Vielleicht ist Reue kein Fehler? [1/2] (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 16.10.2016, 18:13 (vor 3456 Tagen) @ Blaschke

Hallo!

Man muss einfach nur verzichten können.


Kann ich ja. Wenn ich denn will. Aber wenn ich nicht will, mache ich es auch nicht.

Dann muss man auch einfach nur verzichten wollen :P

Irgendwann wird sich ungesunde Ernährung in irgendeiner Weise rächen und ich meine nicht, dass man irgendwann so oder so sterben muss, doch wozu muss man sich sein Leben künstlich verkürzen?


Ich weiß, Gegenfragen sind nicht das stärkste Argument: Aber warum soll ich es künstlich verlängern? Nur damit ich in der verlängerten Zeit Dinge mache, die ich gar nicht machen möchte? Ergibt doch null Sinn!

Woher weißt du, dass du nicht etwas länger leben möchtest... und am Ende des Lebens kann es vielleicht sich bezahlt machen, wenn man gesund lebt, weil man dann glücklicher aus dem Leben scheidet...

Dein Körper kann anscheinend mehr damit klarkommen als bei normalen Menschen, aber trotzdem ist das langfristig nicht okay. Du wirst auf die Nase fallen damit, irgendwann wirst du es bereuen. Wann genau, das ist zwar nicht bekannt, aber irgendwann, tja irgendwann denkst du dir "Hätt ich bloß auf die Ärzte gehört und nicht mich meiner Faulheit hingegeben...".


Erstens ist es ja keine Faulheit. An anderen Tagen arbeite ich bekanntlich. Bereuen werde ich all mein Tun NIEMALS!!!!!

Messy sein hat was mit Faulheit zu tun. Das ist kein Lebensstil, das ist... ach mir fällt das Vokabel nicht ein...

Dieses "ach, hätte ich das damals anders gemacht..." ist nämlich der allergrößte Humbug seit Menschengedenken. Meine Psychodame war jedenfalls völlig entzückt, als ich ihr sagte, dass ich so nicht denke. ALLES, wirklich ALLES, was ich gemacht habe, war richtig. Denn als ich damals so entschied und nicht anders, war ich ja überzeugt, dass es richtig ist. Da kann ich ja nicht im Wissen um das, was dann geschah, im Nachhinein sagen, hätte ich es mal anders gemacht. Zumal es ja völlig hypothetisch ist, wie es weitergegangen wäre, wenn ich anders entschieden hätte.

Wenn man aber später erkennt, dass etwas vielleicht nicht so richtig ist, wie man es für's erste gehalten hat, könnte man ja auf die Idee kommen, etwas zu bereuen.

Glücklich sein ist ja immer was relatives. Eine ausgewogene Lebensweise kann auch glücklich machen.


Völlig richtig. Kann es. Es kann sogar sein, dass ich das irgendwann auch mal so sehe. Das weiß ich ja heute noch nicht. Aber wenn ich es so sehe, dass werde ich auch dann glücklich sein, wenn ich es umsetze. Nur mache ich mir darüber keine Gedanken - denn dann würde ich vor lauter Gedanken an die Zukunft völlig irre.

Ich denk auch nicht permanent an die Zukunft, aber langfristig würde man schon schauen sollen, ob man vielleicht mal was besser macht als aktuell. Den Status quo einfach aus Bequemlichkeit als Optimum festmachen, das ist nicht gerade die beste Idee.

Nur ist es wahr, das bringt keine Sofortbefriedigung. Aber braucht es das? Wozu immer nur von der einen zur nächsten Sekunde denken und nicht langfristiger?


Warum?

Warum? Weil langfristiges Denken sich bezahlt macht.

Ich habe auch nicht die gesundeste Lebensweise, aber ich weiß zumindest, dass ich diese Lebensweise mittelfristig ändern sollte und bin mit Mittelmäßigkeit einfach mal nicht zufrieden.


Ist das nicht schrecklich inkonsequent? Du mußt Deine Lebensweise ändern, weil Du das willst, aber Du machst es nicht! Warum denn nicht? Du lebst also entgegen Deinem natürlichen inneren Willen! Warum? Warum machst Du denn nicht JETZT und HEUTE das, was Du anstrebst? Stattdessen gibst Du Dich heute den Dingen hin, die Du - irgendwann mal! - ändern willst. Fang doch HEUTE damit an! JETZT!

Bei mir geht etwas eben nicht sofort, da braucht es seine Zeit. Ich spreche auch nicht davon, seinen Lebensstil sofort, unverzüglich zu ändern, aber dass man den ändert, das ist eben das wichtige, wenn der Lebensstil vielleicht nicht sooo gut ist.

Außerdem, es gibt die seltenen Fälle, wo die Mehrheit auch mal Recht hat.


Allgemein: Das darf sie doch auch! Ich nehme für mich doch gar nicht in Anspruch, Vorbild zu sein oder der Mehrheit angehören zu wollen! Ich lebe so, wie ICH das für richtig halte und vertrete die Meinung, da wir hier grad zufällig auf das Thema kommen, eben auch offensiv.

Ich vertrete auch meine Meinung offensiv, nämlich die, dass es mein Recht ist, andere auf ihr Fehlverhalten hinzuwiesen. Und völlig ungesunde Ernährung ist ein Fehlverhalten. Ich hab nichts dagegen, wenn man sich mal eine Schoggi gönnt oder eine Limonade. Aber seine tägliche Ernährung von Imbissbuden zu erhalten halte ich für grundfalsch. Ich denke, man hat stets Zeit, ein Lokal aufzusuchen, wo es mehr als nur Fastfood gibt.

