Die KBS 960 ist überlastet (1) (Allgemeines Forum)

ThomasK, Mittwoch, 16.10.2019, 01:32 (vor 2550 Tagen) @ ffz

Du schreibst (1):

Auch wenn du dir das nicht vorstellen kannst die ICE sind nicht für die Pendler/Nahverkehrsfahrgäste da sondern sollen das Karwendelgebiet für die Touristen umsteiegfrei erreichbar machen und so eine Alternative zum Auto bieten. Das hat auf der Strecke eine lange Tradition.


Ich dazu (1):

Auch wenn DU es dir nicht vorstellen kannst:

Das Zauberwort heißt: BETRIEBSSTABILITÄT.

Damals fuhr man eben NICHT im Halbstundentakt bis Weilheim und damals gab es auch noch die Kreuzung Diemendorf, die man - völlig irrsinnig - abgebaut hat. Und damals fuhr die S-Bahn zwischen Gauting und Tutzing nur alle 40 Minuten.

Vor allen Dingen gab es nicht die Expresszüge, die sehr viel Kapazität fressen.

Das kann man mit damals überhaupt nicht mehr vergleichen.

Und der Quelle/Ziel-Verkehr Richtung Werdenfels ist eben von MÜNCHEN aus übermächtig und NICHT von Berlin aus.

Ja, ich bin auch dafür, ICEs durchzubinden - aber erst NACH einem zweigleisigen Ausbau Tutzing - Garmisch-Partenkirchen.

Übrigens sieht der Deutschland-Takt zwischen München und Garmisch-Partenkirchen einen STUNDENTAKT mit RE vor und in der HVZ einen HALBSTUNDENTAKT mit RB - ansonsten außerhalb der HVZ einen Stundentakt zuzüglich zum RE. Ohne Zweigleisigkeit völlig undenkbar, zumal noch pro Stunde und Richtung für Notverkehre bei Streckensperrung über Kufstein eine Reservetrasse zu beachten ist.

Solange aber die Strecke eingleisig ist, geht aber nur ein ZWEISTUNDENTAKT mit RE und ein STUNDENTAKT mit RB. Fertig.

Wenn DB-Fernverkehr bereit wäre, die ICE zwischen München Hbf und Garmisch-Partenkirchen für die Fahrausweise des Nahverkehrs zu öffnen, dann kann man gerne darüber reden, den ICE in 70 Minuten in der RE-Trasse fahren zu lassen.

Nachdem das aber DB Fernverkehr nicht tun wird und Taktverkehr eindeutig Vorrang hat bleibt die KBS 960 eine Strecke, auf der der Regionalverkehr das Sagen hat und nicht der ICE. Punkt.

Ohne Zweigleisigkeit läuft da eben nichts.

Beispielsweise hat die RB 5523 zwischen Garmisch-Partenkirchen und Tutzing auf 61 km Länge sage und schreibe 6(!) Zugkreuzungen. Da ist der Fahrplan so stabil wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

Hast du dir schon einmal den Betrieb auf der KBS 960 angeschaut?

Höchstwahrscheinlich nicht, aber sehr wohl ich! In der täglichen Praxis.

Wenn du da zum Ergebnis kommst, dass die KBS 960 nicht überlastet ist, dann muss ich schallend lachen.

Von der KBS 930 einmal abgesehen, kenne ich keine Strecke so gut wie die KBS 960.


Du weiter (2):

Es wäre der BEG unbenommen gewesen, schon bei der letzten Ausschreibung einen 2-stündlichen RE zu bestellen, die Fahrplanlücken die die heuteigen RE's nutzen sind so auch in den übrigen Stunden nutzbar.

Ich dazu (2):

2013 waren weder die neue Eckbauerbahn, die übrigens sehr gut angenommen wird und die doppelte Kapazität der alten Eckbauerbahn aus dem Jahr 1956 hat, noch die neue Seilbahn Zugspitze, die ebenfalls mehr als die doppelte Kapazität hat als die alte Eibsee-Seilbahn, da die alte Bahn 44er Kabinen hatte und die neue Bahn 120er Kabinen und die Fahrzeit gleich geblieben ist.

Erst nach der Inbetriebnahme der neuen Seilbahn Zugspitze zog der Tourismus deutlich an. Durch den Wegfall von 2 Stunden Wartezeit bei der alten Eibsee-Seilbahn hat die Zahl der Fahrgäste deutlich zugenommen.

https://www.br.de/nachrichten/bayern/hoehenflug-rekordergebnis-bei-der-bayerischen-zugs...

Selbst auf dem Times Square in New York waren riesige Bilder von der Seilbahn Zugspitze zu sehen, was sehr bemerkenswert ist, da die USA hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind. In der ganzen Welt wird über die dreifache Weltrekordbahn berichtet und etliche Touristen, die sowieso in München sind, wollen dann auch gleich auf die Zugspitze fahren.

