DB Fernverkehr hat keine Verbindlichkeiten (Allgemeines Forum)

Henrik, Samstag, 02.02.2019, 20:34 (vor 2664 Tagen) @ agw

Wo ist denn das unternehmerische Risiko der DB? Die wäre doch im Kapitalismus schon längst pleite. Das sieht im Moment nur so gut aus, weil die Zinsen historisch niedrig sind.
Wenn die DB mal für 25 Mrd Euro jedes Jahr 2 Mrd Zinsen abdrücken muss, war's das. Kannste dir ja überlegen, wie das aussähe, wenn die DB AG in Deutschland 2 Mrd an Personalkosten etc. jedes Jahr sparen müsste.

das unternehmerische Risiko der DB liegt u.a. darin, große Investitionen zu tätigen, um Unternehmensziele zu erreichen.
Mit dem Unternehmensziel der Fahrgastzahlen im Fernverkehr (darum gehts hier ja?) läuft es ja so gut wie noch nie zuvor: Fahrgastrekord mal wieder.

Ich dachte, der "Rekord" wäre Fakenews gewesen?
Aber gut, wenn es da einen Rekord gab, der irgendwie wichtig ist fürs Unternehmen, wurden letztes Jahr sicher Schulden abgebaut und dieses Jahr sicher noch mehr, oder?
In der freien Wirtschaft kann man auch mit Absatzrekorden pleite gehen. Bzw. gerade dann, wenn man seine Ware verschleudert. Das würde die DB AG natürlich nie machen.

Der Bericht der Zeitungen der Funke Mediengruppe vor 4 Tagen war Fake News? Wo ist derlei nachzulesen?
DB Fernverkehr hat keine Schulden (laut Geschäftsbericht 2017 sowie Halbjahresbericht 2018).

Die DB AG ist grade sehr ernsthaft am Überlegen, sich von Geschäftssegmenten zu trennen, die mit ihren Gewinnen nicht die Kapitalkosten decken und mit ihren Schulden einen hohen Anteil der Verbindlichkeiten der Betriebssparten abdecken: DB Arriva und DB Schenker

Wir leben nicht im Kapitalismus hier? In was für einem System denn dann? nun gut, kein reiner freier Kapitalismus, aber eben doch klar kapitalistisches System und die DB ist hier nicht pleite, sondern erhält gar die höchsten Ratings der Agenturen, also das komplette Gegenteil von pleite.

Hast du auch mal überlegt, warum? Das ist ja gerade meine Kritik. Aber schön, dass du mir hier zustimmst.

warum die DB AG sehr weit davon entfernt ist, pleite zu sein?
Ist in den Geschäftsberichten sehr gut nachzulesen. Die Eigenkapitalsquote ist sehr hoch, es wird sehr gut gewirtschaftet.

Die Bundesbahn und Reichsbahn - die wären komplett pleite, doppelt und dreifach hoch zehn, wenn sie als Unternehmen bestunden hätten und nicht als Behörden bei deren katastrophalen Zahlen. Nicht umsonst sprachen auch viele ernsthaft davon, das Bahnsystem als solches komplett einzustampfen.

Richtig. Stattdessen hat mein alles beim alten gelassen und ein neues Logo erfunden.

nicht wirklich. Ganz im Gegenteil, das Logo ist so gut wie das einzige, das geblieben ist.

Die Zinsen sind so historisch niedrig, weil wir nicht in einem kapitalistischem System leben würden? Der Zusammenhang mit den Zinsen besteht doch nur, weil wir in einem kapitalistischem System leben.
Noch vor paar Jahren sah der Schuldenstand der DB um einige Milliarden geringer aus, das EBIT um Milliarden höher - die Zinsen waren deutlich niedriger als heute. Einen Zusammenhang lässt sich da also nicht erkennen. Und Zinsen in Höhe von 10% wird es in nächsten 30 Jahren nicht geben, gab es die letzten 70 Jahre auch nicht.

