Rechentricks mit der Pünktlichkeit (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 07.05.2012, 15:44 (vor 5082 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hallo Alphorn (CH),

Die Pünktlichkeit sollte meiner Meinung eine Zahl sein, die angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ich als reisender pünktlich ankomme.

Wobei "pünktlich" an sich wieder ein relativer [1] und auch ein subjektiver [2] Begriff ist.

Zu [1]: Bei uns gibt es 3- und 5-Minutenpünktlichkeit. Noch wichtiger ist die Prozentzahl der dargestellten Anschlüsse, ggf. auch mit den Fahrgastzahlen gewichtet. Wenn zwei Züge gleichermaßen verspätet sind, kann die Korrespondenz immer noch dargestellt werden und sogar beide Züge danach ihre Verspätung dichtfahren. Passiert mehrmals täglich in Eindhoven (und erst recht mit der aktuellen Umleitung des ICE International wegen einer Baustelle).

Zu [2]: jeder hat einen "boiling point" und dieser ist auch nicht konstant. Über eine bestimmte Verspätung wird man nervig, fängt man zu nörgeln an. "Nein Schätzchen, mein Zug hat mal wieder 10 Minuten Verspätung also kann ich jetzt 10 Minuten weniger bei Dir sein!"

Dafür haben die SBB das dichtestbefahrene Netz der Welt: Dem :58-Zug ab Zürich folgen fünf weitere jeweils im 2-Minuten-Abstand; wenn er ein Problem hat, sind sofort fünf weitere verspätet.

Aber auch nur wenn all diese Züge vom selben Gleis abfahren.
Mit etwas Reservekapazität kann man die Folgezüge auf ein anderes Gleis abfertigen. Zürich HB steht gut da, jedenfalls besser als Utrecht Centraal. Dokument (PDF, NL) dazu.

Der wichtigere Unterschied liegt meiner Meinung nach anderswo. Die SBB rechnen 8% Fahrzeitreserve ein, die DB wesentlich weniger, ich glaub ich hab schon von 3% auf einigen neuen Strecken gehört.

Mit einer Anhebung von 3% auf 8% würde eine Reise, die normal 1:43 dauert, 1:48 dauern. Das sieht für Strecken wie Utrecht-Sittard oder Amsterdam-Nijmegen noch nicht so dramatisch aus. Im letzten Fall verlängert man die Standzeiten in Utrecht und Arnhem um eine Minute und addiert man eine Minute auf den 3 Streckenabschnitten, fertig.

Es wird schon anders, wenn aus 3:26 3:36 wird, oder es von 5:09 nach 5:24 geht. Wir Möchtegern-Fahrplanschreiber werden das wohl akzeptieren, aber Otto Normalbahnfahrer auch? Die Lokalpolitiker? Die Immobilien-Investoren?


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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