NBS Nürnberg -- Altenberg/Tharandt: Hintergrund? (Allgemeines Forum)

ThomasK, Sonntag, 17.02.2019, 00:04 (vor 2671 Tagen) @ bigbug21

Hallo!

Ich habe damals kurz nach der Wende bei der Bundesbahndirektion Nürnberg ein paar Vorüberlegungspläne einsehen dürfen. Das war zu einem Zeitpunkt, als noch keine Festlegung auf die NBS Ebensfeld - Erfurt erfolgt war und die Eisenbahnprofis noch ohne politische Gängelung planen durften. Mit diesen Plänen wollte man offenbar ins Raumordnungsverfahren gehen.

Laut Skizze war eine Mitbenutzung der Bestandsstrecke zwischen Altenburg und Leipzig angedacht.

Bei der direkten Führung wäre ein Nachteil gewesen, dass für ICE-Züge München - Berlin in Nürnberg Hbf ein Fahrtrichtungswechsel erforderlich gewesen wäre. Im Vorbericht wurde dies aber als nicht so relevant angesehen, da Nürnberg Hbf über genügend viel Gleiskapazität verfügt.

Die direkte NBS-Trasse wäre dann zwischen Nürnberg und Lauf aus der Bestandstrecke ausgefädelt und hätte die Bestandstrasse etwa zwischen Schnabelwaid und Bayreuth gekreuzt mit der Möglichkeit, ein paar Kilometer südlich von Bayreuth in die Bestandsstrecke einzufädeln. Die NBS selbst wäre dann weiter Richtung Nordosten verlaufen und hätte dann die Bestandsstrecke zwischen Wunsiedel und Hof gekreuzt mit der Möglichkeit auf der Bestandsstrecke nach Hof zu fahren. Ein weiterer Abzweig mündete zwischen Marktredwitz und Schirnding in die Bestandsstrecke ein.

Die NBS selbst führte dann östlich von Hof und westlich von Plauen vorbei. Genau weiß ich das nicht mehr, aber bei Plauen waren zwei Anbindungen an die Bestandsstrecke geplant. Einige Kilometer nördlich von Plauen verzweigte sich die NBS. Der Ast Richtung Leipzig führte nach Norden und mündete bei Altenburg in die Bestandsstrecke ein. Dort endete der Leipziger Ast der NBS. Zwischen Altenburg und Leipzig sollte die Bestandsstrecke genutzt und ausgebaut werden. Der Dresdner Ast der NBS führte dann an Zwickau und Chemnitz vorbei und endete in Tharandt. Zwischen Tharandt und Dresden sollte die Bestandsstrecke genutzt werden, da eine Weiterführung nach Dresden zu teuer gewesen wäre.

Bei Zwickau und Chemnitz waren verschiedene Anbindungsvarianten in der Diskussion, die aber nur nachrichtlich erwähnt wurden, da dafür die Deutsche Reichsbahn und nicht die Bundesbahndirektion Nürnberg zuständig war.

Die Varianten wurden nur grob skizziert.

Wie gesagt, das waren die Vorüberlegungen.

Mit der politischen Fixierung auf Ebensfeld - Erfurt waren sämtliche NBS Varianten Nürnberg - Altenburg / Tharandt tot, sodass diese Pläne zu meinem Entsetzen komplett ad acta gelegt wurden.

_______________


Richtig ist, dass die NBS Nürnberg - Altenburg / Tharandt in der direkten Führung für die ICEs München - Berlin einen Fahrtrichtungswechsel in Nürnberg Hbf erzwungen hätte, was aber jetzt kein so großes Problem dargestellt hätte. Allerdings hatte die Bundesbahndirektion Nürnberg noch eine Alternativroute skizziert mit einer Ausfädelung zwischen Erlangen und Forchheim, die aber andere Nachteile hätte, sodass man den Fahrtrichtungswechsel in Nürnberg in Kauf nahm.

Genau weiß ich das nicht mehr.

Aber mit Druck von Bundeskanzler Kohl war alles vorbei.


Die NBS Nürnberg - Altenburg / Tharandt war so ein fantastisches Konzept, dass ich es extrem bedauere, dass es nie realisiert wurde.

An der Planung waren noch echte Bundesbahningenieure beteiligt, die wussten, wie man eine Bahnstrecke so flexibel plant, dass man einen betriebsstabilen Betrieb bekommt. Zahlreiche Verknüpfungen mit der Bestandsstrecke waren eingezeichnet nach dem Vorbild Firenze - Roma.

Fantastisch die Synergieeffekte bei diesem Projekt:

Bayreuth angebunden, Hof angebunden, Plauen angebunden, Nürnberg - Prag beschleunigt, die ganze Region Franken und Sachsen mit Zwickau und Chemnitz schlagartig angebunden und tolle Angebotskonzepte entwickelt.

Sogar im Sinne des ITF wurden in den Unterlagen für die Nonstop Züge ICE-Fahrzeiten Nürnberg - Leipzig von 90 Minuten und Nürnberg - Dresden von 120 Minuten genannt. Die Strecke wäre für 300 km/h trassiert worden.

Wahnsinn, was uns diese NBS Ebensfeld - Erfurt alles zerdeppert hat. :-(

_______________


Ich sage es mal so. Die NBS Ebensfeld - Erfurt kann man dann bauen, wenn ALLES ANDERE fertig ist, aber so, wie es jetzt gelaufen ist, ist das der absolute Wahnsinn und ein schwerer Schlag für die Eisenbahn. Und das nur, weil Kohl und Vogel (Ministerpräsident Thüringen, vorher Rheinland-Pfalz) sich aus Rheinland-Pfälzer Zeiten extrem gut verstanden und Biedenkopf (Sachsen) bei Kohl in Ungnade gefallen war.

Wahnsinn, wie bei uns Politik läuft.

Grüße,
Thomas


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum