Gutschein, Freimonat), wenn der Fehler am Ticket nachweislich nicht Dein Fehler war.


Genau das nicht, siehe vorstehend. Und Kulanz kennen viele Verkehrsunternehmen nicht, letztlich machen die einfach so weiter.

ich habe da nicht allzuviele Erfahrungserwerte, aber ich habe einmal eine unberechtigte FN im FV der DB bekommen (Zugbindung wegen Sturm aufgehoben), die war nicht nur binnen Minuten storniert sondern es wurde sich auch extrem kulant dafür entschuldigt. Insofern gibt's zumindest nicht ausschließlich negative Erfahrungen.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum