DB Netz Kriterium greift viel zu spät (Allgemeines Forum)

ThomasK, Mittwoch, 16.10.2019, 11:42 (vor 2549 Tagen) @ JumpUp
bearbeitet von ThomasK, Mittwoch, 16.10.2019, 11:42

Du schreibst (1):

Einige Punkte hat ThomasK sehr gut erkannt und herausgearbeitet,
aber die grundsätzliche These ist falsch.

Die KBS 960 ist NICHT überlastet.

Ja, die KBS 960 ist weitestgehend eingleisig, stark ausgelastet und hat eine schlechte Betriebsqualität aufgrund anspruchsvollem Fahrplan, der bei jeder Abweichung zu Folgeverspätungen der anderen RB/RE/ICE führt. Ein zweigleisiger Ausbau oder zumindest abschnittsweise.

Ich dazu (1):

Vielen Dank für deinen guten Beitrag.

Zum Glück gibt es hier noch Leute, die logisch denken und etwas von der Eisenbahn verstehen.

Da kann man vernünftig diskutieren.

Ja, du hast recht, dass die DB Netz die KBS 960 noch nicht als überlastet deklariert hat.

Allerdings geht es um zwei Dinge.

Wie schon im Deutschlandtakt festgestellt wurde, wäre es notwendig, zwischen München und Garmisch-Partenkirchen mit Regionalexpressen im Stundentakt zu fahren und in der HVZ mit der Regionalbahn im Halbstundentakt.

Da dies aber infrastrukturell nicht funktioniert, hat die BEG dafür erst gar keine Bestellung gemacht. Also ist die Aussage, dass die DB Netz auf der KBS 960 alle Trassenwünsche erfüllt hat, kein relevantes Entscheidungskriterium, da außer der BEG de facto kein Nachfrager auftritt. DB Fernverkehr bestellt pro Woche zwei Zugpaare.

Darüberhinaus habe ich habe ich nicht behauptet, dass es in Deutschland außer der KBS 960 nicht noch andere Strecken gibt, wo ein Ausbau noch dringender notwendig wäre. Ganz im Gegenteil. Wer sich meine Beiträge durchliest, kann meine Ausführungen zu zahlreichen Strecken, zu denen ich mich geäußert habe, alle nachlesen.


Und zum Zweiten geht es darum, dass das Kriterium der DB Netz viel zu spät ansetzt.

Fakt ist, dass man bei einer guten Verkehrsplanung die Entwicklung der Verkehrsströme und die aktuelle Betriebsstabilität mit berücksichtigen muss.

Der Großraum München ist DIE Boomregion Deutschlands.

Die Immobilienpreise und die Mieten explodieren in München und durch die Flächenknappheit und Wohnungsknappheit in München werden die Verkehrswege immer länger.

München hat gerade mal 40 % der Fläche Hamburgs und mittlerweile 85 % der Einwohnerzahl Hamburgs.

Und im Hinblick darauf, dass Infrastrukturausbaumaßnahmen einen langen Vorlauf haben, muss selbstverständlich die Politik schon frühzeitig reagieren.

Eine gute zukunftweisende Politik STEUERT die Rahmenbedingungen dergestalt, dass die Mobiltätsbedürfnisse ZUKUNFTSWEISEND geplant werden.

Aber genau das wird nicht gemacht.

Die Entwicklungen werden völlig verschlafen.

Wäre die Politik intelligent, dann würde sie auf Vorrat planen und bereits jetzt die Planfeststellungsunterlagen für einen zweigleisigen Ausbau erstellen lassen, damit man dann bereits Baurecht hat.

Das Baurecht gilt dann 10 Jahre und kann um 5 Jahre verlängert werden.

Sind dann die Gelder da, dann kann man gleich ohne weitere juristische Verzögerungen, da man Baurecht hat, gleich mit der Ausschreibung der Bauleistungen beginnen.

Das erfordert aber von der Politik Weitsichtigkeit und Intelligenz.


Du weiter (2):

Aber die Strecke ist dennoch nicht überlastet, denn nur wenn eine Strecke durch die DB Netz AG als "Überlasteter Schienenweg" (ÜLS) deklariert wurde, gilt sie offiziell als überlastet.

Wann erklärt die DB Netz AG einen Streckenabschnitt als "überlastet"?

