Die Sorgfalt der Meinungsmache (Allgemeines Forum)

L.Willms, Mittwoch, 06.05.2015, 21:37 (vor 3988 Tagen) @ sfn17

Seit der Wulff-Affäre, der Maidan-Berichtserstattung etc. sollte langsam klar sein, dass auch die Presse es mitunter erheblich an journalistischer Sorgfalt fehlen lässt.

Das ist so nicht richtig.

Der Springer-Verlag hat sehr sorgfältig und nach Ansage seine Kampagne gegen Wulff betrieben. Man kann das in Wulffs Autobiografie nachlesen. Wulff hatte dem Springer-Verlagsleiter oder BILD-Chefredakteur (welcher weiß ich nicht mehr) in einem persönlichen Gespräch am Abend vor seiner Rede mit dem berühmten Satz "der Islam gehört jetzt auch zu Deutschland" diesen Inhalt seiner Rede mitgeteilt, und bekam als Antwort, daß man dann gegen ihn vorgehen würde (ich gebe das wieder nach dem, was ich in einer Fernsehsendung mit Antje Vollmer und ich weiß nicht wem noch, vielleicht auch Wulff selbst, mitgekommen hatte, zu der ich mich leider zu spät eingeschaltet hatte). Wulff war leider zu feige, das öffentlich zu machen und den Springer-Verlag so zu demontieren.

Auch die Meinungsmache zur Ukraine wird sehr sorgfältig durchgeführt. Alle bürgerlichen Medien bestehen auf der hochheiligen Wichtigkeit der nationalen Einheit und Souveränität, welche sie bei Gelegenheit der gewaltsamen Zerschlagung Jugoslaviens als etwas völlig unwichtiges, ja sogar negatives Element der modernen Staatengeschichte abwerteten. Man erinnert sich an den blutigen Bombenkrieg gegen Serbien zur gewaltsamen Lostrennung des Kosovo von Serbien. "Aber was kümmert mich mein Geschwätz von gestern." Es wird immer je nach politischem Zweck manipuliert. Auch bei den Kriegen gegen die früheren Kolonien wird die nationale Souveränität als ein Unsinn aus dem 19. Jahrhundert abgetan.

Genauso sorgfältig wird gegen die Gewerkschaften gehetzt. "Ganz Deutschland haßt Herrn Weselsky" ist eine Aussage, mit der so manche "Nachrichten"-Sendung oder -Zeitung aufgemacht wird. Dabei gibt es keine Tatsachen, die sowas belegen, sondern es ist das Ziel der Lügenpresse, die Gewerkschaften zu zerschlagen.

Ein kluger US-Amerikaner stellte mal fest, die Freiheit der Presse ist die Freiheit derjenigen, die eine besitzen.

Und wenn jemand bis zur Rente seinen Lebensunterhalt als Journalist verdienen will, dann muß der eben spuren, sonst wird er geschaßt oder ins Archiv abgeschoben. Oder darf Sondersendungen machen, die nur zu nachtschlafenden Zeiten gesendet werden. Oder wenn in einem anderen Kanal gerade ein millionenschweres Fußballbusiness abgezogen wird.


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