Luxemburg (Allgemeines Forum)

Thalyseo, Freitag, 24.09.2010, 17:23 (vor 5759 Tagen) @ Zugreisender

@Zugreisender:
Habe zu diesem Thema gerade eine Magisterarbeit und -studienarbeit gelesen; kann ich Dir auf Wunsch gerne zukommen lassen (=> Emailadresse im Forum hinterlegt).

Zum Thema:

Wenn Deutsch dann aber so unwichtig wäre könnten sie diese Filiale rein in französischer Sprache ausstatten. Und ich bin sicher die wussten schon weshalb sie sich für Deutsch entschieden haben.

Kann ich weder dementieren, noch bestätigen; glaube ich aber weniger.

Eine gemeinsame, geteilte Sprache - die angesichts des hohen romanischen Ausländeranteils nun mal nicht Deutsch oder Luxemburgisch sein können - heißt doch nicht, dass andere Sprachen bzw. deren Kultur ausgeschlossen wird!


Das ist die typisch deutsche Einstellung sich uns seine Sprache erstmal selbst nieder zu machen und sich den Gästen anzupassen. So was würde einem Franzosen niemals einfallen, einem Ami auch nicht.

Inwiefern mache ich unsere Sprache denn nieder? Und davon abgesehen ist Luxemburgisch - und eben nicht (Hoch)Deutsch - deren Muttersprache, die meines Erachtens nach einfach mehr gepflegt werden sollte.

Du darfst nicht vergessen, dass neben den Akademikern auch - sagen wir mal etwas "einfacher gestrickter" - Menschen einwandern, die womöglich mit dem Luxemburgischen und Deutschen überfordert sind. Ziel sollte es sein, diese Menschen zu integrieren und da ist Französisch - für viele bereits die 1. Fremdsprache und damit das erste Hindernis -, dann wünschenswerter Weise Luxemburgisch und schließlich Englisch. Deutsch wäre dann vierte Fremdsprache für diese Menschen und das halte ich für zu viel.

Versteh´ das jetzt nicht falsch, man sollte so viele Sprachen wie möglich lernen, aber irgendwann sind die Kapazitäten erschöpft. Deswegen sollte auch eine Kosten-Nutzen-Erwägung gemacht werden; so würde ich bspw. nie Russisch oder Chinesisch lernen wollen, da mir der Zeitaufwand und mein persönlicher Nutzen zu hoch wäre. Entsprechend finde ich, dass man einen in Luxemburg lebenden Portugiesen, der evtl. schon die luxemburgische Staatsbürgerschaft hat, nicht nötigen sollte Deutsch zu lernen; wohl aber unterstützen, wenn er das will. Es gibt auch hier in Deutschland anglophone Einwanderer, die nur ihre Sprache beherrschen. Ich finde persönlich, dass Ihnen damit ein Teil unserer Kultur vorenthalten bleibt, aber es ist ihre Entscheidung. Wichtig ist doch in erster Linie, dass man eine Sprache findet, in derer man sich verständigen kann.

Die Franzosen laufen durch das rein deutschsprachige Basel und führen sich sprachlich wie in ihrem eingenen Land auf!

Da hast Du recht, das ist überzogen; aber ich bin überzeugt davon, dass viele Deutsche sich in den Niederlanden genauso aufführen. Das kann also nicht allein auf die Franzosen bezogen werden!

Zwar muss ich zugeben, dass ich - im Gegensatz zu Dir - nicht (mehr) in Frankreich wohne, aber aufgrund meiner Ausbildung in Paris kann ich diesen Eindruck (leider) bestätigen.

Und daher sollten Zuwandere nach L sich darum bemühen die Landessprache zu verstehen und nicht der Einheimische seine eigenen Sprache aufgeben!

Das ist ein Standpunkt der so in vielen maskulin geprägten Kulturen vertreten wird; Wertungen wie richtig/falsch sind hier fehl am Platz und meine persönliche Haltung dazu ist gemischt; dennoch würde das - um es ganz extrem zu formulieren - bedeuten, dass Deutsch und Französisch zumindest rezessiv dem Luxemburgischen gegenüber wären.
Ich glaube aber nicht, dass Du das wirklich so meinst, denn das würde ja dann dem entsprechen, was ich gesagt habe (= wenn ich mich auch mehr auf Französisch bezogen
habe). Problematisch ist natürlich dann der Austausch mit den Anrainerstaaten (= Belgien, Frankreich); vor allem die spätere universitäre Ausbildung ist erschwert!

Mir selbst viel es zunächst sehr schwer, mich daran zu gewöhnen alle Veranstaltungen auf Französisch zu haben; vor allem Englisch (via Französisch).

Aber Du hast insofern recht, dass sich die Luxemburger oftmals genötigt fühlen, Französisch zu sprechen; zumindest habe ich das gelesen.

Ich habe in Luxemburg mal an einer Stadtführung (= mehrsprachig) teilgenommen, und dort wurde auch das Sprachenproblem (= Deutsch vs. Französisch) diskutiert. so sprach man wohl in Adelskreisen Französisch - war ja auch in Deutschland lange so - und ein Adeliger soll wohl mal gesagt haben "Deutsch spreche ich - mit meinem Pferd!". Aber das ist einfach so. Ich hatte in Paris bspw. einen Dozenten aus Martinique (?), der uns erzählte, dass seiner Zeit die guten Schüler Deutsch und die schlechten Spanisch gelernt haben; das finde ich ethisch ebenso fragwürdig.