Ich rede von 8% Zinsen. Oder denkst du, die DB friert ihre Schulden jetzt bei 20 Mrd ein?
Und 8% Zinsen auf Unternehmensanleihen waren in den letzten 70 Jahren durchaus üblich. Genauso wie 8.5% Zinsen p.A. auf's Sparkassensparbuch.

Natürlich ist die DB AG aktuell sehr bestrebt, den Schuldenstand nicht weiter ansteigen zu lassen, s.o.
In den 80ern waren die Zinsen auch noch so hoch. Auf derartigen Zinsniveau werden wir nie wieder kommen.

Die DB AG kann in unterer und mittlerer Ebene nicht an Personalkosten sparen, ganz im Gegenteil, sie stockt auf. Das sind fixe Kosten, die kann sie nicht streichen. Ganz oben ja, da ist sie ja auch aktuell bei, gründlich zu säubern. Aber das macht sie eh, aktuell, jetzt - nicht bei 20% Zinsen. Sollte sie eh, aber gewiss ist genau das unternehmerische Risiko, also die Investitionen eine deutliche Motivation, mit dem Druck des größten Anteilseigners.

Sobald die Zinsen steigen wird die DB da sparen müssen, wo man am einfachsten sparen kann. Das sind betriebliche Ausgaben in Form von Personal. Ich weiß nicht, wie du auf 20% Zinsen kommst, aber schon bei der Hälfte der von mir angenommenen 8% wird man sparen müssen.

Nein, die Zinsen werden nicht steigen. Die DB muss aber heute schon sehr intensiv an ihren Finanzen arbeiten und das macht sie ja auch. Die Personalausgaben (im Betrieb, untere & mittlere Ebene) sind fix - daran kann sie nicht sparen bzw. sie muss sie erhöhen und tut es ja auch.

Man kann sicher klein anfangen und erstmal nur auf stark nachgefragten Relationen und zu den besten Uhrzeiten fahren. Aber dann kann man halt keine Top-Trasse erwarten. Warum sollten die anderen, die im Takt fahren, für so einen Einzelzug weichen und dadurch ihre Taktknoten aufgeben?

Weil man sonst kein Monopol aufbrechen kann und sich nicht wundern muss, dass man nach 20 Jahren immer noch bei 99% liegt.
Niemand bricht Monopole auf, in dem er sagt, "kann ja jeder klein anfangen". Denn dann bleibt man vermutlich auch klein.

welches Unternehmen hat denn nicht klein angefangen? fritz Cola? Bionade? Tito's Vodka? Chobani? Ryanair?

Welches Unternehmen hat denn gegen ein ungezügeltes staatliches Monopol gewonnen?

Und?

Im Bahnbereich sei da auf den Nahverkehr sowie Güterverkehr hingewiesen.

Hier kommt hinzu, dass der Monopolist sogar noch beim Staat die Hand aufhalten kann, damit nicht der Verkehr komplett zusammenbricht.

genau das kann er ja eben nicht.
holla.... das mach mal.
so schnell kannste gar nicht gucken, da ist die EU Wettbewerbskommission um die Ecke, unterbindet das nicht nur, sondern kommt gleich mit heftigen Strafen. Wieso? Um die Mitbewerber zu schützen!

Gibt ja keine Mitbewerber. Und die Hand wird schon seit Jahren aufgehalten.

Es gibt einige hundert Mitbewerber, die alle in dem Falle ebenso Anrecht auf Subvention hätten.
Grade in letzten Wochen kam von der EU-Kommission grünes Licht für die Subvention der Trassengebühren für den Güterverkehr (Masterplan Güterverkehr) nachdem sie es umfangreich geprüft hatten.
Auch die Finanzspritze vor 2 Jahren wurde umfangreich geprüft - da ging es abgesehen von DB Netz um die Reduzierung der Dividendenausschüttung.
Direkte Zuschüsse einseitig nur an die DB Fernverkehr wären nicht zulässig und würden auch sofort unterbunden werden von der EU-Kommission.

Am einfachsten wäre es eben, die DB FV in 5-6 kleinere zu zerschlagen, so wie man das anderswo mit Monopolen erfolgreich gemacht hat.

anderswo? und zwar? bekannt ist davon keine?

