NBS Nürnberg -- Altenberg/Tharandt: Warum vorzugswürdig? (Allgemeines Forum)

bigbug21, Montag, 18.02.2019, 11:11 (vor 2649 Tagen) @ ThomasK

Hallo Thomas,

mich beschäftigt die Variantenabwägung der VDE 8 schon eine Weile. Nach Durchsicht der Antragsunterlagen zum Planfeststellungsverfahren und einer Vielzahl von Literatur habe ich, ehrlich gesagt, immer noch nicht so recht verstanden, warum beispielsweise Varianten über Hof so viel besser als die letztlich realisierte Linienführung sein sollen.

Ich habe damals kurz nach der Wende bei der Bundesbahndirektion Nürnberg ein paar Vorüberlegungspläne einsehen dürfen. Das war zu einem Zeitpunkt, als noch keine Festlegung auf die NBS Ebensfeld - Erfurt erfolgt war und die Eisenbahnprofis noch ohne politische Gängelung planen durften. Mit diesen Plänen wollte man offenbar ins Raumordnungsverfahren gehen.

Es gibt einige Berichte über die Frühphase der Planung und Überlegungen. So entwickelte das Institut für Bahnbau der TU Dresden im Auftrag des Freistaats Sachsen ab 1990 Varianten der Linienführung (siehe Hintergrund der VDE 8 auf Wikipedia, 3. und 4. Absatz im Abschnitt). Neubauvarianten über Hof wurden demnach aufgrund erheblicher natürlicher Barrieren verworfen. Wohl gemerkt in einer Untersuchung von Fachleuten der TU Dresden im Auftrag des Freistaats Sachsen.

Blickt man auf die OpenRailwayMap (am besten rechts oben Hintergrund aus- und Schummerung einschalten) scheint das auch plausibel: Während in der realisierten Variante der VDE 8 im Wesentlichen der Thüringer Wald zu durchqueren ist, wäre eine Neubaustrecke zwischen Nürnberg und Altenburg offenbar zum größten Teile eine Ansammlung von Brücken und Tunnel geworden. Das zeigt doch auch schon ein Vergleich des Bestandsnetzes, das wesentlich "kurviger" und langsamer befahrbar ist.

Von daher deckt sich doch deine Schilderung grundsätzlich auch mit der Darlegung im späteren Erläuterungsbericht, wonach Neubaustrecken über Hof machbar, aber eben nun auch einmal deutlich aufwendiger gewesen wären. Diese Varianten wurden damit ebenso verworfen wie beispielsweise frühe Überlegungen für Neubaustrecken von Leipzig nach Dresden oder Leipzig nach Berlin. Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist natürlich erst einmal eine Gerade und diese Überlegung naheliegend -- nur hätte der relative Aufwand den relativen Nutzen gerechtfertigt, wenn das Bestandsnetz vernünftig mit genutzt oder zwei Neubaustrecken zu einer zusammengefasst werden konnten?

Oder habe ich da jetzt etwas Grundlegendes übersehen? Konkrete Quellen zu "politischen" Entscheidungen, die sich nicht aus den bisherigen Quellen entnehmen lassen, wären auch sehr relevant zur Ergänzung auf der Wikipedia.

Was ein ITF-Konzept für Deutschland angeht, ebnet die letztlich realisierte bzw. noch in Realisierung befindliche Variante letztlich einen weiten Weg, in dem beispielsweise München und Nürnberg, Nürnberg und Erfurt sowie Halle und Berlin in knapp unter 60 Minuten miteinander verbunden werden können.

Viele Grüße
Peter

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unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten


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