Ach Blaschi, wenn du der Meinung bist, dass du damit glücklich wirst, ich wäre es auf Dauer nicht.


Verlangt doch auch gar keiner! Wäre doch auch langweilig. Stell Dir mal, wir wären alle so wie ich. Das wäre ja eine Katastrophe. ;-). Und für mich auch. Dann wäre ich ja mainstreamich ;-). Dann müßte ich als einziger in schwarz rumrennen, wenn ihr alle im Hawaii-Hemd herumlatschert.

Also erstens mag ich kein Hawaii-Hemd, zweitens wärest du in Schleswig-Holstein als Mehrheit ganz gut aufgehoben. Dort sind die Leute am dicksten. Wahrscheinlich wegen dem übermäßigen Konsum leckerer Lübecker Marzipan-Schokolade von Niederegger, die es zuweilen auch in Wienern Geschäften zu finden ist...

Das liest sich bytheway wie bei einem pubertierenden Jugendlichen, welches keinen Bock mehr auf die "Alten" mehr hat und sich sooo frei fühlt, endlich weg zu sein von denen... so ein Glück ist da seehr relativ.


Erklär Du als junger Mensch mir mal, was an dem Glück jetzt relativ ist! Ich habe übrigens lange gebraucht, wieder "jung" zu werden ;-). Ansonsten habe ich Bock auf Menschen, die mein Leben bereichern. Die mir Input geben, gerne auch Kontra, die mich zum Nachdenken anregen, die mich überhaupt anregen zu geistigen Tätigkeiten. Und mit denen ich Spaß haben kann, Freude, Lachen. Und mit denen ich Schicksale teilen kann, wenn sie mir auch nahe gehen.

Das kann ich dir gerne erklären. Also Glück, das empfindet natürlich jeder auf unterschiedliche Weise, keine Frage. Es ist sogar ganz nett, wenn man schon von wenigen Dingen glücklich wird.

Bloß, ich persönlich finde, dass Glück mehr sein sollte, als nur, "ich lebe, habe Leute, mit denen ich quatschen kann und mir geht's dann auch noch einigermaßen."

Da sollte man sich vielleicht fragen: "Kann ich das nicht noch vergrößern? Dann hab ich ja noch mehr von meinem Leben." Also nicht im Sinne, immer total unzufrieden nach mehr lechzen, aber dann doch sich vielleicht mal anschauen, ob man da nicht mehr aus seinem Leben machen kann.

Also ich bemitleide dich, dass du dich so glücklich fühlst, obwohl der Zustand, den du beschreibst, nichts erstrebenswertes sein soll.


Doch! Glück ist immer ein erstrebenswerter Zustand! Wie jeder den bzw. das erreicht, ist jedem seine eigene Sache; sagt ja schon der Volksmund: Jeder ist seines Glückes Schmied!

Ich finde es nicht erstrebenswert, sich mit einem Messy-Dasein und einer völligen Verachtung seinem Körper gegenüber, der das zumindest noch halbwegs mitmacht, zufrieden zu geben...

Abgesehen davon hat Glück auch eine gewisse Ausstrahlung eben auf die Gesundheit. Denn wie Du richtig anmerkst, müßte ich längst tot sein. Wäre ich auch, würden nicht positive Gefühle und Gedanken und regelmäßiger Spaß, kindlicher Unfug und Humor dem gegenüberstehen!

Das ist natürlich klar, dass das eine Rolle spielt. Aber das heißt nicht, dass man eine gesunde Ernähung mit viel Glück kompensieren kann. Vielleicht liegt meine Sichtweise auch daran, dass ich nicht jemand bin, der das Glück als die Maxime sieht, sondern Gott. Und aus dieser Sichtweise heraus finde ich einfach, dass man sich um seinen Körper möglichst pfleglich kümmern sollte und sich nicht gehen lassen sollte...

Finden das deine Freunde denn auch so super, wie du so lebst?


Das sind nur zwei, wobei ich mit beiden wenig Kontakt habe. Auch das ist so gewollt. Das würde jetzt zu sehr weg vom Thema, aber vor Jahren habe ich nach einer großen Krise mächtig aufgeräumt und so ziemlich alle vor die Tür hinauskomplimentiert! Die durften einen Abgang machen. Alle restlichen sozialen Kontakte, die es beim Zeitungsaustragen weniger gibt, beim Apothekenfahren mehr, betrachte ich als Bekanntschaften, zu denen ich immer eine gewisse Distanz halte. Auch das so ein Lebensmotto von mir mittlerweile. Zu allem eine gewisse Distanz haben. Nicht zufällig mache ich deswegen Jobs, wo ich "draußen" bin, möglichst wenig eingebunden in eine Struktur, in eine Organisation und wo ich weitgehend autark und selbständig arbeite. Hat eine Weile gedauert, bis ich den Zusammenhang verstanden habe, aber als es dann "klick" machte; peng, es fiel mir wie Schuppen von den Augen!

Also du bist super zufrieden, wenn du möglichst wenig soziale Kontakte hast oder wie? Dass man da noch glücklich ist... ein Leben nur für sich ist auch nicht so das wahre, wenn man es nicht mit anderen teilen kann...

Im zweiten Teil geht's weiter...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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