Das prominenteste Beispiel ist sicher Bell. Kennt sicher jeder.

Ein paar Erläuterungen dazu könnten hilfreich sein.. ;)

wie sollte das im Detail aussehen? schwer vorstellbar, vor allem Sinn & Nutzen leuchtet nicht ein.

Den habe ich doch einen Satz weiter schon erklärt. Einfach noch mal lesen.
Das ganze ist auch überhaupt nicht schwer vorstellbar. Die DB besteht doch eh schon aus hunderten GmbHs und AGs.
Was kannst du dir denn hier nicht vorstellen?

Erklär doch, wie Du Dir das vorstellst?
ICE-Verkehr aufspalten auf verschiedene DB FV Unternehmen?
oder DB Vertrieb ausgliedern? Letzteres ist ja nun auch keine unbekannte Forderung.

Der neue 7. kleine ist dann auch nicht mehr ganz so stark im Nachteil.
Langfristig gibt es dadurch besseren Service und günstigere Preise für den Fahrgast bzw. Steuerzahler.

besseren Service als heute? besseres Sushi in der DB-Lounge?

Willst du behaupten, der Service wäre heute unschlagbar? Oder wird JEDER zustimmen, wenn man sagt, der Service bei der DB ist verbesserungswürdig. Dein absurdes Beispiel sagt mir, dass du mir hier voll zustimmst.

Der Service der DB wird grundsätzlich überwiegend als gut empfunden, ist ja auch grade in letzten Jahren deutlich verbessert worden eben durch den verschärften Wettbewerb.
Durch andere Unternehmen könnte es andere Aspekte des Service geben, könnte ich mir vorstellen.

noch günstigere Preise? beim selben Unternehmen? unrealistisch, Sinn nicht zu erkennen.

Nicht beim selben Unternehmen. Es sind ja dann verschiedene Unternehmen. Was ist daran schwer zu verstehen, dass sich verschiedenen Unternehmen anders ausrichten werden, um sich wettbewerbsvorteile zu sichern? Das ist doch die absolute Basisannahme.
Und zu den Preisen: Ich finde Essen-München und zurück für 562 Euro mit halbwegs ertragbarem Sitzabstand jetzt nicht günstig. Aber kann natürlich sein, dass du so abgehoben bist, dass du das günstig findest und keinen Spielraum nach unten siehst.

..beim Flexpreis.
Ähnliche Modelle würde es bei den Wettbewerbern dann auch geben, siehe Italien.

Einzig...... die ewig frustrierten, die sich hier Tag für Tag über die ach so hohen regelmäßigen wöchentlichen Preissteigerungen aufregen, regen sich dann hier noch mehr als bislang üblich über die billigen Super Billig Tarife auf.

Dazu sag ich jetzt mal nichts. Die meisten kennen ja deine Rechentricks bezüglich der Preissteigerungen.

nicht meine Rechnungen.
Die Zahlen der Geschäftsberichte zu dividieren und mit Vorjahreszahlen vergleichen, steht jedem frei,
darüber hinaus gibt es etliche weitere veröffentlichte Zahlen.
Aber gewiss, für Jahre in denen es keine einzige Preissteigerung bei den Flexpreisen gab dann jede Woche sich elendig über die steten Preissteigerung aufzuregen - das hat echt was.. ;) :D

Die Schulden der letzten Bahn musste der Steuerzahler ja schon abschreiben.

nicht musste, nicht Vergangenheitsform. Gegenwart und Zukunft. Das Thema BEV hinsichtlich Altlasten ist noch lange nicht durch.
Aber das war ein sehr wichtiger Punkt, die neue DB AG nicht mit Alt-Verbindlichkeiten der vorherigen Bahnen zu belasten.

Scheint ja viel gebracht zu haben, da man jetzt wieder am gleichen Punkt angelangt ist. Immerhin musste der Nahverkehr nicht mehr darunter leiden.

DB Fernverkehr hat keine Verbindlichkeiten, s.o.
Im Nahverkehr läufts doch gut mit dem Wettbewerb, im Güterverkehr ebenso.


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