Da kommt Freude im Fst auf - (Allgemeines Forum)

AX-330, Mittwoch, 30.10.2013, 12:58 (vor 4533 Tagen) @ Proeter
bearbeitet von AX-330, Mittwoch, 30.10.2013, 13:00

Ha! Friseurzügen hinterherfahren - also viel kann ich nicht, aber das kann ich gut!

Wie sieht sowas eigentlich praktisch aus?

Blutdruck und Pulsschlag des Lokführers erhöhen sich proportional zur zurückgelegten Entfernung, ungefähr in der Größenordnung von jeweils zehn Einheiten pro Signalhalt. Bei einer Systole von 170 wird ein Zugfunkgespräch mit der Fahrdienstleitung geführt und bei Puls 130 die Betriebszentrale angerufen. Es finden Ersatzhandlungen statt, zum Beispiel der beliebte Biß ins Führerstandspult und lautstarkes, bierkutscherähnliches Fluchen. Um Kreislaufproblemen vorzubeugen, wird gerne die AFB eingeschaltet, auf 60 km/h eingestellt und dem Fahrplanersteller was gewünscht.

Wird dem IC dann im Fahrplan eine Geschwindigkeit zugewiesen, die deutlich unter der jeweiligen Streckenhöchstgeschwindigkeit liegt, damit er nicht selbst andauernd anhalten muss?

Nun mal im Ernst -

Die maximal zulässige Fahrplangeschwindigkeit richtet sich weiterhin danach, was bestellt wurde - das gilt dann ausnahmslos für die gesamte Trasse. Um Konflikte zu lösen, nimmt man die Fahrzeiten als Stellglied her. Wäre ja sonst auch doof - es soll ja mal vorkommen, daß Züge verspätet fahren, und dann möchte man ja nicht schnarchlangsam durch die Lande zuckeln müssen, weil der Fahrplan es vorschreibt.

Netz löst das auf zweierlei Art: Entweder die Fahrzeiten zwischen den einzelnen Betriebsstellen passend gestalten und Betriebshalte weglassen - oder die Fahrzeiten nicht anrühren und stattdessen Betriebshalte einlegen. Warum mal ersteres und mal zweiteres genommen wird, das würd ich selbst gern mal wissen.

Nun dazu, wie es in der Praxis läuft - oder genauer, wie ich es mache ;-) Man schlage im Railnavigator nach, wie lange der vorausfahrende Hemmschuh bis zu der Betriebsstelle braucht, in der ich ihn überholen kann, nehme die zurückzulegende Strecke her und berechne sich die Durchschnittsgeschwindigkeit des Friseurzuges. Die rundet man sich passend zurecht und juckelt hinterher. Blumenpflücken während der Fahrt verboten.

Fortgeschrittene beziehen noch die Blockgrößen, den Reibwert, das Fahrzeug und die Tageszeit (Fahrgastwechsel) mit in die Rechnung ein. Macht man das richtig, werden die Vorsignale kurz vor Vorbeifahrt frei, sodaß man die Bremse nicht anzufassen braucht - angesichts der unbefriedigenden Verhältnisse ein befriedigendes Erlebnis.

Daran kann man ein wenig den Kutscher vom Lokführer unterscheiden - ersterer kommt unterwegs mehrfach mit erbärmlichem Ruck zum Halten, um dann gleich wieder volle Kanone loszuziehen, letzterer gleitet entspannt durch die Lande, ohne daß der Fahrgast was von der Betriebssituation mitbekommt, spart dabei mächtig an Energie und Verschleiß und macht die Kollegen im Speisewagen glücklich. Entgegen aller Unkenrufe gehört zum Beruf des Lokführers eben Feingefühl und Können mit dazu, auch wenn ja heute angeblich alles die Technik macht.

Zum Abschluß noch ein kräftiges Wort: Egal, wie gut oder schlecht man es anstellt - hinter dem Regionalen herzudümpeln, ist schlicht und ergreifend große Sch**** :-)

Schon durch manches Stahlbad der Zugfolge gegangen -
Andreas


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