Aus rein pragmatischen Gründen finde ich es nur besser, sich - zumindest in der Ausbildung auf zwei Sprachen (= primär Französisch; sekundär optional Luxemburgisch) zu konzentrieren, man zugleich jedoch der Bevölkerung die Wahl lässt, weitere Fremdsprachen zu lernen. Es sollte nicht vergessen werden, dass auch noch Englisch gelehrt werden muss, und wenn es dann um Deutsch oder Französisch geht, finde ich Französisch einfach wichtiger, ohne dabei die Deutsche Sprache degradieren zu wollen.

Ich war jetzt schon oft in Luxemburg und kann dir versichern das die Leute dort in keinster Weise verunsichert wirken aufgrund der vielen Sprachen - die haben jede der drei Landessprachen sowie Englisch als Fremdsprache so gut im Griff das man neidisch werden kann. Und das wird denen nicht etwa zuviel (man hört niemals es müsste mal eine Sprache wegfallen) sondern die sind auch noch super stolz darauf (Motto: Es gibt keinen richtigen Luxemburger der nicht perfekt Deutsch kann).

Mag sein, dass dem wirklich so ist; ich dachte auch mehr an die Einwanderer. Das die Kombination Deutsch & Französisch gut funktionieren kann zeigt sich in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens; entscheidend ist aber, dass auch dort niemand genötigt wird, Deutsch zu lernen. Keiner würde in Eupen abfällig reden, wenn sich ein Franzose so aufführen würde, wie von Dir - in Bezug auf Basel - beschrieben
(= wie gesagt, das bedeutet nicht, dass ich dieses Verhalten gut heiße). Andererseits gibt es dort auch keine dritte Sprache.

Außerdem mutmaße ich mal, dass Dein Englisch - als Deutscher - (sehr) gut ist und sich so mancher Franzose gern eine Scheibe davon abschneiden würde; da Du in Frankreich lebst, ist Dein Französisch bestimmt auch nicht von schlechten Eltern:
Kein Grund also Dein Licht unter den Scheffel zu stellen! *smile*

Es sollte auch nicht vergessen werden das Deutsch weltweit von mehr Menschen gesprochen wird als Französisch.

Das wusste ich wirklich nicht! Die Zahl der Muttersprachler fällt dann aber wieder zu Gunsten des Französischen aus, oder?

Vielmehr würde ich einen Verfall bzw. nicht weitergehende Förderung des Luxemburgischen - wie es in der Schweiz mit Rätoromanisch der Fall ist - als Degradierung der eigenen Kultur werten;>

Da hast du recht, deshalb wird diese Sprache ja auch nicht aufgegeben. Wie du aber in einem weiteren Beitrag von mir hast sehen können ist diese dem Deutschen sehr ähnlich. Somit lernt man gleichzeitig beide Sprachen, da man Deutsch viel im Fersehen und im Kino erlebt. Da Luxemburgisch in Schriftform auch nicht bis ins letzte Detail definiert ist (ist eben eine vor allem gesprochene Sprache) wird im nicht-amtlischen Schriftverkehr (der ja in Französisch ist) eben nicht selten Deutsch genutzt.

Vielleicht wäre es ja gar nicht verkehrt, eine Schriftsprache - und zwar nur aufgrund des vorhandenen Vokabulars; keine Kunstsprache - zu kreieren? Luxemburgisch ist seitens der EU auch nicht als eigenständige Sprache, sondern - trotz der vielen französischen Lehnwörter - als Dialekt angesehen. Anders als in Belgien kann also - hoch offiziell - nicht von drei Landessprachen gesprochen werden (= ob das eines Disktiminierung ist oder nicht, ist eine andere Frage).

Wie Du richtig schreibst, ersetzt Deutsch die fehlenden (schriftlichen) Passagen des Luxemburgischen. Interessant ist jedoch, dass die Beziehung (Hoch)Deutsch <-> Luxemburgisch(= Dialekt) eigentlich zur Folge hätte, dass das Hochdeutsche die Stellung einnimmt, die heute das Französische einnimmt, gleichzeitig würde das Luxemburgische zum Dialekt "degradiert", so das Französisch die Stellung des Hochdeutschen einnimmt (= so wird zumindest in der Arbeit argumentiert); ein persönliches Urteil kann ich mir dazu nicht erlauben.

Und an dieser Stelle kommt mir der grausige Gedanke das selbst die Luxemburger unsere eigene Sprache besser zu schätzen wissen als wir Deutsche, die sie scheinbar sofort aufgeben würden und durch Englisch ersetzen zu lassen - weil uns dann die Amis vielleicht cooler finden würden? Ein Franzose würde dazu sagen das ein Volk das für seine eigene Sprache so wenig eintritt wie die Deutschen es auch nicht verdient hat eine eigenen Sprache zu haben.

Naja, Frankreich ist ein Fall für sich und was Englisch angeht, so ist es nun einmal die Weltsprache. Das heißt ja nicht, dass wir unsere Kultur und damit verbunden unsere Sprache aufgeben; das steht vollkommen außer Frage! Ich finde nur die Worte "cool" und "verdienen" in diesem Kontext ein wenig unpassend.

Dennoch hast Du insofern recht, dass die deutsche Sprache zu sehr durch Anglizismen "verwässert" wird; es dürfte wirklich etwas mehr für den Erhalt der Sprache getan werden.

Aber wenn Luxemburg sich wirklich so viel mehr für unsere Sprache einsetzt, verstehe ich nicht, warum Luxemburg seine Beteiligung an der Rechtschreibeform - respektive deren Ausarbeitung - abgeleht hat. Ich glaube, die Begründung war offiziell, dass man sich nicht als Teil des deutschrachigen Sprachraums sehe; aber das kann ich jetzt nicht mit Gewissheit behaupten!


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