NL: über Geschwindigkeit und so. (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 21.01.2021, 09:13 (vor 1967 Tagen) @ amtrak
bearbeitet von Oscar (NL), Donnerstag, 21.01.2021, 09:16

Hallo amtrak,

In NL geht es fast nur um Taktdichte statt Geschwindigkeit. Beispiel Threadöffner Oscar: Lightrail Den Haag-Dordrecht, grössere Taktdichte aber langsamer.

Definiere "Geschwindigkeit".

1. Bezüglich Maximalgeschwindigkeit (was wir ICE-Fans gerne als "Geschwindigkeit" bezeichnen) hat sich in der Tat nicht viel getan. Diese ist immer noch 130-140 km/h auf dem Altnetz und 160 km/h auf der HSL-Zuid (soll 200 km/h werden wenn die Surrogatzüge ausgemustert sind). Limitfaktoren sind:

a. die Zugsicherung. ATB soll ERTMS Level 2 werden. Damals war es nur mit einem Hack namens "code 147" möglich 160 km/h unter ATB zu fahren. Das wurde zwischen Helmond und Horst-Sevenum gemacht. Mit ERTMS Level 2 ist 160 km/h auf Amsterdam-Utrecht, Lelystad-Zwolle, Utrecht-Gouda und Boxtel-Eindhoven vorgesehen.

b. das Stromsystem (1500V=). Umelektrifizierung ist vorgesehen, zu 3000V= wie in Belgien (25kV~ zu teuer). Dann wird's etwas schneller, aber nicht viel. Ja, Anfang 1980er wurde in Italien 250 km/h gefahren bei 3000V= aber Anfang 1980er wurde Florenz-Rom noch nicht in 10-Minutentakt befahren... ;)

c. der Gleisabstand. Für 200 km/h müssten die Gleise etwa 20-30 cm weiter auseinander, damit Druckwellen von einander treffenden Zügen nicht zu Entgleisungen führen.

d. Für >160 km/h müssen alle niveaugleiche Bahnübergänge weg.

e. die kurzen IC-Entfernungen. 200 km/h lohnen sich erst wenn man die langer Zeit ausfahren kann und wenn viel Verkehr da ist.
Utrecht-Gouda (43 km), Utrecht-Arnhem (58 km) und Utrecht-Den Bosch (48 km) gebe ich noch einigermassen Chancen.
Aber auf Leiden-Schiphol-Amsterdam Zuid-Almere-Lelystad und Amsterdam-Haarlem-Leiden-Den Haag-Rotterdam-Dordrecht liegen die Städte zu dicht aufeinander.

2. Bezüglich Reisegeschwindigkeit hat sich schon einiges mehr getan.

a. Langsamfahrweichen wurden durch schnellere ersetzt (40 km/h -> 80 km/h).
b. es kam spurtstärkeres Fahrzeugmaterial der Gattung "Sprinter" (SLT, FLIRT3, SNG).
c. Haltezeiten der Sprinter wurden verkürzt.
d. Langsamfahrstellen wurden beseitigt.

Tief im Archiv versteckt findest Du hier einen Beitrag von mir bzgl. der japanische Hankyu Express, der im Vergleich zu unswerem "IC" trotz niedrigerer vmax eine höhere vdurch hat.

Mein früherer Wohnort Süd-Limburg: in 50 Jahren Heerlen/Maastricht-Amsterdam nur um einige Minuten schneller geworden, der Takt ist aber stark erhöht.

3. Dann gibt es noch sowas wie Netzgeschwindigkeit. Sozusagen vdurch/vmax.

a. Dadurch, dass man den Takt verdichtet, wird die durchschnittliche Wartezeit kürzer. Vor genau 50 Jahren war Eindhoven-Amsterdam noch Halbstundentakt (Zug kam stündlich aus Maastricht und 30 Minuten versetzt aus Heerlen). Jetzt gibt es 10-Minutentakt, wobei der Zug halbstündlich aus Maastricht, Heerlen oder Venlo kommt.

b. Anschlüsse wurden verbessert. Man gewann die Minuten dort, wo sie am meisten kritisch waren. Anschlüsse, die man zuvor verpasste, wurden jetzt erreicht.
Gut, so optimal wie in der Schweiz ist es immer noch nicht; vor allem im Regionalbusverkehr und im Wechsel Bus vs. Bahn ist noch viel zu holen.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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