1. Klasse im Nahverkehr (Allgemeines Forum)

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Freitag, 14.10.2016, 11:51 (vor 3465 Tagen) @ GUM

Das ist eben die Frage der gesellschaftlichen Wertschätzung. Du siehst es in den Verkehrsverbünden, in denen es auch eine 1. Klasse Monatskarte gibt: Den Mehrbetrag für eine 2+1 Sitzteilung und mehr Fußraum geben zu wenige aus.

Wie regelmäßigen Mitlesern hier durchaus bekannt sein dürfte, favorisiere ich im Fernverkehr die 1. Klasse - im Nahverkehr nutze ich diese allerdings nur dann, wenn es als Vor- oder Nachlauf an einer FV-Fahrt dran hängt. Warum? Fangen wir mal an:

1. Straßenbahnen, U-Bahnen und Busse haben gar keine 1. Klasse hierzuorte (und auch sonst wäre mir das in Deutschland nicht geläufig).
2. Die S-Bahn, die hier (anders als beispielsweise in München) eine 1. Klasse hat, nutze ich ausgesprochen selten. Und - anders als beispielsweise im ICE - ist die 1. Klasse ihren Mehrpreis dort nicht Wert. Die Bestuhlung ist dort auch 2+2 bzw. 1+3 an der Stelle, wo die Tür zum Führerstand außermittig liegt - es bleibt also bei vier Sitzen pro Reihe. (Bei den guten alten 420ern war wenigstens der Abstand in der Sitzgruppe noch größer. Aber die Wagen sind uns ja leider genommen worden.) Die Sitze unterscheiden sich im Komfort nicht von denen der 2. Klasse, und der theoretische Vorteil des Mehrkomforts durch mehr Ruhe entfällt, da genug Fahrgäste, die oft nicht mal irgendeine gültige Fahrkarte mitführen, sich auch dreist in die 1. setzen - kontrolliert wird ja eh kaum, und wenn, sieht man die Kontrollteams in Unternehmensbekleidung ja shcon rechtzeitig und kann abhauen.
3. Im Regionalbahn/-expressbetrieb habe ich hier bei der DB fast ausschließlich die Variante der Dostos, bei der die 1. Klasse ausschließlich oben und in der Mitte liegt. Man muß sich also erst durch die proppevolle 2. Klasse durchboxen, um dann durchgeschaukelt zu werden. :( Die HLB-Fahrzeuge auf der Linie zu meiner Arbeitsstelle haben ebenfalls keinen Komfortvorteil in der 1. Klasse, im Gegenteil, die Fahrzeuge mit nachgerüsteter 1. Klasse haben in die ohnehin recht engen Vierergruppen noch einen festen Tisch installiert bekommen, der das Sardinendosengefühl noch verstärkt.

Wenn ich jetzt überlege, daß ich im ausgesprochen preiswerten (haha) RMV schon 132 Euro für eine Monatskarte hinlege, dafür permanent Verspätungen, Ausfälle und baustellenbedingte Unannehmlichkeiten vorgesetzt bekomme (ich glaube, wenn ich in diesem Jahr alle Betriebstage zusammenzähle, an denen auf meinem Arbeitsweg nicht Umwege oder Fahrzeitverlängerungen durch Bauarbeiten, bis hin zur völligen Unmöglichkeit, in sinnvoller Zeit oder auf Verbindungen die ohne Zeitkarte überhaupt bepreisbar wären (Umwege, die zwar im Gültigkeitsbereich der Zeitkarte liegen, aber bei Einzelfahrten als Umweg mit Stichfahrt gelten würden) meinen Arbeitsplatz zu erreichen, zusammenrechne, komme ich gerade so auf einen Monat. Und wir haben Mitte Oktober!), ist das eigentlich schon zu viel. Da nochmal 32,70 im Monat für die 1. Klasse, die mir auf einem Teil der Strecke objektiv keine Vorteile bringt (weil es keine 1. Klasse gibt) und auf dem Rest subjektiv auch keine Vorteile bringt (weil die 1. Klasse sich im Komfort nicht unterscheidet) - nö. Das Geld investiere ich lieber anders, zwei Monate den Zuschlag gespart sind schon einmal Steakhouse-Besuch bei der nächsten Kreuzfahrt. ;-)

Im DB-Fernverkehr hingegen, egal ob ICE oder IC (und egal ob "ICmod" oder nicht) überlege ich gar nicht erst. Da wird 1. Klasse gebucht.

Das nur zu diesem Aspekt anmerkende Grüße,
der Colaholiker

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