Urlaubsreisende ohne Zugerfahrung (Allgemeines Forum)

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Dienstag, 06.04.2021, 15:26 (vor 7 Tagen) @ amtrak

Selbstverständlich habe ich sie anfänglich geraten Zug zu fahren: im Gegensatz zum Auto (und insbesondere) das Flugzeug: 1. Man sieht mehr von der Landschaft aus dem Zugfenster 2.Man reist entspannt. Urlaub, sobald man im Zug sitzt. 3. Man kann während der Fahrt im Speisewagen essen. 4. Die Fahrpreise sind klar und übersichtlich.

5. Besser erreichbar als Flugzeug, keine Parkplatzsorgen im Vergleich zum Auto.

Die letzte Jahrzehnte hat sich aber vieles geändert. Was 1. betrifft, so landet man bei einer nicht zu unterschätzen Wahrscheinlichkeit auf ein Wandfensterplatz oder schaut nicht selten auf Schallschutzwände.

Gibt genug Strecken ohne Schallschutzwände.

2. Direkte Züge von die Niederlande nach Österreich, in die Schweiz, nach Italien und zu attraktiven Urlaubszielen in Deutschland gibt es nicht mehr.

Einspruch: Der Nightjet Wien/Innsbruck - Amsterdam ist gerade im Kommen. Es gibt den ICE International von Amsterdam nach Basel, wenn es mich nicht täuscht.

Man muss also umsteigen (oft mehrmals). Unerfahrene Zugreisende hassen dies, was insbesondere aufgrund häufiger Verspätungen kein entspanntes Urlaubsgefühl mehr vermittelt.

Mehr als 2 oder 3 Mal umsteigen ist aber selten notwendig. Im besten Fall wird ein bahnsteiggleicher Umstieg angeboten.

3. Es gibt Restaurants in immer weniger Zügen.

Die Frage ist, wo es einen Fernzug ohne Bordrestaurant gibt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen betrifft das vor allem die Fernzüge der unteren Klasse zur Feinerschließung.

4. Es wird immer schwerer die Fahrpreise von den Niederlanden zu Urlaubszielen in Österreich, Italien oder der Schweiz zu finden. “Stückeln” kann man solche Reisende nicht zutrauen.

Ich rate dringend dazu, international-bahn.de zu nutzen. Tatsächlich konnte ich über das Portal eine ÖBB-Sparschiene erwerben, als die ÖBB der Meinung waren, mitten am Tage an ihrem Online-Vertriebssystem doktern zu müssen.

Einige Beispiele: (erst ein positives) Vor anderthalb Jahr wollten einige meiner Bekannten von NL nach Basel fliegen. Mit fliegen sind sie wie eine immer grössere anzahl Menschen mehr vertraut als mit zugfahren. Ich überredete sie schließlich mit Eurocity (Schweizer Wagen) direkt von Duisburg nach Basel zu fahren.

Warum nicht mit dem ICE International von Amsterdam nach Basel?

Ich brachte sie mit dem Auto aus der Gegend von Eindhoven nach Duisburg. Infolgedessen hatten sie keine Sorgen über zweimalig umsteigen (Venlo und Düsseldorf) oder Verzögerungen.

Sie hätte auch um 8:06 den IC nach S Hertogenbosch nehmen können und von dort im ICE direkt nach Basel. Reisezeit: 6:41h

Sie genossen die Reise durch das Mittelrheintal (zwei Fensterplätze vis-a-vis Rheinseitig). Ihr Kommentar: “Viel schöner und weniger Stress als fliegen!”.

Sie hätte mal am Semmering vorbeischauen sollen. Das raubt einen so ziemlich jedes Mal den Atem.

Dagegen: Zwei weitere Ehepaare reisten in Südtirol bzw. Bologna. Leider musste ich ihnen in beiden Fällen wegen verspäteter Züge und des Verlustes von Sitzplatzreservierungen wegen verpasste Anschlüsse telefonisch beim umsteigen helfen. Sie sagten: “Zugfahren ist zu viel Stress!” Tariflich war Interrail der einzige Weg, um aus den Niederlanden überhaupt ein Fahrpreis zu finden. Aufgrund all dieser Umstände ist es schade, dass ich Bekannten, die mich um Rat fragen, sagen muss: „Reise bitte mit Flugzeug oder Auto, mit dem Zug zu fahren ist viel zu kompliziert geworden, zu viel umsteigen, zu viel Unsicherheit, (dabei immer engere Bestuhlung, immer weniger Aussicht), Ticketpreise schwer zu finden und daher zu teuer.