Ich war etliche Male auf der Zugspitze und habe mit zahlreichen Touristen geredet.

Selbst Schweizer, die ein paar Tage Urlaub in München machten, haben mir erzählt, dass sie von München nach Garmisch mit dem Zug gefahren sind, um die Zugspitze zu besuchen. Normalerweise fahren die Schweizer in Deutschland eher die Strecke Lindau - München und seltener die Strecke München - Garmisch. Das hat sich seit der Inbetriebnahme der neuen Seilbahn Zugspitze deutlich geändert. Nunmehr sind in den Zügen zwischen München und Garmisch auch viel mehr Schweizer unterwegs.

Früher kam es in den Zügen recht selten vor, dass man zwischen München Hbf und Garmisch-Partenkirchen Schweizerdeutsch hörte, aber heute ist das schon Standard.

Zwar ist es ungewöhnlich, wenn die Schweizer nach Deutschland fahren, um mit einer Seilbahn zu fahren, aber die Zugspitze ist nun einmal - neben München natürlich - DER Magnet in Oberbayern.

Also MUSS man reagieren, wenn man zwischen München und Garmisch die Leute vom Auto in die Züge bringen will.


Du weiter (3):

Allerdings wären es dadurch mehr Zugkilometer geworden und somit die Ausschreibung teurer. Da man aktuell noch nicht mal genug Talent II hat, die man nicht mehr nach beschaffen kann, um überhaupt das aktuelle Fahrplanangebot zu fahren, weil DB Regio Talent II für den UFEX abziehen musste, fahren schon heute einzelne RBs mit 111er/146er und Dostos.


Ich dazu (3):

Durch die Umstellung des Nürnberg-München-Expresses auf Skoda-Fahrzeuge vsl. ab 15.12.2019 mit 3 Jahren Verspätung werden Bvmz frei.

Außerdem: Wenn es bestellt und bezahlt wird, dann sind die Fahrzeuge da.

Im übrigen habe ich schon öfters ausgeführt, dass Regionalisierungsmittel zur Finanzierung des S-Bahn-Tieftunnels zweckentfremdet werden.

Du weiter (4):

Solche touristischen Fernverkehrsleistungen gibt es auf mehreren Strecken im In- und Ausland und die Nachfrage bestätigt den Sinn dieser Züge, so z.B. den IC nach Berchtesgaden, die IC nach Oberstdorf, den IC nach Burg(Fehmarn), die IC nach Emden-Außenhafen, die EC nach Klagenfurt, Villach,...


Ich dazu (4):

Du vergleichst Äpfel mit Birnen.

Die eingleisigen Strecken Freilassing - Berchtesgaden bzw. Immenstadt - Oberstdorf sind bei weitem kürzer als die eingleisige Strecke Tutzing - Innsbruck-Westbahnhof.

Abgesehen davon wird zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden meist nur ein Stundentakt gefahren, sodass beim Halbstundentakt lediglich eine 15 km lange Strecke zwischen Freilassing und Bad Reichenhall verbleibt.

Und was Oberstdorf anbetrifft, ist die Strecke gerade mal auf 20 km Länge eingleisig und es gibt im Schnitt alle 3 - 4 km eine Kreuzungsmöglichkeit. Da Oberstdorf ohnehin Endstation ist und 5 Gleise zur Verfügung stehen, kann man da ohne Probleme einen Fernverkehrszug hineinschnippeln. Und Augsburg - Buchloe - Kempten (Allgäu) - Immenstadt ist durchgehend zweigleisig, sodass einem Fernzug Berlin - Augsburg - Buchloe - Kempten (Allgäu) - Immenstadt - Oberstdorf grundsätzlich nichts im Wege steht.

Zwischen Tutzing und Innsbruck-Westbahnhof sieht das völlig anders aus, zumal auch noch die Halbstundentakte Scharnitz - Innsbruck und Tutzing - Weilheim zu beachten sind und der S-Bahn-Verkehr Gauting - Tutzing, der vsl. im Dezember 2020 auf einen ganztägigen 20-Minuten-Takt umgestellt wird.

Somit eine völlig andere Infrastruktur, völlig andere Voraussetzungen. Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Es ist zwingend, das Planungsdreieck zu beachten, welches die Abhängigkeit zwischen Infrastruktur, Fahrplan und Fahrzeugen aufzeigt.

Man muss stets alle drei Parameter des Planungsdreiecks beachten, denn mit zwei Beinen kippt der dreibeinige Schemel um.

Das sollte eigentlich nicht so schwer zu kapieren sein.

Merke: Die Planungsfehler von heute sind die Betriebsstörungen von morgen.

- Teil 2 -


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum