Weniger Englisch? Weniger Denglisch! (Allgemeines Forum)

sappiosa, Mittwoch, 17.02.2010, 10:39 (vor 6003 Tagen) @ Memminger1985

Hallo zusammen,

jetzt muss ich doch auch noch zu dem Thema meinen Senf dazugeben.

Zunächst mal sollte man hier schon Englisch und Denglisch trennen. Provokant gesagt: Ich spreche englisch, wenn ich englisch spreche, aber nicht wenn ich deutsch spreche. *g*
Und auch zu Denglisch möchte ich differenzieren. Dass Sprachen Begriffe aus anderen Sprachen übernehmen, ist schon immer so gewesen und hat noch keiner Sprache geschadet - im Gegenteil hat es Sprachen bereichert. Gerade Englisch hat sich immer aus allen Quellen bedient und ist damit sehr gut gefahren, es erlaubt heute auch deswegen feine Differenzierungen: "Freedom" (germanisches Wort) und "liberty" (romanisches Wort) heißen nicht ganz dasselbe, auch wenn man ins Deutsche beides mit "Freiheit" übersetzen würde.

Deutsch hat jahrhundertelang erst aus Latein und Griechisch, später aus Französisch reichlich Wörter übernommen. Heute ist Englisch die Hauptquelle. Bei Neu-Erfindungen oder Fachbegriffen habe ich nichts dagegen - lieber gut kopiert als schlecht erfunden. Und wenn es alltägliche Begriffe sind, die man so prägnant auf Deutsch vorher nicht sagen konnte, ist das doch eine gute Sache. Was heißt "fair" auf Deutsch? Und wie kann man auf Deutsch über "Sex" reden, ohne entweder ins Zotige oder ins Medizinische oder ins Verklemmt-Bürokratische zu verfallen? *SCNR*

Ärgerlich wird das erst dann, wenn durch den Neu-Import im Gegenteil Differenzierung verloren geht. Ich finde es schön, eine Fahrkarte, einen Flugschein, eine Eintrittskarte, einen Parkschein und ein Knöllchen voneinander unterscheiden zu können, anstatt das alles "Ticket" zu nennen.

Und dann ist da natürlich noch das Wortgeklingel, das etwa Manager und Unternehmensberater nutzen, um zu tarnen, dass sie gar nicht genau wissen, was sie eigentlich sagen wollen. Genau das wurde leider durch Denglisch massiv aufgebläht. "Wer als Key Player im Global Business bestehen will, braucht eine Vision und eine Mission, der er sich voll und ganz committen muss" (Zitat Telekom). Nicht umsonst gibt es dafür inzwischen das "Bullshit Bingo".

Und in eine ähnliche Richtung gehen "trendige", in Wahrheit m.E. nur dümmliche Werbenamen wie "Backshop" und "Snack Point". Wenn Grube und Ramsauer gegen die zu Feld ziehen, haben sie meine volle Unterstützung. Den Service Point kann man auch einfach wieder Information nennen.
Es muss ja nicht gleich bis auf voll eingebürgerte Markennamen gehen - wie eben ICE. Man hätte ihn auch "Hochgeschwindigkeitszug HGZ" nennen können, wie die Franzosen den TGV; man hat es nicht getan, und inzwischen ist der Begriff ICE so selbstverständlich geworden, dass keiner mehr ein Interesse haben könnte, daran zu rütteln.

Wie es die ZEIT einmal schön ausgedrückt hat: Fremdwörtern kann und soll man die Einreise nicht verweigern, aber man sollte sie einbürgern.

Schöne Grüße
Daniel (aka Sappiosa)

PS: Zu erwarten, dass alle Bahn-Fahrgäste Englisch können, halte ich für Unfug. Warum macht die DB denn neben den deutschen noch englische Ansagen (wenn auch im "Senk you for träweling"-Ton)? Um auch die Fahrgäste zu erreichen, die kein Deutsch können. Deutsch kann man in Deutschland nicht erwarten, Englisch schon? Kann das jemand ernst meinen?
Und dass Deutsch vom Aussterben bedroht sei, ist Blödsinn.


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