Länderticket und ICE-Nutzung (Fahrkarten, Angebote und Tarife)

Giovanni, Montag, 07.12.2020, 09:44 (vor 46 Tagen) @ Knochendochen

Die EU-Fahrgastrechteverordnung spricht aber auch von einer Fortsetzung unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen. Eine Beförderung im ICE ist nun mit einer Beförderung im Regionalverkehr wirklich nicht vergleichbar.

Warum?
Beide führen die zweite Wagenklasse und haben ebenso ähnliche Bedingungen beim Gepäck - wenn man die in diesem Fall irrelevante Fahrradmitnahme ausklammert. Klimaanlage ist auch Standard.

Die entscheidende Differenzierung zwischen ICE und Regionalverkehr liegt in der Reisegeschwindigkeit. Allerdings dürte dies im Hinblick auf eine mögliche Ankunftsreduzierung ein legitimes Interesse des Fahrgastes darstellen.
Dies wird m.e. in der Fahrgastrechteverordnung dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die Nutzung einer anderen Strecke explizit erlaubt wird.

Dass man im Verspätungsfall auch höherwertige Züge nutzen darf, ist reine Kulanz der DB. Mit Ländertickets darf man nur den Fernverkehr nutzen, wenn offiziell ein bestimmter Zug dafür freigegeben wurde, wenn man von einem DB-Mitarbeiter dafür eine schriftliche Bestätigung vorliegen hat, oder wenn man ohne Nutzung des Fernverkehrs stranden würde. Dann wird die Fernverkehrsfahrt als Nutzung eines Alternativen Verkehrsmittels aufgefasst und die Ticketkosten werden bis 80 Euro erstattet.

Die EU-Fahrgastrechteverordnung kennt weder eine Klausel, die eine Vorkasse für Weiterbeförderung durch die Verkehrsunternehmen erlaubt - noch regelt sie die Erstattung von derartigen Auslagen.
Auch Artikel 18 (3) sieht nicht vor, dass die Fahrgäste Auslagen für vom Bahnunternehmen zu organisierende alternative Verkehrsmittel zu zahlen hätte.

Da beides dazu geeignet ist, Fahrgäste von der Wahrnehmung ihrer zugesicherten Rechte abzuhalten, gehe ich nicht davon aus, dass solche Vorkasse-Regelungen bei Verspätungen über 60 Minuten zulässig sind (bei 20 bis 60 Minuten greift die EVO-Regel).

Anders sieht es hingegen bei selbst gewählten alternativen Beförderungsdiensten aus - da greift in den meisten Fällen die EVO, außer wenn die Bahnunternehmen nicht den Verpflichtungen zur Hilfeleistung nachgekommen sind oder nicht nachkommen konnten.

Nebenbei gesagt:
Aus Artikel 17:
"Die Entschädigung für eine Verspätung wird im Verhältnis zu dem Preis berechnet, den der Fahrgast für den verspäteten Verkehrsdienst tatsächlich entrichtet hat.
Wurde der Beförderungsvertrag für eine Hin- und Rückfahrt abgeschlossen, so wird die Entschädigung für eine entweder auf der Hin- oder auf der Rückfahrt aufgetretene Verspätung auf der Grundlage des halben entrichteten Fahrpreises berechnet."

Geschlossen wurde ein Beförderungsvertrag für Erfurt - Reutte und zurück. Die Kosten dafür lagen bei 25€. Auf die Rückfahrt entfällt damit ein Fahrpreis von 12,50€ aus dem sich bei mehr als 2 Stunden eine Entschädigung von 6,25€ ableiten lässt.

Das Ticket wird explizit für Buchungswünsche mit Hin- und Rückfahrt angeboten und ist durch den kurzen Gültigkeitszeitraum nicht für weitere Fahrten auf einer Strecke dieser Länge nutzbar.

--
Wo Logik aufhört fängt das DB-Preissystem an.
2.4.4: "Eine Fahrkarte für eine höhere Produktklasse berechtigt [...] auch zur Beförderung in einer niedrigeren Produktklasse."
Ein Doppelstock-RE ist 4.631,5mm hoch - ein ICE1-Speisewagen nur 4.295mm ;)


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