Eine Strecke wird alsbald als überlastet erklärt, wenn nicht sämtliche angemeldeten Verkehre (durch Fernverkehr, Regionalverkehr / Länder und Güterverkehr sowie div. Ausflugsverkehr) im Fahrplan konstruiert werden können. Das heißt: Eine Strecke gilt als überlastet, wenn angemeldete Verkehre abgelehnt werden und ein Verkehrsunternehmen seinen Verkehr - trotz Fahrplanoptimierung mit DB Netz und in Abstimmung mit den anderen Verkehrsunternehmen - nicht durchführen kann. Dies ist beispielsweise gegenwärtig im Abschnitt "Köln Mülheim - Köln Messe/Deutz - Köln Hbf" der Fall. Hier mussten im letzten Fahrplan RE-Linien sowie Halte in Messe/Deutz abgelehnt werden, weil es die Streckenkapazität - selbst nach Optimierung - einfach nicht hergibt. Selbst in schlechter Betriebsqualität war es physikalisch nicht möglich, alle Verkehre irgendwie zu realisieren. Und erst dann ist die Strecke überlastet.


Ich dazu (2):

Formaljuristisch hast du recht, aber da die BEG mangels Infrastruktur erst keine andere Bestellung durchgeführt hat und DB Fernverkehr nur zwei Zugpaare pro Woche bestellt, ist das Entscheidungskriterium ein Zirkelschluss, der nicht greift.


Du weiter (3):

Von München nach Garmisch gibt es viel Ausbaupotential und viele Zwangspunkte,


Ich dazu (3):

Genau darum geht es.

Und diese Zwangspunkte sorgen für einen instabilen Betrieb, der sich auch auf die S-Bahn auswirkt.


Du weiter (4):

aber bislang konnte jeder angemeldeter Verkehr (nach Optimierung und enger Abstimmung mit allen Verkehrsunternehmen) umgesetzt werden. Somit ist zwar die Betriebsqualität suboptimal, aber die Auslastung der Strecke gibt den Verkehr her, es ist keine Überlastung.


Ich dazu (4):

Da die BEG in Kenntnis der unterdimensionierten Infrastruktur erst keine andere Bestellung getätigt hat, ist genau das der Nachweis dafür, dass das Kriterium der DB Netz viel zu spät greift und genau das ist auch politisch gewollt, damit kein öffentlicher Druck entsteht, etwas machen zu müssen.

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Wie ich schon geschrieben habe, ist es eine POLITISCHE Entscheidung die Autobahn nach Garmisch-Partenkirchen für eine Milliarde € auszubauen und die Schiene zu vernachlässigen.

Vor gerade einmal 4 Wochen wurde eine funkelnagelneue Autobahn mitten durch das FFH-Gebiet Isental eröffnet. Im selben Verkehrskorridor ist die Bahnstrecke München - Mühldorf (KBS 940) immer noch nicht ausgebaut und der 218er-Schrott zieht dort gemütlich seine Kreise.

Der Altöttinger Landrat hat übrigens die Gegner der Isentalautobahn, die viel lieber die KBS 940 ausbauen wollten, als Arschlöcher und Grattler bezeichnet.

https://www.merkur.de/lokales/erding/dorfen-ort28598/eklat-bei-a94-eroeffnung-csu-landr...


Übrigens schadet die Eröffnung der Isentalautobahn der KBS 940 enorm:

https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-isental-a-94-autobahn-anwohner-laerm-1.4626841


Zitat:
"Trotzdem: Viele Pendler aus den Landkreisen Mühldorf und Erding haben sehnsüchtig auf die Eröffnung der 33 Kilometer langen Isentaltrasse der A 94 gewartet, um endlich vom Zug auf das Auto umsteigen zu können. Zugverspätungen, Zugausfälle und die ständigen Probleme mit den S-Bahnen strapazieren die Nerven der Pendler permanent. Kein Wunder, dass zuletzt bei Gesprächen im Zug immer wieder ein Seufzer zu hören war: "Gott sei Dank, endlich kann ich aufs Auto umsteigen."


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Fakt ist: Deutschland setzt auf die Straße und nicht auf die Schiene. Das ist eine politische Entscheidung.

Und die allergrößte Heuchlerin ist Merkel, die ständig mit warmen Worten erklärt, wie viel die Bundesregierung für den Klimaschutz tut. Da ist mir Trump lieber, der gleich am Anfang sagt, dass er nicht an die menschengemachte Klimaerwärmung glaubt. Wissenschaftlich liegt er falsch, aber wenigstens ist er ehrlich.


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