Fernverkehr 2018: Was wird bleiben? Teil 1 (Allgemeines Forum)

Karolinger, Mittwoch, 02.08.2017, 16:30 (vor 3197 Tagen) @ Karolinger

Die IC-Linie von Hamburg über Köln und Koblenz nach Frankfurt / Stuttgart ist die einzige aus dem klassischen Intercity-Netz, auf der von Hamburg und durch das

Rheintal langfristig nur 200 km/h gefahren wird, auf der aber in der Regel 9-Wagen-Zügen eingesetzt werden. An Wochenenden werden zahlreiche Entlastungszüge gefahren,
vornehmlich im Bundeswehrverkehr. Allein deshalb ist der Erhalt ohne Weiteres vorauszusetzen. Der Einsatz von Halbzügen hätte neben einer gegenüber dem heutigen Zustand flexibleren Steuerung der Kapazität zahlreiche Vorteile:

● Zugteilung in Hamburg nach Rostock und Kiel
● Zugteilung in Münster oder Dortmund zur direkten und kapazitätsgerechten Anbindung sowohl der Ruhr- als auch der Wupper-Route
● Auskoppelung von Tourismus-Zügen nach Konstanz und Innsbruck.
Die jetzt ausgeschriebenen Fahrzeuge werden – anders als die nur 200 km/h schnellen Intercity-Garnituren – ohne Fahrzeitverlust über Neubaustrecken bis Stuttgart und Basel fahren können.

Dieser in erster Linie touristische Verkehr von Westerland / Dagebüll nach Hamburg / Köln ist wegen des nicht elektrifizierten Abschnitts nördlich Itzehoe und der Kurswagenverbindung nach Dagebüll auf Wagenmaterial angewiesen, das mit einer

Neubeschaffung von ICE-Triebzügen nicht mehr zur Verfügung stehen wird – hier wäre
die Vorhaltung eines speziellen Fahrzeugparks und von Diesellokomotiven nicht wirtschaftlich genug.
Noch gibt es FV nach Westerland, dies ist auch In den Zielnetzten von DB Fernverkehr und dem alleinigen DB-Anteilseigener Bund so vorgesehen.

Die Linie von Rostock nach Hamburg hat starke Konkurrenz durch einen hochwertigen parallelen RE. Die heutige Durchbindung nach Hannover ist umlaufbedingt und entspricht nicht der Nachfrage. Einige Züge verkehren bereits jetzt ins Ruhrgebiet.

Daher bekommt diese Linie nur dann ein dauerhaft stabiles Potenzial und eine wirtschaftliche Betriebsführung, wenn sie in Richtung Ruhrgebiet durchgebunden wird. Aufgrund der niedrigeren Nachfrage im Abschnitt östlich von Hamburg ist die Durchbindung wirtschaftlich nur optimal zu gestalten, wenn Halbzüge eingesetzt werden. Unter dieser Voraussetzung könnte auch eine Weiterführung in der Saison bis Binz in Betracht kommen.

Das für die Verbindung Hamburg – Rostock Gesagte gilt auch für die heute nur einmal täglich durch einen ICE bediente Verbindung Rostock – Berlin. Unter der Voraussetzung einer Durchbindung aus einer anderen Linie, die mit Halbzügen fährt, ist die Wiederaufnahme eines vollen Fernverkehrsangebots wahrscheinlich.

DB Fernverkehr setzt stattdessen auf IC2.

Ein Zugpaar nach Norddeich verkehrt am Tagesrand, die anderen beiden dienen in erster Linie dem Touristikverkehr, damit aber jeweils mit ungünstiger Auslastung

außerhalb der Saison. Bereits im laufenden Fahrplan werden zusätzliche Regionalzüge den Takt des Regionalexpress verstärken – mithin übernimmt der „Nahverkehr“ bereits Fernverkehrsaufgaben, die bisher dem IC oblagen. Somit ist die Prognose für den IC negativ.

Ab Oldenburg verkehren die Züge zwar zweistündlich, dies hat aber nur umlauftechnische Gründe. Parallel und in geringem zeitlichen Abstand verkehren RE, die teilweise von Wilhelmshaven direkt fahren. Die Regionalzüge gelten zwar als überlastet, aufgrund des unterschiedlichen Tarifs steigen Pendler aber nicht sehr zahlreich in den IC um. Mit der Einstellung der IC-Linie auch zwischen Oldenburg und Bremen ist daher zu rechnen.
Im Abschnitt Bremen – Hannover könnten die RE, bezogen auf die Netzwirkung, schon mit der gegenwärtigen Fahrzeit von 80 Minuten die Verbindung zwischen dem Nullknoten Bremen und dem Minute-30-Knoten Hannover herstellen und wäre mit einem Flügelzugkonzept als Direktverbindung nach Bremerhaven, Wilhelmshaven und Emden ausbaubar. Zurzeit wird die Trasse durch den IC und ICE blockiert, die

zwar Direktverbindungen nach Süden und Osten, aber keinen Fahrzeitvorteil im Netz bieten. Wie sich ein solcher Interessengegensatz künftig entwickeln wird, ist offen und könnte auch die Einstellung des ICE/IC im Abschnitt Bremen – Hannover zur Folge haben.
Der IC2 hat den Fernverkehr auf dieser Strecke gerettet.

Die heute abwechselnd nach Köln und Oldenburg führende Linie Leipzig - Magdeburg - Hannover hat zahlreiche Zubringerfunktionen in das ICE-Netz, die langfristig erhalten bleiben werden.

Die IC-Linie von Hannover nach Dortmund / Köln verkehrt parallel zum ICE und bedient vier zusätzliche Halte. Ein Erhalt ist daher allenfalls als Ergänzung zu Spitzenzeiten zu erwarten.

Auch hier rettet der IC2 das Angebot.

Die Zugpaare von Magdeburg nach Warnemünde bzw. Cottbus sind die „Retourkutsche“ auf den Interconnex Leipzig – Rostock und das zugehörige umlaufbedingte „Abfallprodukt“. Beide Linien verkehren ohne Renditeerwartung. Mit ihrer Einstellung ist zu rechnen.

Dank IC2 verkehren diese weiterhin.


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