Ruhrgebiet vs. Randstad. (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 09.04.2019, 13:04 (vor 2555 Tagen) @ JanZ

Hallo JanZ,

Das gilt allerdings alles auch nur, soweit man sich in sehr großen Städten oder in der jeweiligen Hauptrichtung bewegt, also meist zwischen Zentrum und Stadtteilen. Alles andere kann je nach Stadt schon wieder deutlich schwieriger werden. Negativbeispiel ist hier wegen der polyzentrischen Struktur, für die das Schienennetz nie adäquat ausgebaut wurde, das Ruhrgebiet.

Die Randstad ist auch polyzentrisch. Dennoch erfahre ich den ÖPNV in der Randstad als sehr gut.
Was hat die Randstad, was das Ruhrgebiet nicht hat?

1. Siedlungsstruktur. Bei uns bilden Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht ein Viereck. Die Verbindungen zwischen den 4 Städten sind dementsprechend ausgebaut. Unterwegs findet man noch Haarlem, Leiden, Delft, Schiedam, Zoetermeer, Gouda und darüber hinaus (dank Durchbindungen über das Viereck hinaus) noch Almere, Lelystad, Hilversum, Zaandam, Alkmaar, Amersfoort und Dordrecht.
Köln, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Dortmund liegen auf einer Stammstrecke, die den meisten Verkehr aufnimmt. Städte wie Neuss, Wuppertal, Hagen, Oberhausen, Gelsenkirchen, Herne und Recklinghausen haben eine untergeordnete Rolle.

2. Zuschlagfreier Pseudofernverkehr. Im Ruhrgebiet gehen Trassen verloren an ICEs. Ist nicht schlimm, aber diese kann man nicht für schnellen Verkehr innerhalb des Ruhrgebietes verwenden.
In der Randstad ist wenig Fernverkehr dafür aber viel Pseudofernverkehr namens "IC", wofür man denselben Tarif bezahlt wie eine S-Bahn, während der deutsche IC eine spezielle Fahrkarte voraussetzt. Der Pseudofernverkehr reicht sogar bis Groningen, Enschede, Maastricht, Vlissingen. Also das ganze Land. Zwar hat das Ruhrgebiet auch REs, aber...

3a. Linienführung in Halbstundentakt. Dadurch, dass im Ruhrgebiet der Verkehr auf einer Magistrale fokussiert ist, braucht man auch viele Direktverbindungen mit Abweichung. Die Randstad ist eher für Korrespondenzumstiege ausgelegt, also sind relativ wenig Linien nötig, die man dann in Halbstundentakt anbieten kann, während NRW-RE-Linien nur stündlich verkehren.
3b. Gleichermassen Bündlung mehrerer Linien. Wenn zwei Linien zusammen auf einer Strecke sind, versucht man in der Randstad einen 15-Minutentakt daraus zu machen, während im Ruhrgebiet die 5 RE-Linien Duisburg-Düsseldorf kreuz und quer über die Stunde verteilt sind.

4. Nur zwei, meist konsequente, Zuggattungen: "IC" und "Sprinter". Dabei hält der "IC" öfter als ein deutscher IC, aber der "Sprinter" nicht so oft wie eine S-Bahn. Amsterdam-Utrecht hat auf 35 km 11 Halte, aber nur 3 davon (Maarssen, Breukelen, Abcoude) sind Pampahalte. Zwei liegen in Utrecht, die restlichen 6 in Amsterdam.

5. Einheitliche gummibereifte Bahn. Als "R-NET" verkehren Schnellbusse in dichtem Takt zwischen den ÖPNV-Knoten. Busse und Haltestellen haben ein einheitliches Farbkleid und dito Ausstattung.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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