Why not? (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 07.04.2019, 03:48 (vor 2557 Tagen) @ ThomasK
bearbeitet von J-C, Sonntag, 07.04.2019, 03:50

Dann wollen wir doch hoffen, dass dein Urteil nicht vorschnell war. Inzwischen, d.h. seit dem 18.3., liegt nämlich eine Replik von Vieregg-Rössler vor - falls du dich auch damit auseinandersetzen magst. Viel Vergnügen bei der Lektüre :)

Vorab: Ich habe mit dem Dissens zwischen der DB und VR bezüglich der NBS Grafing - Kiefersfelden nichts zu tun und habe die Papiere auch gar nicht gelesen.

Unabhängig davon, was die beiden Kontrahenten in ihren Papieren ausführen, bin ich der Meinung, dass eine NBS Grafing - Kiefersfelden gar nicht notwendig ist, da sie das falsche Projekt ist.

Momentan fahren zwischen Rosenheim und Kufstein täglich etwa 190 Züge, sodass die Strecke noch etwa 110 Züge verkraften kann. Hinzu kommt, dass auch für den EC-Verkehr Vmax = 140 km/h gilt.

In Österreich wäre die Steecke dann aber als überlastet erklärt worden und das aus gutem Grund. Bei so einer dichten Belegung wäre der Fahrplan jochgradig instabil. Kleinste Probleme haben da eine große Wirkung. Und wir sind in Deutschland, selbst bei perfekter Infrastruktur wird ein Problem auftauchen. Zumal die 190 Züge nicht mal so gleichmäßig auf 24 Stunden verteilt sind, das wird dann umso kritischer.

Und wir haben 3 verschiedene Arten an Zügen, Regionalzüge, die überall halten, Fernzüge, die non-stop fahren, Güterzüge, die man irgendwie dazwischen tun muss... man vergesse nicht, dass 2 Fernverkehrslinien die Strecke befahren - das sorgt alleine schon für Einschränkungen.

Wesentlich wichtiger ist der zweigleisige Ausbau der Mangfalltalbahn sowie der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung Rosenheim - Mühldorf - Landshut.

Was spricht dagegen, alles gleichzeitig durchzuführen? Deutschland konnte sich BER und Stuttgart 21 leisten.

Deutschland gönnte sich Bankenrettungen. Solche Ausbauten sind da in der Portokasse. Sofern sie Sinn ergeben (und der Nordzulauf ergibt definitiv Sinn.)

Darüber hinaus ist es langfristig wesentlich wichtiger einen 22 km langen Tunnel zwischen Garmisch-Partenkirchen und Telfs zu errichten, nebst einem zweigeisigen Ausbau der Werdenfelsbahn und der Ammerseebahn um einen neuen Westkorridor Telfs - Garmisch-Partenkirchen - Weilheim - Geltendorf - Mering - Augsburg zu schaffen.

Ok. Du willst also - und du sagst nichtmal warum es so viel wichtiger wäre - statt eines Ausbaus der Schienenwege durch's wesentlich leichter trassierbare Inntal (Mit den Anrainern kann man sich auch arrangieren, das funktioniert in anderen Ländern, die ein demokratisches Fundament haben, ja auch) einen sündhaft teuren Basistunnel mitten im Nirgendwo? Wer soll das zahlen? Und wer sagt dir, dass da nicht noch viel größere Probleme daherkommen?

Und wie geht das mit deren Zulaufstrecken? Da sieht es zwischen München und Rosenheim doch viel besser aus.

Zwar nicht in den nächsten 10 Jahren und auch nicht in den nächsten 20 Jahren, aber irgendwann um ca. 2050 herum wird die neue Alpenachse Milano - Lecco - St. Moritz - Landeck stehen und mit der neuen Eisenbahn Mals - Reschenpass - Landeck verknüpft werden und genau dafür brauchen wir den Tunnel Telfs - Garmisch-Partenkirchen, der für die Brennerachse, die Reschenachse UND die Achse nach St. Moritz ideal nutzbar ist, wohingegen die Inntalstrecke viel zu weit östlich liegt. Und für die Tauernachse über Bad Gastein wird auf deutscher Seite eben die Strecke Freilassing - Mühldorf - Landshut ausgebaut. Im Wesentlichen bringt die Inntalstrecke Rosenheim - Kufstein nur etwas für die Brennerachse.

Wo steht dran, dass diese ganzen Achsen auch nur einigermaßen sicher kommen werden? Ich sehe Absichtserklärungen für Teilstrecken, aber für das was du nennst, sehe ich keinerlei Belege. Es ist eher unwahrscheinlich, dass wir mit solchen Bahnachsen mitten durch die Alpen rechnen können. Erst einmal wird man Teilstücke wenn überhaupt nur soweit ausbauen, dass der Regionalverkehr Platzvhat (die nötigen Tunnels kosten nun einmal) und zweitens würden solche Achsen ein Vielfaches von dem kosten, was der Brenner-Basistunnel erbringt. Und da frage ich ernsthaft, wozu? Der Brenner-Basistunnel wird eine sehr hohe Kapazität erbringen, Zusammen mit der Achse über die Schweiz hat man eine leistungsfähige Verbindung zwischen Nord und Süd, sofern einstweilen die Zuläufe fertiggestellt sind. Wozu noch irgendwelche Fantasieachsen mit noch mejr Basistunneln? Wir müssen die Alpen nicht noch weiter in einen Schweizer Käse verwandeln als wie wir es ihnehin schon taten und tun.

Und selbst wenn, einen Grund, deine Trasse durchzusetzen, sehe ich weiterhin nicht.

Das Milliardenprojekt der neuen Inntalbahn, von der sowieso mehr als 30 km im Tunnel verlaufen würden, kann man sich in der Tat sparen und sollte den Fokus auf andere Eisenbahnprojekte richten.

Von 30km Tunneln war nirgends die Rede. Und wieso sparen? Wenn wir nach deiner Logik kommen wir nirgends an, denn etwas wichtigeres finden wir am Ende immer. Diese Entweder-Oder-Mentalität widert mich auch prinzipiell sowas von an...


Nebenbei bemerkt: Österreich überlegt zudem, zusätzlich eine Eisenbahn über den Fernpass zu bauen. Dies bestätigt genau das, was ich schon gesagt habe. In den Fokus kommen die Achsen über Garmisch und ggf. auch Innsbruck - Fernpass - Reutte - Pfronten - Kempten - Memmingen - Ulm.

Ja, es gibt eine Machbarkeitsstudie. Was aber rauskommt, ist ungewiss. Ich halte es für eine Utopie und auch wenn man schon vieles baute, ich gehe davon aus, dass es so wie angedacht nicht geschehen wird. Wäre cool - als Zusatzmaßnahme - aber sonst sehe ich keinen Zweck.

Das ändert aber nichts daran, dass die Inntalachse zu weit östlich liegt und die Tauernachse über Salzburg an Deutschland angebunden ist und nicht über Zell am See, Kitzbühel, Wörgl.

Für den Güterverkehr ist das wurscht und im Personenverkehr macht's auch nicht wirklich einen großen Unterschied. Also wo ist das Problem?

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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