US: gibt es dort das Open-Access-Verfahren? (Allgemeines Forum)

oska, Mittwoch, 31.07.2019, 11:51 (vor 2444 Tagen) @ Oscar (NL)

Kann es sein, dass die USA unbekannt sind mit dem in Europa üblichen Open-Access-Verfahren? (Privatunternehmen benutzen gemeinwirtschaftliche Infrastruktur und bezahlen eine periodische Gebühr für die Trassen die sie benutzen möchten)

Wie genau das funktioniert, kann ich Dir nicht sagen. In Deutschland gibt es die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen mit Sitz in Bonn, in den USA das Surface Transportation Board. Die ist im 49 U.S. Code § 24308. Use of facilities and providing services to Amtrak erwähnt.

Ich habe so den Eindruck, Infra ist in der Hand von denselben Unternehmen, die auch die (Cargo-)Züge fahren.

Besonders für Schüttgut war und ist die Eisenbahn alternativlos. Wenn Eisenerz, Kohle oder andere Dinge aus Bergwerken oder Tagebauen über weite Strecken transport werden müssen, ob in Australien, Amerika, Asien oder Afrika - dann sind das Dimensionen die wir uns in winzigen dichtbesiedelten Flächenstaaten wie wir sie in Europa haben gar nicht vorstellen können.

Somit wurden die Strecken in den USA von den Unternehmen gebaut und bezahlt, die Eisenerz o.ä. abgebaut haben. Das Geld kam aus dem Verkauf des Eisenerz. Die Strecken gehörten damit den Unternehmen. Das man damit auch Arbeiter, später Reisende und Militär transportieren konnte, war ein netter Nebeneffekt.

Durch aus Steuergeldern finanzierte Highways und Autobahnen ist es für neue Marktteilnehmer oft günstiger die subventionierten Straßen zu nutzen als Trassengebühren zu bezahlen. Ein großer amerikanischer Onlineversandhändler baut seine Frachtzentren in Deutschland in Autobahnnähe. Ebenso ein großes deutsches Logistik- und Postunternehmen mit Sitz in Bonn.

Die Eisenbahninfrastruktur wurde in beiden Ländern über Jahre vernachlässigt. Einige Eisenbahnunternehmen in den USA gingen pleite. Amtrak ist dadurch inzwischen im Besitz von eigenen Trassen, doch zahlreiche Trassen gehören auch weiterhin privaten Unternehmen. Wenn es eine sinnvolle Regulierung mit wirtschaftlich sinnvollen Preisen gibt, stellt das für den wirtschaftichen Betrieb kein Problem dar. Für Eisenerz ist es jedoch egal, ob der Zug drei Tage mit 40km/h durch die Landschaft tuckert oder mit 400km/h nur drei Stunden braucht. D.h. die Besitzer der Strecken haben kein Interesse die Trasse für den HGV auszubauen, wenn die nur Schüttgut transportieren.

Autobahnen durch Österreich rechnen sich vor allem für Deutschland und Italien.

So, wie Du es beschreibst, kann ich die Gegner verstehen. An die Infra ändert nichts, der Unterschied ist das man jetzt bezahlen muss während man die Infra vorher "kostenlos" hatte.

Ich weiß jetzt nicht genau, wen Du mit Gegner meinst. Anwohner, die ihre Ruhe haben wollen und nur Einheimische auf der Autobahn fahren lassen wollen oder Reisende die gegen Maut sind. Ich wollte mit dem Beispiel auch nur verdeutlichen, das eine Straße/Schienenstrecke kein Selbstzweck hat um Geld zu verdienen (wie ein Kino oder Freizeitpark), sondern den Mehrwert außerhalb bietet.

Aber gegen welchen Preis bzw. Nutzen/Kosten-Faktor? Was in den USA passiert wurde in einem Kommentar hervorragend beschrieben: "they are buying a Ferrari whilst most current roads cannot even cope with a Volkswagen".

Bei Deutschlandfunk gibt es einen Artikel über die marode Infrastruktur in den USA. Ähnliches kann man mit Sicherheit auch über Deutschland finden. In jeder Stadt gibt es Straßen, deren Schlaglöcher nur notdürftig geflickt werden. Vor der eigenen Haustür empfindet man die Probleme immer am schlimmsten. Auch die sanierungsbedürftigen Brücken, Schiene und Straße, sind uns gut bekannt. Nicht alles davon ist Jammern auf hohem Niveau. Doch wo es am schlimmsten ist, das kann ich nicht beurteilen.

Wenn auf einer Strecke nur Eisenerz transportiert wird, dann kann dort auch eine private Firma eine Eisenbahnstrecke wirtschaftlich betreiben. Wenn die Schienen ohnehin liegen, können auch Personen wirtschaftlich transportiert werden.


Bin ich mir nicht sicher.

Es ging bei meiner Antwort darum, das die Strecke wirtschaftlich ist. Das ist sie ja alleine durch die Güterzüge. Wenn der Betreiber zusätzliche Einnahmen durch ein anderes Unternehmen erhält, das dort Personenzüge fahren lassen möchte, dann bleibt die Eisenbahnstrecke wirtschaftlich.

