Könnten wir nochmal bei Null anfangen (Allgemeines Forum)

sappiosa, Freitag, 11.06.2010, 17:09 (vor 5787 Tagen) @ ICE-T-Fan

Hallo Markus,

tja, spekulieren wir mal ein bisschen...

Aber ich habe Dein Netz mal hochgerechnet: So schätzungsweise vier- bis fünftausend Kilometer SFS müsstest Du neu bauen. Das ist mehr als das Doppelte des in 30 Jahren gewachsenen, hochgelobten TGV-Netzes in Frankreich.
Da muss man schon feststellen, dass der Staat und die Bahn ihr Geld woanders brauchen. Ganz ehrlich: HGV-Verkehr nach Rügen, Kaiserslautern-Luxemburg, Bremen-Oldenburg, Ulm-Ingolstadt braucht kein Mensch.*
Stattdessen dürfte das Haupt-Hindernis bei der Fahrt von Berlin nach Köln das Ruhrgebiet sein. Wer ernsthaft beschleunigen will (und nichts anderes ist ja der Zweck von HGV), der muss hier auch etwas tun. Das erscheint bei Dir als schwarzes Loch...

Zudem denke ich: Bündeln kann man noch viel mehr. Zum Beispiel können die Strecken von Frankfurt nach Kassel und Erfurt bis auf Höhe Bad Hersfeld zusammengelegt werden.

Ich habe leider kein so schickes Werkzeug zur Karten-Bearbeitung. Vielleicht könntest Du zum Vergleich auf Deiner Karte mal das Netz skizzieren, das ich in diesem Beitrag mal entworfen habe? Das ging auch von Null aus. Vielen Dank im voraus.

Ach übrigens noch etwas: Flusstäler machen den NBS-Bau im Mittelgebirge nicht einfacher - eher im Gegenteil! Denn wirklich ins Tal passt eine HGV-Strecke so gut wie nie, dazu sind die Täler (außer dem Oberrheingraben**) fast immer zu eng und kurvig, außerdem meist dicht besiedelt. Man müsste also in Talnähe bauen, und dort sind die Berge und Hügel schon genauso hoch wie im Rest des Gebirges, aber die Taleinschnitte tiefer - macht entweder längere Tunnel oder höhere Brücken.
Die Idee hinter der Trassierung der "Thüringer-Wald-U-Bahn" Nürnberg-Erfurt war ja eher, dass man den Thüringer Wald da durchsticht, wo er möglichst eng ist, wenn auch hoch - lieber 40 km weitgehend im Tunnel und davor und dahinter i.w. Flachland, als 150 km Berg- und Talfahrt, wo man insgesamt wohl auch mindestens 40 km an Tunneln gebraucht hätte.

Schöne Grüße
Daniel

* So riesig ist die Nachfrage von Dresden und Nürnberg nach Zürich nicht, dass dafür nicht der Bogen über München in Kauf zu nehmen wäre. Und für Züge nach Oldenburg ist es absolut zu rechtfertigen, ab Bremen die Altstrecke zu nehmen.

** Der Oberrheingraben ist denn auch strenggenommen gar kein Flusstal, sondern ein geologischer Grabenbruch, den sich der Rhein als bequemes Bett ausgesucht hat.
Und auch da braucht man neun Kilometer Katzenbergtunnel, sobald einmal der Schwarzwald nahe an den Fluss heranrückt... rein topographisch wäre hier die einfachste Lösung, von Freiburg nach Basel auf die andere Rheinseite auszuweichen und dabei en passant noch die LGV Rhin-Rhône anzubinden. Nun, bekanntlich liegt dort Frankreich. Es würde mich mal interessieren, ob die deutschen Planer jemals diese Möglichkeit in Betracht gezogen und bei den Franzosen angeklopft haben, ob das ginge.


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