verpasster Anschluss = zu erwartende Verspätung über 60 min? (Fahrkarten und Angebote)

musicus, Mittwoch, 25.08.2021, 17:36 (vor 59 Tagen) @ mmandl

- Entstehungsgeschichte: Art.16 des KomV sah vor, dass der Fahrgast bei einem Ausfall oder einem verpassten Anschluss stets die dortigen Rechte hat. Im Gesetzgebungsverfahren wurde das dahingehend ergänzt, dass auch einfache Verspätungen zu den genannten Rechten führen, wenn die Verspätung erheblich ist. Aus Vereinfachungsgründen hat man alle drei Situationen unter den Begriff "Verspätung > 60 Minuten" zusammengefasst. Das man bei Zugausfällen und verpassten Anschlüssen hinter den KomV zurückbleiben wollte, ergibt sich nirgends aus den Materialien

Art. 16 stellt aber sehr offensichtlich auf die tatsächliche Praxissituation ab und eben nicht auf die Verordnungsgenese.

- Gleichbehandlung offene und zuggebundene Fahrkarten
- andernfalls unklar, welche Fahrtalternativen der Fahrgast bei einer zuggebundenen Fahrkarte nutzen muss/darf

Da unterscheidet die Verordnung nicht, sondern der Beförderer.

- bei einer einfachen Verspätung > 60 Minuten darf der Fahrgast auch sofort jede beliebige Verbindung wählen bzw. nach Art. 16 vorgehen und nicht erst, wenn es keine Verbindungen gibt, die eine Ankunft mit Verspätung < 60 Minuten erwarten lassen.

Der Satz ist widersprüchlich.

Ich stelle einfach auf die vereinbarte Ankunftszeit ab und diese wird entweder durch die Fahrzeiten des bestimmten vereinbarten Zugs bestimmt oder infolge der Ausübung des Wahlrechts. Diese ist dann die allein geschuldete Verbindung (§ 263 II BGB).

Prozessier's doch mal aus ;)

Zu einem Erstattungsanspruch kommst du aber nur, wenn du das Recht anerkennst, den zu erstattenden Zug zu nutzen. Wenn der Fahrgast auf die tariflich vorgesehenen Züge beschränkt ist, sehe ich nicht, woraus sich der Erstattungsanspruch ergeben soll.

Auch das ist ein rein tarifliches Problem. Siehe BB DB 9.1.2

Ich verstehe, dass es Lücken, Unklarheiten und Widersprüche bei der Anwendung der Verordnung gibt, sähe deren Ursache aber weniger in der Verordnung als im Umstand, dass sich die Beförderer auch die Fahrgastreche bezahlen lassen.


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