Dieser Streik ist Zerstörung pur (Allgemeines Forum)

GUM, Montag, 04.05.2015, 11:30 (vor 3990 Tagen) @ 218 466-1
bearbeitet von GUM, Montag, 04.05.2015, 11:33

Soso, unter "richtig lange" versteht die GdL gerade mal 127 Stunden im Personenverkehr.
Warum gibt es immernoch keine unbefristeten Streiks?
Mit solchen kurzen Streiks, die zudem wieder sehr Umlaufplanfreundlich (Beginn 2:00 Uhr) ausgelegt sind, hat man bisher nichts erreicht und wird wieder nichts erreichen.

Ich weiß, dass ich jetzt gleich wieder die Vorwürfe bekomme, zu arbeitgeberfreundlich zu schreiben.

Allerdings möchte ich Teile der Streiktaktik beleuchten, die wohl eher an Erpressung, denn Verhandlung heranreichen - und Unbeteiligten Schaden zufügen:

1.) Güterverkehrsstreik zerstört Logistikketten

Die Streikankündigung erfolgte ja kunden- und arbeitgeberfeindlich am Wochenende. Damit können alle produzierenden Betriebe keine Lager an Vorprodukten oder Hilfsstoffen anlegen.

Selbst wer alle seine Fachkräfte am Sonntag anruft und zu einer sonntäglichen Nachtschicht zusammenruft und 100 % Mehrentgelt bezahlt, der bekommt seine Waren am Montag nicht mehr weg. Denn schon um 15 Uhr stellt die Güterverkehrs-Bahn die Fahrtätigkeit ein.

Damit stehen bei vielen Unternehmen schon am Donnerstag/Freitag die Bänder still. Verlust: 2 Produktionstage.

2.) Forderungskonvolut statt Einzelverhandlungen

Wenn ich als Außenstehender die Presseberichte lese, dann geht es um ein enorm vielfältiges Bündel an Forderungen. Da der GDL-Chef auch solche eingepackt hat, bei denen es nur ein "Ja" oder "Nein" und kein "XY %-Kompromiss" gibt, ist dies eher rechtswidrige Erpressung, denn Tarifverhandlung.

Im Endeffekt verlieren alle: Die Demokratie, die Bahn (weil Logistikketten neu geknüpft werden) und letztendlich die >250.000 Mitarbeiter der Bahn.

Diesen wird leider der Zorn der Kunden entgegenschlagen.

Im Endeffekt startet GDL-Weselsky die Selbstzerstörung des Vertrauens in die Bahn und die Gewerkschaften

In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bzw. dem Verkehrssektor wird es nach der Lubitz-Delle Ende März zu einer weiteren Wachstums-Delle, der Weselsky-Delle, kommen.

3.) Schäden im Einzelhandel und weiteren Branchen

Auch die Händler in einer der schönsten Fußgängerzonen der Welt werden zu leiden haben. Viele Lebensmittel-Dispositionen sind getroffen, die meisten Kunden werden aber von "Freizeitfahrten" in die Oberzentren Abstand nehmen.


Offen & überspitzt gesprochen:
Das Handeln von GDL Weselsky halte ich für Selbstzerstörung und wirtschaftliche Verbrechen an vielen Zukunftschancen. Die entstehenden Verluste werden manchem Mittelständler mit einer Umsatzrendite im einstelligen Bereich das gesamte Jahresergebnis kosten.

Es ist also volkswirtschaftliche Selbstzerstörung. Im schlechtesten Falle beeinflusst es sogar die Berufswahl junger Menschen negativ weg von der Eisenbahn und verändert damit Timelines/Lebenslinien.

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