Bahninfrastruktur SH - Benachteilgung durch die CSU? (Allgemeines Forum)

SH-Sprinter, Samstag, 01.05.2021, 11:33 (vor 16 Tagen)

In der gestrigen Ausgabe der SHZ ging es in einem Artikel um komplette Elektrifizierung der Marschbahnstrecke. Kurzfassung, dem Land reicht es, ständig von dem Bundesverkehrsminiterium unter dem CSU-Mann Scheuer vertröstet zu werden. Für mich liest es sich, als ob man den Schleswig-Holsteiner nur einen Knochen hinwirft. In dem Artikel ist die Rede von der Elektrifizierung der Hinterlandanbindung zum Fehmarnbelttunnel (ohne den Staatsvertrag mit Dänemark gäbe es die wahrscheinlich gar nicht) und dem Bau von Oberleitungen zwischen Itzehoe und Brunsbüttel.

Alle andere Anträge des Landes wurden ignoriert (geht besonders um das Projekt "Elektrische Güterbahn", bei dem alle gemeldeten Verbindungen aus SH ignoriert wurden), was entsprechende Wut auslöst. In einem ähnlichen Artikel wird auf die geringe Oberleitungsquote von nicht einmal 30 Prozent in SH gesprochen. Dies wäre eine historische Vernachlässigung, die nicht mehr zu akzeptieren sei. Besonders genannt wird der Ausbau zwischen Neumünster und Bad Oldesloe als Ausweichstrecke für den Güterverkehr, wenn das Nadelöhr Elmshorn mal wieder gesperrt ist (letztmalig mehrere Tage nach dem Unfall eines Bauzuges Anfang des Jahres).

Jetzt plant das Land über einen Trick an die Oberleitungen zu bekommen. Mit einem Eigenanteil von zehn Prozent der Baukosten will sich SH an den 400 Millionen Euro beteiligen und damit die Strecke zwischen Itzehoe und Sylt komplett mit Oberleitungen ausstatten. Gleichzeitig soll die Route Jübek-Husum ebenfalls Oberleitungen erhalten, um den Strom aus Nordfriesland besser in das Bahnnetz leiten zu können. Zugleich werden alle Regionalbahnstrecken auf Akkuleistungen umgestellt, um die Dieseltriebwagen loszuwerden. Begründet wird dies mit dem Klimaschutz und das SH deutlich mehr Strom produziert, als es benötigt, bzw. wegen der fehlenden Infrastruktur weiterleiten kann.

Aus den Artikeln liest man einen deutlichen Frust in der Politik über das CSU-geführte Verkehrsministerium heraus. Ich kann es sogar verstehen, wenn ich sehe, welche Projekte überhaupt Geld bekommen, bzw. man wegen "Zwang" investieren muss. Außerhalb der Bahn, sind das der Nord-Ostseekanal (neue Schleusen, zu wenig Ersatztore für die Schleusen, etc.), die Rader Hochbrücke, der Rendsburger Kanaltunnel (Sanierung über zehn Jahre verspätet, man spricht vom BER Schleswig-Holsteins), etc. Das Projekt mit der Marschbahn passt hervorragend ins Bild, bei dem das Land sich um Aufgaben kümmern muss, die eigentlich Aufgabe des Bundes sind.

Mal in die Runde gefragt, kennt jemand (im Bahnsektor) ähnliche Beispiele aus anderen Bundesländern, bei denen ein sinnvoller Ausbau durch den Bund verzögert oder sogar blockiert wird? Mir fällt spontan nur die Mittelrheinstrecke ein, die ohne internationalen Druck nicht ausgebaut würde.

Bei den oben genannten Artikeln handelt es sich um folgenden:

https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/politik/Viel-Zustimmung-fuer-Elektrifi...

https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/politik/Bund-und-Schleswig-Holstein-st...


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