Ich habe auf international-bahn.de im Juni diese Verbindung gefunden:
9:10 IC143 Amsterdam - Hannover 13:18
13:41 ICE 1589 Hannover - Würzburg 16:32
17:04 ICE 721 Würzburg - München 19:16
20:10 nightjet 295 München - Bologna Centrale 5:20

Preis: 69,80€.

Wegen Corona sind die Verbindungen über Österreich nach Italien derzeit nicht Verfügbar, abseits dessen ist das eben durchaus möglich, wenn auch mit entsprechend vielen Umstiegen.

(Tariflich habe Ich oft den Eindruck, dass nationale Grenzen bei Eisenbahnen mehr Hindernisse sind als je zuvor). Ich denke das geschäftliche Teil der Reisende nach covid19 kleiner sein wird (home-office usw.) und das von mir angesprochene Teil Freizeitreisende verhältnismässig grösser wird. Was denkst du Oscar, wie denkt man hier im Forum: Kann die Bahn diese Gruppe Freizeitreisende für immer fast nicht mehr bedienen oder gibt es noch ein Zukunft mit sog. “TEE-pläne” (lange durchgebunden Zugfahrten ohne umsteigen)?
N.B. Entschuldige bitte meine Sprachfehler!

Es gibt bei internationalen Reisen eben die technischen Hürden, die zwar durch Mehrsystemzüge weitgehend überwunden werden können, aber eben teils auch die Operabilität begrenzen. Züge sind nicht überall zugelassen, haben nicht alle möglichen Strom- und Zugsicherungssysteme. Früher war die Technologie noch nicht so weit ausgefeilt, da gab es nicht die verschiedensten elektronischen Systeme, wegen derer man eher in Konflikt gerät. Deswegen können die älteren Wagen der DB, ÖBB etc. noch immer sehr weit in Europa eingesetzt werden, weil sie eben die RIC-Zulassung noch haben.

Aber neuere Wagen mit ausgefeilter Elektronik ist eben eine andere Geschichte. Ich glaube aber, dass das Thema noch angegangen werden kann. Allerdings war de TEE noch ein Zug aus einer Zeit, wo es generell weesentlich weniger Verkehr gab, das Fernverkehrsnetz war international betrachtet noch lange nicht so durchtaktet wie heutzutage. Heutzutage können schnell mal Konflikte entstehen, will man entsprechend lange Züge führen. Beispiel gefällig? Der IC118/119 Innsbruck - Lindau - Stuttgart - Dortmund liegt fahrplanmäßig so ungelegen, dass er im Stundentakt zwischen Innsbruck und Feldkirch eine Abweichung von 30 Minuten in seiner Taktlage bringt. Eben weil das eine längere durchgebundene Verbindung ist, die nicht überall optimal auf die Taktlagen passt.

Und dann ist es auch so, das Reiseverhalten hat sich geändert. Aber nicht nur wegen der Geschäftsreisenden. Es sind eben nicht die langen Strecken, die am meisten nachgefragt sind. Da wird man solche Dinge am ehesten durch Durchbindungen verschiedener Takte lösen, das sieht man ja auch bei den ICEs aus Wien nach Hamburg und Berlin.

Es gibt Länder, da hat man weniger fahrplanmäßige Zwänge, weniger Verkehr, da sieht man eben durchaus die langen durchgebundenen Verbindungen. Zum Beispiel von Wien nach Bukarest.

Und so richtig lang werden die Zugläufe dann eben in Russland, oder in den USA. Ersteres bietet Direktverbindungen von Moskau nach Peking und Pjöngjang. Dürfte klar sein, wieso das dort leichter geht als in Mitteleuropa.

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Stay healthy!
[image] (Quelle: Česke Drahy)


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