Sparpreise vs Spar-Preise? (Allgemeines Forum)

fjk, Mittwoch, 23.03.2011, 09:29 (vor 5542 Tagen) @ 218 466-1

Moin,

grundsätzlich muss man Stefan ja recht geben: unübersichtlich und ungerecht ist das Sparpreissystem schon, gerade für regelmäßige Fahrer - denn irgendwelche Schnäppchenjäger und Großrechner, die einen ständigen Blick auf das Angebot haben und wissen, wann 90 Tage vor ihrer Reise ist, zahlen für die im Zweifelsfall gleiche Leistung im Zweifelsfall viel weniger als der brave Benno Bahncardinhaber.
Der freut sich aber trotzdem, wenn die Umstände ihm auch mal ein Schnäppchen erlauben. Und vergleicht meist (unklugerweise) den Spar- mit seinem 50%-Preis - ohne die Haltungskosten der Bahncard zu berücksichtigen - ist aber der einzige, der wegen der Zugbindung Probleme hat. Heinz Herzpatient und Gerda Gartenlaubenpieperin machen sich auf ihrer einzigen Fernzugfahrt im Jhar zwar Anschlusssorgen, aber nicht wegen der Gültigkeit der Karte - dass sie einen bestimmten Zug nehmen, der ihnen bei der Buchung auch noch mit Gleis und allem gesagt wird, sind sie doch von ihren Malle-Flügen gewohnt. Und um den Rest werden sich die Flughafendamen... äh: Bahner schon kümmern.

Der Bahn sollte es beim Tarifsystem doch aber einzig und allein auf dem Umsatz (bzw. dessen Stabilität und Steigerung) ankommen. Dass man seine Züge auslasten will, hängt vor allem mit dem Taktfahrplan zusammen: wenn zu nicht nachgefragten Zeiten schlicht keine Züge fahren, müssen sie auch nicht bezahlt werden (abgesehen vom toten Rollmaterialkapital - verschärft das Optimierungsproblem natürlich). Insofern wäre es sicherlich am "gerechtesten" zu einem einheitlichen, entsprechend niedrigen km-Preis zurückzukehren - ohne Rabatte und schnick und schnack.
Hier steht z.B. für das erste Halbjahr 2010 ein Umsatz von 1,8 Mrd. Euro für 17 Mrd. Personenkilometer. Das macht keine 11 Umsatzcent pro km - wenn sich jeder Fernverkehrsreisende also entschließen könnte, einen Kaffee (~3 Euro) pro 300 km zu trinken, landete man bei 10 cent pro km. Leicht zu merken, unter jedem (Einzelfahrer-)Autopreis, sogar wenn man nur das Tanken rechnet, und eben gerecht. Mit einem durchschnittlichen Sparpreisansatz von 39 Euro kommt man damit 390 km weit - das deckt schon eine ganze Menge ab. Da niemand gerne in überfüllten Zügen fährt, regelt sich die berühmte Auslastung im wesentlichen von selbst - erst recht im auf der verlinkten Seite stolz verkündeten Bereich um 50%. Fertig ist die Laube. Und Gerda fährt für den gleichen Preis an die Mosel, wie wenn sie Sparpreise nutzte.

Unfair verhalten sich eigentlich übrigens auch die Pseudosparpreisbucher, die nur auf den bindungsfreien Nahverkehr aus sind: denn der ist ja nicht "geschenkt", sondern (weitgehend) vom Steuerzahler bezahlt. Aber kein Problem, wir nehmen Sie doch gerne mit;-)

findet, es lohnt für einen reinen km-Preis zu streiten (mit allen Konsequenzen)
fjk


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