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J-C, In meiner Welt, Samstag, 08.05.2021, 16:19 (vor 1804 Tagen) @ Ost-Lok-Fan

Zum einen warum versteifst du dich auf den Wiener als Besucher vom Balaton?

Weil das die sinnvollste Art wäre, das ganze zu produzieren. Durchbindungen werden kaum möglich sein. Höchstens nach Linz, das wäre noch innerhalb meiner Vorstellungskraft. Aber auch dort fix außerhalb des Taktes.

So ein Zug kann wie auch immer geartet, auch als Verlängerung einer Nachtverbindung dienen (mit oder ohne Kurswagen) durchaus nützlich sein.

Ok, das klingt nach einer guten Idee, allerdings werde ich mir erlauben müssen, die Probleme damit aufzuzählen.

1. Die ÖBB haben ihren Stützpunkt bei den Nightjets in Wien, das heißt, was auch immer nicht in Wien endet, muss irgendwie nach Wien zurück. Sofern man nicht reine Sitzwagen an den Balaton schickt, wird man schonmal Liege- und Schlafwagen leer mitschleppen müssen. Und dafür gibt es ein Zugpaar, um die Kurswagen dorthin zu führen. Dann wären das auch ÖBB-Wagen.

Das wäre also fix teurer. Würde die MÁV die Nachtzugwagen dorthin stellen, wäre das Problem das gleiche, denn natürlich hat die MÁV keinen Stützpunkt für Nachtzüge am Balaton. Die DB hat nicht aus reiner Boshaftigkeit die eigenen Nachtzüge eingestellt. Es lohnt sich einfach nicht für jeden, das zu betreiben, auch die ÖBB müssen da stark auf die Kosten achten. Deswegen ja auch die Komforttickets, man möchte wie beim Flieger möglichst profitable Preise aufrufen, um diese Wagen, die im Tagesverkehr nicht besonders sinnvoll einsetzbar sind, entsprechend gewinnbringend einsetzen zu können. Und da sind Leerfahrten eher nicht so hilfreich.

2. Angenommen, wir würden keine Schlafwagen, sondern nur Sitzwagen dorthin führen. Dann müssen wir uns im Klaren sein, dass diese ab Wien solo zum Balaton abseits des Taktes fahren. Wer vorher im Liegewagen war, kann zumindest mittels Wagenwechsel im selben Zug direkt zum Balaton fahren, das Angebot würde also attraktiver sein als eine Umsteigeverbindung... aber dann die Frage, wer die Wagen stellt. Tun es die ÖBB, müssen die Wagen irgendwann zurück nach Wien, entweder als extra Zugpaar oder eben irgendwie in den Nightjetumläufen mitschwimmen. Das kostet schonmal extra Rangierkapazitäten im Ganzen.

Haben die MÁV die Kapazitäten, mal eben ein paar Wagen für 2 Tage fix ins Ausland zu binden? Ich meine, man ist doch eher spärlich bei sowas. Das würde eher komplex sein. Und dann muss die MÁV ja auch schauen, wie sie eine Leistung an den Balaton bringt, damit dieser nach Wien fährt.

An den Balaton fährt nicht nur der Wiener an sich.

Also Altmann meint, der Balaton wäre tot - und ich bin mir sicher, er meint nicht die Corona-Zeit damit. Die meiste Kundschaft wird fix aus dem Raum Budapest kommen, aus dem selben Grund, wieso der Neusiedler See oder der Semmering am ehesten von Wienern frequentiert werden, wenn es um Tourismus geht.

Wenn es eine attraktive Verbindung mit Nachtzuganbindung aus Westeuropa gibt, gäbe es da sicher Potential, welches du warum auch immer - und in einer sehr befremdlichen Diskussionsweise - negierst.

Ich versuche dir einfach nur näherzubringen, wieso die Geschichte einfach sehr komplex ist und die Bahngesellschaften sich diese Komplexität in der Produktion eher ersparen, sofern nicht ein politischer Wille dahinter steht. Sag den Regierungen in Wien und Budapest, dass eine Verbindung an den Balaton so toll ist. Wenn du die davon überzeugst, wird man sicher was drehen können.

Auch gibt es bei den ÖBB und anderen Bahnen genug Beispiele für Züge außerhalb von deinen achso heiligen Taktlagen. Die Borkum IC am Wochenende in der Saison bei der DB oder die im letzten Jahr geführten Ost/Nordsee ICE. Deiner Argumentation nach dürften auch Taktverstärker an Wochenenden oder zu Feiertagen quasi verboten sein, weil sie nicht in einem Takt mit schwimmen.

Dann hast du meine Argumentation leider nicht ganz erfasst. Das ist alles richtig, ich war ja selbst mal in einem IC von Hamburg nach Freilassing gefahren, der noch weiter bis Berchtesgaden führt. Alles richtig, weiß ich.

Aber weißt du, was das Ding ist? Das findet immer im selben Land statt. Einfach, weil die DB es leichter hat, mit sich selbst die Dinge abzustimmen, als noch mit einer ausländischen Partnerbahn. Und noch einmal, es gibt mit dem Neusiedler See für Österreicher generell einen näheren See, der sich im Inland befindet (und damit sind die Fahrpreise auch günstiger).

Wäre der Balaton so attraktiv, würden die Leute doch Busweise oder in PKW-Kolonnen, wie es bei solchen Destinationen meist üblich ist, anreisen.

Tun sie das? Wenn nicht, würde ich auf der Schiene nicht so viel Potenzial sehen.

Achja, du hast ja mal den Emona erwähnt. Man kann die Anzahl an Verbindungen zwischen Österreich und Slowenien an einer Hand abzählen. Der Emona bietet zufälligerweise die einzige direkte Anbindung zwischen der Österreichischen und Slowenischen Hauptstadt auf der Schiene. Das ist doch etwas bedeutender als der Balaton, davon abgesehen, ist er in Österreich im Takt eingebunden, wird vom Bund bestellt und in Slowenien gibt es so wenig Fernverkehr, da wird es von der Auslastung auch schon passen.

Der Zug lohnt sich so sehr, er ist der einzige Zug, wo der Slowenischen Bahn es wert ist, einen ihrer 2 Speisewagen zu schicken.

Das kriegst du am Balaton einfach nicht. Innerhalb Ungarns wäre die Verbindung einfach eher nicht so bedeutend.

Ich würde ja super gerne eine Verbindung an den Balaton sehen, why not? Bin der letzte, der dagegen wäre. Aber ich sehe einfach das nicht kommen - und das aus nachvollziehbaren Gründen.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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