Der Beamtenbund ist wohl ziemlich gespalten (Allgemeines Forum)

Frankfurt (Main) Süd, Donnerstag, 19.02.2015, 10:12 (vor 4067 Tagen) @ Sascha

Da gibt es einerseits die klassischen Beamten (Finanzbeamte, Kommunalbeamte, Ministerialräte, Professoren, Studienräte etc.), bei denen ein konservatives Standesethos noch sehr verbreitet ist, die den Beamtenbund gerne weiterhin als das hätten, was er mal war: eine Standesvertretung, denen sich schon beim Wort "Streik" die Fußnägel rollen und die erst recht mit der, nun, sagen wir: offensiven Art, mit der die GDL aktuell von diesem Instrument Gebrauch macht, ziemlich wenig anfangen können. Diese Leute wurmt es gewaltig, dass sie die GDL-Streiks mit ihren Beiträgen mitfinanzieren.

Und dann gibt es die in den letzten 20 Jahren (nicht zuletzt durch die Umwandlung ehemals staatlicher Einrichtungen wie Bahn und Post in Privatunternehmen) sehr viel stärker gewordene Gruppe der Tarifbeschäftigten. Die wollen den Beamtenbund und seine Mitgliedsorganisationen als schlagkräftige Fachgewerkschaften haben, die Verdi, EVG und Co. mal zeigen, wo der Tarifhammer hängt.

Aus Sicht konservativer Beamtenvertreter sind auf Arbeitskampf gepolte Gewerkschafter natürlich igittigitt. Und aus Sicht letzterer sind erstere wohl eher ein Klotz am Bein, aber sie tragen wesentlich zum Beitragsaufkommen (und damit zur Streikkasse) bei und sind selbst kaum ein Kostenfaktor, da sie ja niemals streiken werden, also wäre es sehr unklug, auf sie zu verzichten.

Der aktuelle Vorsitzende Dauderstädt (seit 2012) ist AFAIK der erste in diesem Amt, der selbst nicht Beamter ist, sondern aus der Gruppe der Tarifbeschäftigten kommt. Da er aber natürlich auch auf die Beamten Rücksicht nehmen muss, fährt er in Sachen GDL-Streik diesen Schlingerkurs: heute so, morgen so.

Würde mich nicht wundern, wenn dieser Verband demnächst entzwei bricht.


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