Yes! (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Sonntag, 15.03.2026, 19:46 (vor 1 Tag, 8 Stunden, 34 Min.) @ gnampf

Hoi,

Und wenn zwei Anbieter ein Angebot einreichen, dann gewinnt das qualitativ bessere und nicht das, wo der Anbieter am meisten Gewinn macht.

Ja, klar, logisch. In der Realität gewinnt der günstigste,

Nein, es gewinnt nicht der günstigste. Das ist keine Ausschreibung um eine Leistung, wo staatliche Mittel eingesetzt werden. Weil es gar nicht um einen Angebotspreis geht. Das Angebot ist in jedem Fall eigenwirtschaftlich zu erbringen. Es geht wirklich nur darum, wer die höhere Qualität anbietet. Das BAV, welches die Konzession vergibt, erhält weder Geld vom Betreiber, noch bekommt der Betreiber irgendeinen Rappen dafür. Es geht nur darum, welches Angebot für die Fahrgäste den grössten Wert hat. Auch um Billettpreise geht es nicht, da diese einheitlich vorgegeben sind und nicht je nach Betreiber variieren können.

denn der feuchte Traum das sich der öffentliche Verkehr selbst finanziert ist halt nur das: ein Traum.

Es geht hier um Fernverkehr und da ist es das nicht. Der Fernverkehr schreibt in der Schweiz recht annehmbare Gewinne. Dies allein durch Billetteinnahmen, Gelder von Kantonen und Bund gibts keines. Die Hälfte des Fernverkehrsnetzes ist in den roten Zahlen, diese Züge sind aber verpflichtend zu führen, ohne Abstriche bei Angebot und Komfort. Finanziert werden diese von den profitablen Verbindungen. Insgesamt über alle Linien und über das ganze Jahr hinweg resultiert ein Gewinn deutlich im dreistelligen Millionenbereich für das Gesamtfernverkehrsangebot.

Das BAV akzeptiert keine Angebote, wo ein Betreiber nur die profitablen Rosinen möchte und keine unprofitablen Linien auf eigene Rechnung betreiben möchte. Die SBB wollten die Gotthardbergstrecke nur noch im Regionalverkehr bedienen. Die Südostbahn kam und hat ein Angebot eingereicht, wo das dennoch ging. Der unrentable Fernverkehr auf der Gotthardbergstrecke wird von einer anderen Linie querfinanziert. Die SBB hätten zwar mit ihrem Konzept mehr Gewinn geschrieben, aber das qualitativ bessere Angebot der SOB gab halt den Ausschlag. Genau so funktioniert hier der Wettbewerb. Im Rahmen der möglichen Billetteinnahmen geht es darum, damit die grösstmögliche Qualität hinzubekommen, die mit den Einnahmen finanzierbar ist. Schlussendlich haben die SBB mit der SOB eine Kooperation vereinbart, die SOB fährt heute vier Linien im Fernverkehr. Auch die bls hat von den SBB mit mehr Service vier Fernverkehrslinien übernommen.

Das BAV will, dass die Mindestvorgaben eingehalten werden und dass trotzdem keine roten Zahlen geschrieben werden (das ist mit Dumpingangebot gemeint, also dass man extra viel Geld in Service und Komfort steckt, wo nie mit den Billetteinnahmen finanziert werden kann, nur damit man die Konzession erhält; man will ja langfristig stabile Angebote und nicht, dass der Betreiber nach drei Jahren Pleite ist oder den Angebotsstandard reduzieren müsste; in der Schweiz angestelltes Personal zu Schweizer Löhnen müssten eh alle Betreiber zu 100% einsetzen, auch Unternehmen aus dem Ausland können somit hier kein Dumping betreiben). Die Billettpreise werden sowieso von der Alliance Swisspass für alle Betreiber einheitlich festgelegt. Gesetzlich ist jeder Betreiber verpflichtet, dieses Billettsortiment zu diesen Bedingungen zu akzeptieren, da gibts auch keinen Verhandlungsspielraum. Da kommt die gesetzliche Pflicht zum tragen, dass jedes Billett in jedem Zug auf der Strecke gültig sein muss und dieser Tarif ist betreiberunabhängig, zuggebunde Sparangebote sind aber möglich.

Die Schweizer stecken je Kopf ja noch deutlich mehr Kohle da rein als die Deutschen. Was wenigstens mal ein Vorteil des Schweizer Bahnsystems ist.

Ja, in die Infrastruktur. Unterhalt und Ausbau werden komplett vom Staat finanziert. Weil das bei der Strasse übrigens auch so ist. So ist das fair zwischen den Verkehrsträgern. Es kann nicht sein, dass die Bahn ihre Unterhaltskosten selbst verdienen muss, die Strasse aber nicht. Entweder es gibt auch auf der Strasse ein kilometerabhängiges Road Pricing für jedes Fahrzeug mit elektronischer Wegstreckenerfassung oder die Schiene wird ebenfalls zu 100% vom Staat finanziert. Ausserdem wird beim Ausbau deutlich mehr Geld in die Schiene gesteckt als wie in die Strasse.

Und bei der Bestellung von Regionalverkehr. Es wird mehr Regionalverkehr bestellt.

Na, was denn, habens die Geschäfte deutlich gespürt, oder waren da doch so viele mit Kleineinkäufen die täglich mit den Öffis ankamen? Da musst du dich schon entscheiden.

Nein, muss ich nicht. Denn die Welt besteht anders als du offenbar meinst nicht nur aus schwarz und weiss. Es gab beides, übrig blieb nur das eine. Das andere spürten die Märkte. Übrigens schafft man es auch, die 150.- CHF voll zu bekommen ohne dass man schwer schleppen muss. Kommt darauf an, was man kauft.


Grüsse aus der Ostschweiz.


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