Bus + Zug (Allgemeines Forum)

Alphorn (CH), Sonntag, 06.05.2012, 22:17 (vor 5091 Tagen) @ Twindexx

Eine Verlagerung des Regionalverkehrs auf Busse finde ich gar nicht schlecht.


Ich nicht! Busfahren kann ich auch daheim in St.Gallen, dafür muss nicht extra nach Wassen fahren.

Ich sage ja nicht, dass das am Gotthard schon ideal gelöst ist und die Gotthard-Bergstrecke ist nach Eröffnung des Basistunnels sowieso keine Strecke mehr, wo man Trassen für den Güterverkehr durch Verlagerung auf Bus gewinnen muss. Aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Ein Dorf mit 466 Einwohnern brauch nicht notwendigerweise einen Bahnhof.

Busse [...] können mehr Stationen erschliessen, fahren immer ins Zentrum und sind billig.


Kann schon sein, aber diese Feinerschliessung können sie auch ab der nächsten Bahnstation machen und nicht von irgendweiner anderen Bahnstation sonstwo.

Dagegen sprechen zwei Argumente:

Erstens muss dann an jeder Bahnstation auch ein Zug halten. Das schränkt die Kapazität für Verkehre, welche definitiv aufs Gleis gehören (IC, Güter) ziemlich ein.

Zweitens muss ein Bus auch ausgelastet werden. Bei Bahn-Stundentakt sollte er etwa ein Einzugsgebiet von einer halben Stunde Fahrzeit haben, damit nach Hin- und Rückfahrt genau zum nächsten Zug wieder da ist. Viele kurze Buslinien ab jedem Bahnhof sind für so dünn besiedelte Gebiete unbezahlbar.

Stärken kombinieren ist immer schön [...] So wird eben clever kombiniert, und nicht mit Komplettumstellung auf Bus.

Selbstverständlich sollte man das nicht ohne Not (Trassen, Finanzen) machen. Aber das schöne an der schweizerischen Verkehrspolitik ist doch, dass es eine integrierte ist; dass eben Bahn und Bus gemeinsam betrachtet werden, um die Transportbedürfnisse zu befriedigen. Und manchmal, nicht oft, müssen halt einige Bahnhalte dran glauben. Oft gewinnt man aber dadurch besser gelegene Haltestellen und besseren Takt.

Und was ist dann mit dem Kanton St. Gallen? Zwischen Buchs und Sargans streicht man lieber Halte, anstatt mal das zweite Gleis zu bauen, dass es ohnehin braucht. Das nenne ich nicht Lösung, sondern Problem-Verdrängung.

Klar wäre das Gleis von Vorteil. Aber gehört es zu den dringendsten Projekten der ganzen Schweiz? Das Geld ist knapp, der Wünsche sind viele, da haben die zusammen 6000 Einwohner von Sevelen und Trübbach nicht sehr viel Gewicht.

Zwischen Wil und St. Gallen streicht man auch lieber Halte, um die Fahrzeit zu verkürzen, anstatt die Strecke anständig zu ertüchtigen. Das Resultat: Die S-Bahn wird dann schneller als der IC, tolle Lösung!

Dort kenne ich mich weniger aus, aber es wird wohl am Geld gescheitert sein. Und nochmal: Beispiele wie der Lötschberg kann zeigen, dass durch Bus-Umstellung auf kurzen Strecken die Akzeptanz sogar zunehmen kann.

Das Busangebot kann auch unabhängig vom Zugangebot existieren. Mit dem Auslassen von Halten im Schienenverkehr hat dies nichts zu tun. Warum hält der Zug eigentlich nicht mehr in Blausee-Mitholz?

Sobald man ein Busangebot fährt, wird es schwierig, ein paralleles und noch schlechter ausgelastetes Bahnangebot zu rechtfertigen. Der Grund am Lötschberg war die Güterzugskapazität.

Stellt sich die Frage, warum dann da Schienen und Stationen liegen, wenn keine Züge kommen. Wo Schienen liegen, da soll es auch Schienenverkehr geben, Busfahren kann ich wie schon gesagt auch daheim.

Wenn die Stationen ausserhalb des Dorfkerns liegen und die Einwohner den Bus bevorzugen (oder das Geld für die Bahnlösung nicht haben), warum soll man sie zur Bahn zwingen? Diese Konstellation ist zum Glück nicht häufig in der Schweiz, aber ich finde, es sollte keine Denkverbote geben.


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