Die Cargobahnen in den USA sind in der Regel nicht für personenverkehrstaugliche Geschwindigkeiten ausgelegt.

Ja, das stimmt. Wenn Du Dir in Deutschland die SFS Hannover-Würzburg weg denkst, dann könnte man auch zweifeln, ob auf der alten Strecke ein Zugbetrieb nach heutigen Stand wirtschaftlich durchgeführt werden könnte.

2. dafür sind europäische Güterzüge meist schneller (und auch energie-effizienter?) unterwegs als amerikanische Güterzüge

Die müssen nur so schnell sein, da nach ein paar Stunden die Nacht vorbei ist und die Personenzüge die Trassen brauchen. Ansonsten wäre es auch in Europa egal, ob der Zug 10 oder 20 Stunden braucht.

Wieviele Menschen braucht man um ein riesiges Containerschiff in Rotterdam oder Hamburg zu entladen? Vermutlich nicht viel mehr, als gerade diesen Beitrag lesen. Das funktioniert zum größten Teil automatisch, die Container fahren in für Menschen gesperrten Bereichen automatisch zu ihrem Ziel und werden auf den warten LKW oder Güterzug geladen.

So in der Art stelle ich mir den Güterverkehr der Zukunft vor. Die Güterwaggons werden sich in den nächsten 30 Jahren schneller entwickeln als sie es in den letzten 30 Jahren getan haben. Ein eigener Antrieb je Wagen, ähnlich wie in modernen Triebzügen, Rekupation & Co für bessere Energieeffizienz. Autonomes fahren und die Dinger können auch tagsüber Lücken auf der SFS nutzen. Selbst wenn die dann zwei Stunden auf einem Abstellgleis auf die nächste Lücke warten müssen stört das keinen.

3. dafür verkehren europäische Güterzüge meist öfter als amerikanische Güterzüge

Bei amerikanischen Güterzügen habe ich die langen Schüttgutzüge vor Augen, wie ich sie mir auch durch Australien vorstellen. Bei deutschen Güterzügen denke ich an Containerzüge. Öfter ergibt sich auch aus schneller und kürzer.

Inzwischen transportieren die Chinesen fast soviel oder sogar mehr Güter über deren Schienennetz als die Amerikaner. Wenn ich dieses Video angucke, sehe ich hier vor allem elektrifizierte Strecken und Güterzüge mit aufgebügelten Elloks und einfach gestapelten Containern. Es geht also auch "the European way"... vielleicht sogar besser?

Hier weiß ich nicht so richtig, worauf Du hinaus möchtest. Chinas Wirtschaft wächst, d.h. es müssen mehr Güter transportiert werden. Gütertransport auf der Schiene ist sinnvoller als auf der Straße. In den USA und Deutschland wurde viel falsch gemacht und durch die Innovation Auto/Straße/Lkw viel bei der Bahn kaputt gemacht. Als Privatunternehmen nutze ich die Straße, selbst wenn der Transport dort teurer ist, einen Großteil der Kosten jedoch der Steuerzahler übernimmt. Als privates Unternehmen interessiert mich hauptsächlich, was für mich am billigsten ist. In China könnten die Straßen schon so verstopft sein, das sich dort der Güterverkehr nicht lohnt oder der Staat macht die Vorgabe Schiene statt Straße, da es für ihn billiger ist. Somit wächst in China der Transport auf der Straße während man in den USA und in D über ein gutes Straßennetz verfügt und mit Gigalinern und Co experimentiert. Autonomes fahren auf der Straße wird in den USA bereits ausprobiert, ist im Güterverkehr aber noch nicht ausgereift.

Elektrifizierte Strecken sind für mich normal. Erst durch Deine Erwähnung wird mir wieder klar, das in Deutschland viele Strecken noch nicht elektrifiziert sind. Der JadeWeserPort wird erst in drei Jahren per E-Lok erreicherbar sein. In den USA sind viele Strecken ebenfalls nicht elektrifiziert. Wer dort seit 300 Jahren Schüttgut fährt, der nutzt die Strecke so wie sie ist. Die Dieselloks sind vorhanden und Energie/Umwelt ist vielen in den USA nicht so wichtig. Energie ist billig und genug vorhanden - der Klimawandel laut Trump ohnehin nur so eine Art Verschwörungstheorie.

Was meinst Du denn mit aufgebügelt? Das der Stromabnehmer oben ist? Ohne kann die Lok doch gar nicht fahren. Aufgebügelten Elloks klingt für mich wie vollgetankte Dieselloks.

Vielleicht sogar besser? Hoffentlich. Der Eisenbahnbetrieb ist eine sehr ausgereifte und öffentlich bekannte Technologie. Rekuperation, WLAN, ... auch in Deutschland entwickeln sich Standards weiter. Niemand wird heute neue Strecken mit Dampfloks planen sondern die vorhandene Technik nutzen, das beste übernehmen und andere Dinge verbessern. D.h. wenn in einem Entwicklungsland heute die Eisenbahn 'erfunden' wird, dann startet der Zugbetrieb nicht auf Basis des Adler von 1835, sondern mit der Technik des 21. Jahrhunderts.


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